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Autor
© Doris Poklekowski

Raymond Federman 

USA

Gast beim ilb 2003

Raymond Federman zählt international zu den einflussreichsten Vertretern der literarischen Postmoderne. Der franko-amerikanische Schriftsteller und Literaturwissenschaftler jüdischer Abstammung wurde 1928 in Paris geboren. Seine „wirkliche“ Geburt datiert er jedoch auf den 16.7.1942, jenen Tag, an dem in Paris mehr als 12 000 Menschen verhaftet und in die Todeslager deportiert wurden. Federmans Eltern und beide Schwestern wurden in Auschwitz umgebracht, er selbst überlebte, weil seine Mutter ihn in einem Wandschrank verbarg. Federmann emigrierte 1947 in die USA, wo er sich als Gelegenheitsarbeiter und Jazz-Saxophonist durchschlug, bis er 1951 zur Armee eingezogen wurde und als Fallschirmspringer in Korea diente. 1953 erhielt er die amerikanische Staatsbürgerschaft. 1954 begann er das Studium der Vergleichenden Literaturwissenschaft an der Columbia University, das er 1963 an der UCLA mit einer Dissertation zu Samuel Beckett, mit dem er eng befreundet war, abschloss. Ab 1977 führten ihn zahlreiche Gastprofessuren nach Europa, Afrika und Asien.

Obwohl sein Werk Gedicht- und Essaybände, wissenschaftliche Arbeiten, Aufsätze und Übersetzungen umfasst, betrachtet er sich nach eigener Aussage in erster Linie als Romanschriftsteller. Sein 1971 erschienener experimenteller Debütroman „Double or Nothing“ (dt. „Alles oder Nichts“, 1971), der später mehrfach ausgezeichnet wurde und ihm sofort internationale Anerkennung brachte, verbindet die formalen Experimente der konkreten Poesie mit epischer Prosa und wird zu den wichtigsten avantgardistischen Werken des vorigen Jahrhunderts gerechnet. Sein umfangreiches, autobiographisch durchwirktes Werk kreist immer wieder um die Verlassenheit und das Schuldtrauma des zufällig Überlebenden, so auch in „Take It or Leave It“ (1976, dt. 1998), das er selbst als sein wichtigstes Buch bezeichnet hat. In seinen Hamburger Poetik-Lektionen (1990) prägte er in Anlehnung an den Surrealismus den Begriff „Surfiction“ für jene Art von Literatur, die die Fiktionalität der Wirklichkeit offenlegt und von Wiederholungen, Abschweifungen und Selbstreflexionen geprägt ist. 2001 erschien der Band „Loose Shoes“ (dt. „Offene Schuhe“, 2002), eine aus 365 experimentellen Fragmenten bestehende, tagebuchartige Aufzeichnung seiner geistigen Arbeit, dem der programmatische Leitspruch vorangestellt ist, vor dessen Hintergrund sein ganzes Werk begriffen werden muss: „Ein Roman ist nicht so sehr das Schreiben eines Abenteuers als das Abenteuer des Schreibens.“ Für sein Werk, das teils zweisprachig erschien und in mehr als ein Dutzend Sprachen übersetzt worden ist, erhielt Federman zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den American Book Award (1986). Er lebt in San Diego.

© internationales literaturfestival berlin

Raymond Federman online: www.federman.com

BIBLIOGRAFIE:

 

Samuel Beckett: His Works and his Critics

University of California Press

Berkeley, London, 1977

 

Double or Nothing

Swallow Press

Chicago, 1971

 

Amer eldorado

Stock

Paris, 1974

 

Me too

West Coast Poetry Review

Reno, 1975

 

Take it or Leave it

The Fiction Collective

New York, 1976

 

The Voice in the Closet

Coda Press

Madison, Wisconsin, 1979

 

The Twofold Vibration

Indiana University Press

Bloomington, 1982

 

The Rigmarole of Contrariety

The Bolt Court Press

New York, Buffalo, 1982

 

Smiles on Washington Sqare

Thunder´s Mouth Press

New York, 1985

 

Spieltexte

Literarisches Colloquium

Berlin, 1989

Übersetzung: Peter Torberg

 

To Whom it May Concern

The Fiction Collective

Boulder, Colorado, 1990

 

Now Then

Isele

Freiburg, 1992

Übersetzung: Karin Graf

 

Surfiction: Der Weg der Literatur

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 1992

Übersetzung: Peter Torberg

 

Critifiction: Postmodern Essays

State University of New York Press

Albany, New York, 1993

 

The Supreme Indecision of the Writer

The Boltcourt Press

Buffalo, New York, 1995

 

Der Pelz meiner Tante Rachel
Faber & Faber
Leipzig, 1997
Übersetzung: Thomas Hartl

Penner-Rap

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 1998

Übersetzung: Peter Torberg

 

Offene Schuhe: Eine Art Lebensgeschichte

Weidler

Berlin, 2001

Übersetzung: Martin Arndorfer

 

99 Hand Written Poems

Weidler

Berlin, 2001

Mon corps en neuf parties
Weidler
Berlin, 2002

 
Übersetzer: Martin Arndorfer, Gerhard Effertz, Karin Graf, Thomas Hartl, Peter Torberg

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