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Autor
© Doris Poklekowski

Aris Fioretos

Schweden / USA

Gast beim ilb 2003

Aris Fioretos wurde 1960 als Sohn griechisch-österreichischer Eltern in Göteborg, Schweden, geboren. Er studierte Vergleichende Literaturwissenschaften an der Universität Stockholm, an der École des Hautes Études in Paris und in Yale. Der habilitierte Literaturwissenschaftler publizierte Essays und wissenschaftliche Arbeiten – zu Hölderlin, Benjamin und Celan – und übersetzte u. a. Paul Auster, Friedrich Hölderlin und Vladimir Nabokov ins Schwedische. 1997 war er Gast des DAAD Künstlerprogramms in Berlin, 2001 Berlin Prize Fellow an der American Academy in Berlin. Für seine Arbeiten erhielt er zahlreiche Preise, u. a. den Karl Ragnar Gierow-Preis der Schwedischen Akademie (1994).
Seit 1991 hat Fioretos Kurzprosa veröffentlicht, sein Romandebüt „Stockholm Noir“ erschien 2000 und wurde mehrfach ausgezeichnet. Die deutsche Übersetzung, die unter dem Titel „Die Seelensucherin“ im selben Jahr erschien, wurde von der Kritik begeistert aufgenommen.

Virtuos vernetzt Fioretos hier nicht nur verschiedene Erzählebenen, sondern auch reale Wissenschaftsgeschichte mit fiktiven Schicksalen. Auf verschlungenen Pfaden begleitet der Leser eine junge Berlinerin auf ihrer dreitägigen Suche nach dem Vater durch das winterliche Stockholm des Jahres 1925 und erfährt dabei, wie ihr Schicksal mit dem eines selbsternannten schwedischen „Seelenbiologen“ verknüpft ist, der davon überzeugt ist, den Sitz der Seele im menschlichen Gehirn ausmachen zu können. Fioretos gelingt es auf suggestive Weise, die Atmosphäre der zwanziger Jahre einzufangen, wobei sich am Ende jedes Detail mit kunstvoller Selbstverständlichkeit als unverzichtbar für das Romanganze erweist. Auch sein zweiter Roman, „Sanningen om Sasha Knisch“ (2002; dt. „Die Wahrheit über Sascha Knisch“, 2003), nimmt seinen Ausgang im Berlin der zwanziger Jahre und bedient sich historischer Fakten, um verschiedene Erzählmuster zu verbinden: Was als Liebesgeschichte zweier Menschen beginnt, schlägt mit dem Tod der Geliebten in einen Krimi um, bei dem die rettende Wahrheit sich in dem verbirgt, was nicht geschehen ist. Vor dem Hintergrund einer Verschwörung im Wissenschaftsmilieu erzählt Fioretos von den Verkleidungen und Verlockungen des Sexuellen und formuliert eine ebenso scharfsinnige wie komische Liebeserklärung an die Kraft der Einbildung. Hubert Winkels befand nach der Lektüre von „Die Seelensucherin“, Fioretos erreiche mit seinem Schreiben das, was höchste Aufgabe der Literatur sei, nämlich „mit poetischen Mitteln Erkenntnis zu zeugen“. Seit Herbst 2003 ist er Kulturattaché an der schwedischen Botschaft in Berlin. 

© internationales literaturfestival berlin

Aris Fioretos online: www.arisfioretos.com

BIBLIOGRAFIE:

 

En bok om fantomer

Norstedt

Stockholm, 1991

 

Den grå boken: essä

Norstedt

Stockhom, 1994

 

Vanitasrutinera

Norstedt

Stockhom, 1998

 

Die Seelensucherin

DuMont

Köln, 2000

Übersetzung: Paul Berf

 

Stockholm Noir

Norstedt

Stockhom, 2000

Übersetzung: Paul Berf

 

Skallarna

[mit Katarina Frostenson]

Bonnier

Stockholm, 2001

 

Die Wahrheit über Sascha Knisch

DuMont

Köln, 2003

Übersetzung: Paul Berf

 

Mein schwarzer Schädel

DAAD

Berlin, 2003

Übersetzung: Paul Berf

 

Übersetzer: Paul Berf, Andreas Bredenfeld

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