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Autor
© Doris Poklekowski

Martin Walser  

Deutschland

Gast beim ilb 2003, 2005

Martin Walser wurde 1927 in Wasserburg am Bodensee geboren. Er studierte Literaturwissenschaft, Geschichte und Philosophie in Regensburg und in Tübingen, wo er 1951 mit einer Arbeit über Franz Kafka promovierte. 1949 bis 1957 arbeitete Walser beim Süddeutschen Rundfunk als Reporter, Regisseur und Hörspielautor. Seit 1953 gehörte er der Gruppe 47 an, deren Preis er 1955 für eine seiner ersten Erzählungen, »Templones Ende«, erhielt. Für seinen ersten Roman »Ehen in Philippsburg« (1957) erhielt er den Hermann-Hesse-Preis. Seine Arbeit umfasst neben Prosawerken auch Theaterstücke, Drehbücher, Hörspiele und Übersetzungen sowie eine Vielzahl von Aufsätzen, Reden und Vorlesungen. 1978 veröffentlichte der Autor mit dem Band »Ein fliehendes Pferd« einen Klassiker deutscher Nachkriegsliteratur. Walser schildert hier die Geschichte des Studienrates Halm, eines typisch Walserschen Antihelden, der seinen Urlaub mit seiner Frau in einem Winkel am Bodensee verbringt, weil er glaubt, nur in einem Zustand größtmöglicher Lethargie ausharren zu können. Walser bezeichnet sich selbst als »literarischen Experten für Identitätsbeschädigung«. Seine meist aus dem Kleinbürgertum stammenden Protagonisten – von Identitätsproblemen, Minderwertigkeitsgefühlen und Abhängigkeitsverhältnissen geplagte Figuren – werden mit inneren Monologen charakterisiert, ihre Schwächen mittels Ironie so präzise wie komisch dargestellt. Mit Vorliebe führt er seine Protagonisten durch mehrere Romane, so etwa die Figur des Anselm Kristlein in der Trilogie »Halbzeit« (1960), »Das Einhorn« (1966) und »Der Sturz« (1973). 2004 erschien »Der Augenblick der Liebe«, der dritte Roman um den Protagonisten Gottlieb Zürn nach »Das Schwanenhaus« (1980) und »Die Jagd« (1988). Im selben Jahr veröffentlichte Walser auch die Essaysammlung »Die Verwaltung des Nichts« (2004).

Nach Erscheinen des Romans »Ein springender Brunnen« (1998), in dem der Autor seiner Jugend in Wasserburg während des Dritten Reiches nachspürt, erhielt Walser den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. »Der Autor der deutschen Einheit«, so die Preisbegründung, habe »den Deutschen das eigene Land und der Welt Deutschland erklärt und wieder nahegebracht«. Auf seine Dankesrede, in der er »die Instrumentalisierung von Auschwitz« als »Moralkeule« kritisierte, reagierten einige Stimmen mit dem Vorwurf, er propagiere den Schlussstrich unter die nationalsozialistische Vergangenheit Deutschlands. Die daraus resultierende »Walser-Bubis-Debatte«, wie auch die späteren Reaktionen auf den 2002 erschienen Roman »Tod eines Kritikers«, markieren in ihrer Heftigkeit die intellektuellen und moralischen Beliebigkeiten und Unschärfen in der Auseinandersetzung mit der deutschen Vergangenheit. Seine Tagebücher aus den Jahren 1951 bis 1962 erschienen unter dem Titel »Leben und Schreiben« (2005). Zuletzt veröffentlichte er die Lyriksammlung „Das geschundene Tier: Neununddreißig Balladen“ (2007).

Walser, der neben seiner literarischen Tätigkeit auch immer wieder kontrovers zu aktuellen politischen Themen Stellung bezogen hat, zählt zu den bedeutendsten Autoren der deutschen Nachkriegsliteratur und hat für sein literarisches Werk zahlreiche Preise erhalten, darunter 1981 den Georg-Büchner-Preis. Er wurde mit dem Orden »Pour le Mérite« ausgezeichnet und zum Officier de L'Ordre des Arts et des Lettres ernannt. Walser lebt in Überlingen am Bodensee.

© internationales literaturfestival berlin

Martin Walser online: www.martinwalser.de

BIBLIOGRAFIE:

 

Ehen in Philippsburg

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 1958

 

Eiche und Angora: eine deutsche Chronik

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 1962

 

Halbzeit

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 1962

 

Ein Flugzeug über dem Haus und andere Geschichten

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 1963

 

Der schwarze Schwan

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 1964

 

Überlebensgroß Herr Krott: Requiem für einen Unsterblichen

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 1964

 

Eiche und Angora: eine deutsche Chronik

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 1964

 

Das Einhorn

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 1966

 

Heimatkunde: Aufsätze und Reden

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 1968

 

Ein Kinderspiel: Stück in zwei Akten

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 1970

 

Aus dem Wortschatz unserer Kämpfe

Verl. Eremiten-Presse

Stierstadt, 1971

Ill: Peer Wolfram

 

Beschreibung einer Form: Versuch über Franz Kafka

Ullstein

Frankfurt/Main,  1973

 

Das Sauspiel: Szenen aus dem 16. Jahrhundert

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 1975

 

Ein fliehendes Pferd

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 1978

 

Seelenarbeit

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 1979

 

In Goethes Hand: Szenen aus dem 19. Jahrhundert

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 1982

 

Brief an Lord Liszt

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 1982

 

Brandung

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 1985

 

Auskunft: 22 Gespräche aus 28 Jahren

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 1991

 

Kaschmir in Parching: Szenen aus der Gegenwart

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 1995

 

Vormittag eines Schriftstellers

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 1996

 

Deutsche Sorgen

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 1997

 

Finks Krieg

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 1998

 

Die Verteidigung der Kindheit

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 2002

 

Ohne einander

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 2002

 

Ein springender Brunnen

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 2002

 

Tod eines Kritikers

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 2002

 

Meßmers Reisen

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 2003

 

Der Augenblick der Liebe

Rowohlt

Reinbek, 2004

 

Die Verwaltung des Nichts

Rowohlt

Reinbek, 2004

 

Leben und Schreiben: Tagebücher 1951-1962

Rowohlt

Reinbek, 2005

Der Lebensroman des Andreas Beck
Isele
Eggingen, 2006

Angstblüte
Rowohlt
Reinbek, 2006

Winterblume: Über Bücher von 1951 bis 2005
Isele
Eggingen, 2007

Das geschundene Tier: Neununddreißig Balladen
Rowohlt
Reinbek, 2007

 

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