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Autor
© Jerry Bauer / Suhrkamp

José María Ridao 

Spanien

Gast bei ilb 2003

Der Diplomat, Essayist und Schriftsteller José María Ridao wurde 1961 in Madrid geboren. Nach Abschluss seines Jura- und Arabistik-Studiums trat er 1987 in den diplomatischen Dienst ein. Dieser führte ihn in den folgenden Jahren als Botschaftsrat nach Angola und Äquatorial-Guinea sowie als Konsul nach Moskau.
Ridao begreift Literatur und Politik nicht als grundverschiedene Dinge. Er fühlt sich Autoren wie etwa Günter Grass nahe und zitiert Manuel Azaña, den Präsidenten der spanischen Republik von 1936 bis 1939, um sein Selbstverständnis zu verdeutlichen: „Politik ist die höchste Stufe unserer Kultur.“ Ridao erweist sich als scharfer Analytiker und eloquenter Kritiker, der in seinem Werk mit poetischen Mitteln die Ursprünge der Denkmuster  hinterfragt, die unsere gegenwärtige Kultur geprägt haben.
Sein neuestes Buch, „El pasajero de Montauban“ (2003; Ü: Der Reisende von Montauban), ist Essay und fiktiver Reisebericht zugleich und spielt im Titel wiederum auf Azaña an. Ridao wandelt auf den Spuren prominenter Intellektueller, die Spanien bereist haben - neben Azana beispielsweise Walter Benjamin -, um eine Revision des aktuellen Diskurses in Spanien zu versuchen, den Ridao selbst als Geschichtsklitterung bezeichnet. Der Roman “El mundo a media voz” (2001; Ü: Die Welt mit gedämpfter Stimme), der im nächsten Jahr in deutscher Übersetzung erscheinen wird, ist die Geschichte eines Mannes, der in der Vergangenheit seiner Familie forscht, um zu ergründen, weshalb sein Großvater einst nach Angola emigriert ist. Seine Entdeckungen entsprechen nicht seiner Erwartung: Er findet nicht den bedrohten Franco-Gegner, zu dem er den Großvater stilisiert hatte, sondern das Bild eines überzeugten Kolonialisten. Ridao schreibt mit großem erzählerischen Können vom Verlust der Unschuld. Seine Prosa ist präzise und subtil, bisweilen wurde sie mit dem spanischen Realismus der fünfziger und sechziger Jahre assoziiert.
Das essayistische Werk erschien zunächst in verschiedenen Zeitungen, u. a. in „El País“, und wurde 2000 in einer Auswahl unter dem Titel „La desilusíon permanente“ (Ü: Die permanente Enttäuschung) herausgebracht. Weitere Essaybände folgten. Ridao begann schon sehr früh mit dem Schreiben, veröffentlichte seinen ersten Roman jedoch erst 1998 („Agosto en el Paraíso“; Ü: August im Paradies). Ein Jahr später erschien der Erzählband („Excusas para el doctor Huarte“; Ü: Entschuldigungen für den Doktor Huarte). Ridao entschloss sich 2000, seine diplomatische Laufbahn zu beenden, um sich ganz dem Schreiben widmen zu können, und lebt heute in Madrid.

© internationales literaturfestival berlin

 

BIBLIOGRAFIE:

 

Agosto en el paraíso

Montesinos

Barcelona, 1998

 

Excusas para el doctor Huarte

Montesinos

Barcelona, 1999

 

La desilusión permanente

Montesinos

Barcelona, 2000

 

La elección de la barberie

Tusquets

Barcelona, 2002

 

El pasajero de Montauban

Galaxia Gutenberg

Barcelona, 2003

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