Gast beim ilb 2003
Juan Gustavo Cobo Borda wurde 1948 in der
kolumbianischen Hauptstadt Bogotá geboren. Nach Schulzeit und
Studium veröffentlichte er 1974 sein Debüt „Consejos para sobrevivir“
(„Ratschläge zum Überleben“), mit dem er seinen klangvollen Namen in
der kolumbianischen Literaturszene festschrieb. Manche zählen ihn zum
jüngsten Mitstreiter der Gruppe des „Nadaísmo“, das unter dem Maxime
„Das Nichts oder nichts“ angetreten war, die alte Rhetorik des
kolumbianischen Lyrismus durch grenzenlose Spontaneität, parodische
Frivolität und radikale Negation zu entweihen. Doch er gehört
eigentlich zur etwas später aufkommenden „Generación sin Nombre“
(„Generation ohne Namen“). Ein Jahrzehnt lang war er Herausgeber der
Poesiezeitschrift „Eco“. 1975-83 leitete er die Nationalbibliothek und
das Kolumbianische Kulturinstitut. Inzwischen erschienen weitere
Gedichtbände, darunter „Ofrenda en el altar del bolero“ („Opfergabe auf
dem Altar des Bolero“), 1981, und „Todos los poetas son santos e irán
al cielo“ („Alle Dichter sind Heilige und kommen in den Himmel“), 1983,
die seine ironische Präzision ausreifen ließen. 1983 ging er für sieben
Jahre als Kulturattaché nach Buenos Aires und veröffentlichte 1985 das
polemische Panorama der lateinamerikanischen Lyrik „Antología de la
poesía hispanoamericana“, das Museum der modernen Poesie
Lateinamerikas. In Buenos Aires lernte er Jorge Luis Borges kennen,
über den er kritische Essays, Glossen und andere Textsorten schrieb,
zum Teil mit humoriger und poetischer Methodik, die sich in seinem
ersten Borgestext „Borges en pantuflas“ („Borges in Pantoffeln“)
bereits andeutete.
Der Dichter und Essayist kehrte 1990 nach Bogotá zurück und arbeitete
zwei Jahre in der Kulturabteilung des Außenministeriums, bevor er
1992-94 als Kulturattaché nach Madrid ging. Seither war er Jurymitglied
für bedeutende Literaturpreise in Washington, Mexiko-Stadt, Madrid,
Caracas und Oklahoma. Er wurde Mitglied der Kolumbianischen Akademie
für Sprache und korrespondierendes Mitglied der Königlichen Spanischen
Akademie. Bei seiner Mitarbeit am neu erschienenen Wörterbuch der
spanischen Sprache, bei der erstmalig annähernd 100.000
hispanoamerikanische Wörter und Begriffe des dortigen Alltags und ihrer
poetischen und literarischen Kreativität aufgenommen wurden,
stellte er zur Verwunderung seiner europäischen Kollegen fest:
„Hispanoamerika ist das große Laboratorium der (spanischen) Sprache“.
Danach war er für einige Jahre Kulturberater der kolumbianischen
Regierung und ging als Botschafter seines Landes nach Griechenland.
Nach Bogotá zurückgekehrt, veröffentlichte er den Gedichtband „La musa
inclemente“ (Ü: Die unbarmherzige Muse) in Spanien, der von Álvaro
Mutis als „außergewöhnliches Abenteuer“ charakterisiert wurde, und in
dem Cobo Borda seine visionäre Originalität zum unendlichen Thema der
amourösen Leidenschaften zwischen Schicksal und Verhängnis, teils
transzendent, teils sarkastisch, unter Beweis stellt. Neben der
hispano-amerikanischen Gedichtsammlung „Lengua erotica“ (Ü: Erotische
Sprache) erschien 2004 der Essayband „Lector impenitente“ (Ü: Leser
ohne Reue).
© internationales literaturfestival berlin
BIBLIOGRAFIE:
Alamanaque de versos
Editorial Oveja Negra
Bogotá, 1988
Poemas orientales y bogotanos
Universidad Nacional Autónoma de México
México, 1997
Furioso amor
El Áncora
Bogotá, 1997
No sabes con cuanto gusto de disfrutó, impúdica
Consejo Nacional para la Cultura y las Artes
México, 1997
La musa inclemente
Tusquets Editores
Barcelona, 2001
Mis Pintores
Villegas Editores
Bogotá, 2002
Lengua erótica
Villegas Edictores
Bogotá,2004
Lector impenitente
Fondo de Cultura de México
Mexico, 2004
Übersetzer: Juana und Tobias Burghardt
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