Gast des ilb 2003
Tatjana Tolstaja wurde 1951 in St. Petersburg
(Leningrad), Russland, geboren. Sie studierte Altphilologie in
Leningrad. Anschließend war sie für kurze Zeit als Lektorin tätig,
bevor sie nach Moskau ging, um dort als Autorin zu arbeiten. Ihre erste
Sammlung von Erzählungen (1987; dt. „Stelldichein mit einem Vogel“,
1989), war ein großer literarischer Erfolg, der sie über Nacht zu der
bekanntesten Schriftstellerin der Sowjetunion machte.
1989 verließ sie Moskau und ging in die USA. In den neunziger Jahren
lehrte sie an der Princeton University in New York und am Skidmore
College in New Jersey, während sie für Magazine wie „The New York
Review of Books“ zahlreiche, teils kritische, teils humorvolle
Essays zur russischen Literatur und Politik verfasste. Zwanzig dieser
essayistischen Texte wurden 2003 unter dem Titel „Pushkin’s Children.
Writings on Russia and Russians“ in den USA veröffentlicht. Im Jahr
2000 kehrte sie nach Russland zurück. Dort vollendete sie innerhalb
eines Monats ihren ersten Roman „Kys“, den sie bereits 1986, vierzehn
Jahre früher, angefangen hatte zu schreiben.
Tatjana Tolstaja entwirft in „Kys“ die düstere, bizarre Welt eines
zukünftigen Russland. Dieses Reich wird beherrscht von einem Diktator
und bevölkert von missgestalteten Menschen und Mutationen, die in
Schrecken vor der grausamen Kreatur Kys leben. Der Besitz von Büchern
ist verboten, doch für den Protagonisten Benedikt ist das Lesen eine
Droge. Tolstaja entfaltet den märchenhaften Zauber ihrer Erzählkunst,
bezieht sich auf russische Erzähltraditionen, spielt mit alten
kyrillischen Buchstaben, erfindet neue Wörter, schwelgt in
literarischen Anspielungen und zitiert überdies neben Gogol, Tschechow,
Tolstoi und Puschkin andere Größen der Weltliteratur. „Ich habe die
Texte in mein Buch aufgenommen, die beim Schreiben aus meinem
Unbewussten aufgetaucht sind.“
In deutscher Sprache sind neben „Kys“ (2003) mehrere Bände mit
Erzählungen von ihr erschienen: „Stelldichein mit einem Vogel“ (1989),
„Sonja“ (1991) sowie „Und es fiel ein Feuer vom Himmel“ (1992). Tatjana
Tolstaja kommentiert nicht nur als Schriftstellerin und Essayistin,
sondern auch als Fernsehmoderatorin kritisch-ironisch die Lage ihrer
Nation.
Sie lebt in Moskau, New York und Petersburg.
© internationales literaturfestival berlin
BIBLIOGRAFIE:
Stelldichein mit einem Vogel
Luchterhand
Frankfurt/Main, 1989
Übersetzung: Sylvia List
Sonja
Luchterhand
Frankfurt/Main, 1991
Übersetzung: Sylvia List
Und es fiel ein Feuer vom Himmel
Rowohlt
Berlin, 1992
Übersetzung: Sylvia List
Reka Okkervil
Podkova
Moskva, 1999
Den
Podkova
Moskva, 2001
Noè
Podkova
Moskva, 2001
Izjum
Podkova
Moskva, 2002
Kys
Rowohlt
Berlin, 2003
Übersetzung: Christiane Körner
Krug
Eksmo
Moskva, 2003
Pushkin’s Children
Houghton Mifflin
Boston, 2003
Übersetzung: Jamey Gambrell
Belye steny
Eksmo
Moskva, 2004
Ne kys
Eksmo
Moskva, 2004
Ženskij den’
Eksmo
Moskva, 2006
Übersetzer: Christiane Körner, Silvia List
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