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Haris Vlavianos

Griechenland










Writing Space

Gast des ilb 2003, 2007

Haris Vlavianos wurde 1957 in Rom geboren. Er studierte Wirtschaftswissenschaften und Philosophie an der Universität von Bristol und Politikwissenschaften und Geschichte in Oxford. Herkunft, Sprache und Wohnort weisen ihn dennoch als griechischen Autor aus. Heute lebt er in Athen, wo er am American College Geschichte und Ideengeschichte sowie am Europäischen Übersetzerzentrum (EKEMEL) Übersetzungstheorie lehrt. Er ist Herausgeber der renommierten Literaturzeitschrift »Poiisi« (Ü: Dichtung).
Dem kundigen Leser kann Vlavianos’ Interesse an der Dichtung neugriechischer Klassiker wie Konstantinos Kavafis, Takis Sinopoulos oder Nikos Karousos nicht entgehen. Mindestens ebenso deutlich sind aber die Korrespondenzen zwischen seiner Lyrik und den Werken angelsächsischer Autoren, etwa jenen von Wallace Stevens oder John Ashbery. Mit diesen verbindet Vlavianos zudem der intellektuelle Anspruch seiner Lyrik. Dabei gelingt es ihm stets, ein Gleichgewicht zwischen Abstraktion und Sinnlichkeit, zwischen von Rationalität geprägter Reflexion und der Schaffung einer suggestiven Atmosphäre zu wahren. Ein weiteres konstitutives Merkmal seiner Poesie ist das Festhalten an bestimmten Themenkomplexen. Den wichtigsten von ihnen bildet die Geschichte (als Begriff wie als Folge von Ereignissen). Häufig gehen Vlavianos’ Gedichte auch auf Wechselfälle im Leben seiner Familie zurück, die er jedoch als gleichsam archetypische Beispiele von emotionaler Abhängigkeit, Verlust oder Verrat zu behandeln versteht. Dagegen erscheinen Erotik und Liebe in seinem Werk sowohl in ihrer Ambivalenz, wie auch als Ursprung eines elementaren Glücksgefühls. Eine Inspirationsquelle für Vlavianos ist auch die Dichtung selbst und ihr prekärer Status. Schließlich nehmen einige seiner Gedichte direkt auf aktuelle philosophische Diskurse Bezug.
Vlavianos bedient sich einer äußerst eleganten Sprache, die eine grundsätzliche Festlegung auf formale Transparenz mit wenigen, aber gezielt eingesetzte syntaktischen und lexikalischen Normverstößen verbindet. Es ist der besondere Klang dieser Sprache, der beim Leser ungeachtet der strukturellen Vielfalt von Vlavianos’ Lyrik den Eindruck erweckt, einem stilistisch einheitlichen Werk zu begegnen. Und es mag dieser besondere Klang sein, der dazu berechtigen könnte, von einer qualitativen Bereicherung der europäischen Lyrik durch Vlavianos zu sprechen.
Vlavianos legte bisher acht Gedichtbände vor, darunter »O aggelos tis istorias« (1999; dt. »Der Engel der Geschichte«, 2001) und die 2007 ebenfalls auf Deutsch erschienene Sammlung »Meta to telos tis omorphias« (2003; dt. »Nach dem Ende der Schönheit«). Mit beiden wurde er für den Griechischen Staatspreis nominiert. Daneben veröffentlichte er Essays sowie zahlreiche Übersetzungen insbesondere amerikanischer und englischer Lyriker (T.S. Eliot, Ezra Pound, e.e. cummings, Wallace Stevens, John Ashbery, William Blake). Zuletzt erschien seine Essaysammlung »Poion aphora he poiese? Skepseis gia mia techne peritte« (2007; Ü: Ist Lyrik wichtig? Gedanken über eine unnütze Kunst).

© internationales literaturfestival berlin

BIBLIOGRAFIE:

Ipnovassies
Plethron
Athen, 1983

Politis thavmaton
Plethron; Nefeli
Athen, 1985

Tropos tou lejin
Hyakinthos
Athen, 1986

Aspondos anäressis
Roptron
Athen, 1989

I nostalgia ton uranon
Nefeli
Athen, 1994

Der Engel der Geschichte
Romiosini
Köln, 2001
[Ü: Dadi Sideri, Dimitra Visaitou]

Nach dem Ende der Schönheit
Hanser
München, 2007
[Ü: Torsten Israel]

Poion aphora he poiese
Ekdoseis Polis
Athen, 2007

Übersetzer: Torsten Israel, Dadi Sideri, Dimitra Visaitou

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