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Autor
© Doris Poklekowski

Hanif Kureishi

Großbritannien

Gast beim ilb 2003

Hanif Kureishi wurde 1954 im Londoner Vorort Bromley, Großbritannien, geboren. Als Sohn einer Engländerin und eines pakistanischen Einwanderers ist er in einem kulturellen Zwischenraum aufgewachsen, in dem auch einige Helden seiner Geschichten angesiedelt sind. Kureishi begann schon als Teenager mit dem Schreiben von Romanen, war aber nach Abschluss seines Philosophiestudiums zunächst als Dramatiker am Royal Court Theatre in London und als Drehbuchautor erfolgreich.
International bekannt geworden ist Kureishi 1985 durch sein für den Oscar nominiertes Skript für Stephen Frears Film „My Beautiful Laundrette“ (dt. „Mein wunderbarer Waschsalon“, 1991). Der Film erzählt die Geschichte eines jungen, erfolgshungrigen Pakistani, der mit seinem weißen Freund einen gut gehenden Waschsalon eröffnet – im Großbritannien Margaret Thatchers eine ebenso unerhörte wie erfolgreiche Kampfansage an Rassenhass und Homophobie.
„The Buddha of Suburbia“ (1990; dt. „Der Buddha aus der Vorstadt“, 1992), Kureishis erster Roman, erhielt in Großbritannien 1990 den renommierten Whitbread Award. Er schildert satirisch das Erwachsenwerden des bisexuellen „Englishman“ Karim Amir zwischen Yoga und Punk im London der wilden siebziger Jahre. Im Zentrum seines zweiten Romans, „The Black Album“ (1995; dt. „Das schwarze Album“, 1995), steht erneut ein junger Pakistani, der in den Konflikt zwischen Popkultur und islamischem Fundamentalismus gerät – ein Thema von anhaltender Aktualität. Dabei ist es vor allem der scharfe Blick für die schillernden, in ihrer Banalität zuweilen absurden Facetten des modernen Lebens, der die Geschichten Kureishis auszeichnet.
Immer wieder zieht es den Schriftsteller, der 1991 bei „London Kills Me“ (dt. „London schafft alle“) selbst schon einmal Regie führte, zur Leinwand. „Intimacy“, ein Film des Franzosen Patrice Chéreau nach einem Kurzroman und Geschichten Kureishis, gewann den Goldenen Bären bei den Berliner Filmfestspielen 2001. Der Film „The Mother“ basiert nach dem Drehbuch des Autors auf seinem gleichnamigen Theaterstück (2003). "The Mother“ wurde 2003 im Rahmen der Directors Fortnight bei den Filmfestspielen in Cannes gezeigt. Gemeinsam ist den späteren Werken der melancholische Ton des einstigen Rebellen, der zunehmend auch über die Schwierigkeiten des Älterwerdens nachdenkt. Eine Tendenz, die sich auch in der Prosasammlung „The Body“ (2002; dt. „In fremder Haut”, 2003) fortschreibt: Erzählt wird die – fast schon mörderische – Geschichte eines alternden Schriftstellers, der sein Gehirn in den Körper eines Jünglings versetzen lässt und darüber seine Identität verliert. „The Word and the Bomb“ (2005) ist eine Sammlung alter und neuer Stücke und Essays zu dem Konfliktpotential zwischen europäischen Werten und islamischem Fundamentalismus. Hanif Kureishi lebt in London.

Dirk Naguschewski

© internationales literaturfestival berlin

Hanif Kureishi online: www.hanifkureishi.com

BIBLIOGRAFIE:

Mein wunderbarer Waschsalon
Droemer Knaur
München, 1991
Übersetzung: Dinka Mrkowatschki

Das schwarze Album
Droemer Knaur
München, 1997
Übersetzung: Bernhard Robben

Das unbestimmte Verlangen nach mehr
Knaur
München, 1999
Übersetzung: Bernhard Robben

Der Buddha aus der Vorstadt
Droemer Knaur
München, 2001
Übersetzung: Bernhard Robben

Intimacy
Rowohlt
Reinbek, 2001
Übersetzung: Leonie von Reppert-Bismarck

Gabriels Gabe
Kindler
Berlin, 2001
Übersetzung: Hans M. Herzog

Dunkel wie der Tag
Rowohlt
Reinbek, 2002
Übersetzung: Bernhard Robben

Dreaming and Scheming: Reflections on Writing and Politics
Faber and Faber
London, 2002

In fremder Haut
Kindler
Berlin, 2003
Übersetzung: Leonie von Reppert-Bismarck, Thomas Rütten

The Mother
Faber and Faber
London, 2003

My Ear at his Heart: Reading my Father
Faber & Faber
London, 2004

The Word and the Bomb
Faber
London, 2005

 

Übersetzer: Hans M. Herzog, Dinka Mrkowatschki, Bernhard Robben, Thomas Rütten, Leonie von Reppert-Bismarck

 

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