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Gast beim ilb 2001, 2002
Dieter Bachmann wurde 1940 in Basel geboren. Er studierte Literaturwissenschaft und Philosophie an der Universität Zürich und schloss mit einer Dissertation über Essay und Essayismus ab. Danach arbeitete er als Literatur- und Theaterkritiker und schrieb Fernsehbeiträge. In den Jahren 1970-78 war Bachmann Redakteur der „Weltwoche“; von dort ging er zum „Tages-Anzeiger Magazin“, für das er größere Reportagen verfasste. 1981 wurde er freier Autor und arbeitete unter anderem für das Schauspielhaus Zürich. Mit einem neuen Konzept übernahm er 1988 die Chefredaktion der Kulturzeitschrift „du“. Nach zehn Jahren verabschiedete er sich von dieser Tätigkeit und zog sich zum Schreiben in den Tessin zurück. Er nahm an diversen kulturellen Gremien, darunter Pro Helvetia, die ch-Reihe und die Klagenfurter Jury, teil. Bisher schrieb Dieter Bachmann die zwei Romane Rab (1985) und Der kürzere Atem (1998). Zu seinen Veröffentlichungen gehören neben zahlreichen Beiträgen in Zeitungen und Zeitschriften auch Anthologien und Sachbücher. Die Helden in seinen beiden Romanen sind „Rückzugsfiguren“, gekränkte Misanthropen, die sich in einer Art Weltverweigerung aus dem gesellschaftlichen Leben zurückziehen. So z.B. Schlösser, die Hauptfigur aus Der kürzere Atem. Dieser lebt in selbst gewählter Tessiner Abgeschiedenheit und verbringt seine Zeit mit dem Notieren von Beobachtungen und Gedanken. Zunächst vertieft er sich in die Studie eines Skorpions, den er eines Morgens auf dem Fußboden findet, bis er eines Tages Gelegenheit bekommt, aus seinem Wunsch, allein zu sein, einen Beruf zu machen. Als „Ziereremit“ wird er von einem englischen Lord eingestellt, der – einen exzentrischen Brauch aus dem 18. Jahrhundert wiederbelebend – seine Gartenanlage mit einem Einsiedler-Darsteller dekorieren will. Angetan mit einer Mönchskutte darf Schlösser zur Unterhaltung von Besuchern und Gästen Besinnlichkeit demonstrieren. Aufgerieben zwischen authentischer Meditation und Tourismusattraktion muss er diese Tätigkeit jedoch schließlich aufgeben und widmet sich im dritten Teil des Romans Studien über den „Gletschermenschen“ im Ötztal. So endet die Geschichte in der Gegenwart: „dieser gottverfluchten Gegenwart, die überhaupt nicht mehr aufhören will“. „Bachmanns Skorpionbetrachter, Ziereremit und Hundehasser stammt als Vergeblichkeitsapostel aus dem Reich der Literatur“, schrieb Wilfried F. Schoeller in der „Zeit“. „Er ist ein entfernter Verwandter des Monsieur Teste von Paul Valéry, die Echos von Becketts absurder Komik haben ihn gestreift, und Max Frisch könnte Schlösser’s Pate sein“. Ein Roman mit dem Titel "Grimsels Zeit" erschien 2002. Hier erzählt er, erneut unter dem Aspekt der Einsamkeit, die Geschichte eines Heranwachsenden, verflochten mit der geschichtlichen Kulisse der vierziger und fünfziger Jahre in Deutschland. Bachmann war von 2000 bis 2004 Direktor des Kulturinstituts „Istituto Svizzero“ in Rom. Zuletzt gab er das Reisebuch "Im ganzen Land schön. Die Schweiz mit der Tageskarte" (2006) heraus. Darin berichten fünfzehn Schweizer Autorinnen und Autoren von „Eintagesschweizumreisungen“.
© internationales literaturfestival berlin
BIBLIOGRAFIE:
Essay und Essayismus
Kohlhammer
Stuttgart, 1969
Fortschreiben: 98 Autoren der deutschen Schweiz [Hg.]
Artemis
Zürich, München, 1977
Rab
Ammann
Zürich, 1985
Das verschonte Haus: Das Zürcher Schauspielhaus im zweiten Weltkrieg [Hg.]
Ammann
Zürich, 1987
21 Jahre TAM: Vom Närwert einer Beilage: Erinnerungen
Bockler Press
Zürich, 1991
So many worlds: a photographic record of our time
[mit Daniel Schwartz]
Du-Verlag
Zürich, 1996
Der kürzere Atem
Residenz
Salzburg, 1998
Grimsels Zeit
Berlin Verlag
Berlin, 2002
Il lungo addio - Der lange Abschied
138 Fotografien zur italienischen Emigration in die Schweiz nach 1945 [Hg.]
Zweisprachig Italienisch und Deutsch
Limmat
Zürich, 2003
Die Leute von Soglio
[mit Pio Corradi, Urs Frei]
Offizin
Zürich, 2004
Der Körper der Photographie [Hg.]
Limmat
Zürich, 2005
Im ganzen Land schön. Die Schweiz mit der Tageskarte [Hg.]
Limmat
Zürich, 2006
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