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© S. Carreno

Alfredo Bryce Echenique  

Peru/Frankreich

Gast beim ilb 2002

Alfredo Bryce Echenique wurde am 19. Februar 1939 in Lima als Sohn einer wohlhabenden englisch-peruanischen Familie geboren. Auf Wunsch der Familie studierte Bryce Echenique Jura. Schnell setzte sich jedoch sein literarisches Interesse durch, und so schloss er wenig später ein parallel begonnenes Studium der Literaturwissenschaft mit einer Arbeit über Ernest Hemingway ab. Von der französischen Regierung erhielt er ein Jahr später ein Stipendium, dass ihn, wie viele andere lateinamerikanische Autoren der „Boom“-Generation, nach Paris führte. An der Sorbonne studierte er klassische und moderne französische Literatur und lehrte anschließend an verschiedenen französischen Schulen und Universitäten. Nach einem 1968 erschienenen Erzählband, „Huerto cerrado“ (Geschlossener Garten), wurde sein erster Roman „Un mundo para Julius“ (dt. „Eine Welt für Julius“) ein großer Erfolg und zählt heute zu den Klassikern der lateinamerikanischen Literatur. Mittlerweile in 10 Sprachen übersetzt, erzählt der Roman die Geschichte eines Jungen, der als jüngstes von vier Kindern einer reichen peruanischen Oberschichtfamilie aufwächst. Trotz seiner sozialen Herkunft fühlt er sich doch stärker mit der ihn umgebenden Dienerschaft verbunden, was ihn immer wieder in Konflikt mit seiner Familie bringt. Mit beißender Ironie entlarvt der Autor durch die Augen des Kindes die sozialen Abgründe der peruanischen Gesellschaft. „Un mundo para Julius“ markiert für Bryce Echenique den Beginn einer äußerst produktiven literarischen Karriere, in der er bis heute fast zwanzig Romane und Erzählbände veröffentlicht hat. „Ich bin ein Autor der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.“ Trotz dieses Bekenntnisses und seiner räumlichen wie zeitlichen Nähe zu anderen Autoren der lateinamerikanischen „Boom-Generation“ wahrt Bryce Echenique einen bewussten Abstand zu seinen Kollegen. Dass sein Stil, wie eine Kritikerin einmal bemerkte, eher einem ironischen als einem magischen Realismus entspricht, zeigte der Autor auch in seinem jüngsten, 1999 erschienenen, Roman „La amigdalitis de Tarzán“ (Tarzans Mandelentzündung, dt: „Küss mich, du Idiot“). Zumeist in Briefform, erzählt der Roman von der verhinderten Liebesbeziehung zwischen einem armen peruanischen Dichter und der Tochter einer einflussreichen salvadorianischen Familie. Juan Manuel Carpio und Fernanda María de la Trinidad del Monte Montes lernen sich in den stürmischen 68er Jahren in Paris kennen und verlieren sich kurz darauf wieder, um fast ein Leben lang in Briefkontakt zu bleiben. Ähnlich wie seine Helden lebte auch Alfredo Bryce Echenique jahrzehntelang weit entfernt von seiner Heimatstadt Lima, in die er erst 1999 zurückkehrte.

© internationales literaturfestival berlin

Alfredo Bryce Echenique online: www.bryce-echenique.com

BIBLIOGRAFIE:

 

Küss mich, du Idiot

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 2000

Übersetzung: Matthias Strobel

 

Eine Welt für Julius

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 2002

Übersetzung: Matthias Strobel

 

Crónicas Perdidas

Anagrama

Barcelona, 2002

 

Ein Frosch in der Wüste

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 2003

Übersetzung: Elke Wehr

 

Doce cartas a dos amigos

Peisa

Lima, 2003

 

Entrevistas escogidas

Fondo Editorial Cultura Peruana

Lima, 2004

 

Entre la soledad y el amor

Peisa

Lima, 2005

 

Übersetzer: Matthias Strobel

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