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Mindesthöhe

Yôko Ogawa 

Japan

Gast des ilb 2003 

Yôko Ogawa wurde 1962 in der Präfektur Okayama, Japan, geboren. Ein starker spiritueller Einfluss in ihrer Jugend war der Shintoismus, der alle Teile und Bereiche der Wirklichkeit als göttlich begreift. Anfang der 1980er Jahre studierte sie Literatur und Kunst an der Waseda Universität Tokio. Nach dem Studium kehrte sie nach Okayama zurück, wo sie eine zeitlang an einer medizinischen Universität arbeitete und bald darauf heiratete. Gleichzeitig begann sie mit dem Schreiben. 1988 wurde sie für die Erzählung „Agehachô ga kowareru toki“ (Ü: Als der Schwalbenschwanz zerbrach) mit dem Kaien-Preis für junge Autoren ausgezeichnet. Auch ihre nachfolgenden Werke fanden große Beachtung: mit „Kampekina Byôshitsu“ (Ü: Das perfekte Krankenzimmer), „Daibingu Puru“ (Ü: Tauchbecken) und „Samenai Kôcha“ (Ü: Schwarzer Tee, der nie abkühlt) war sie drei Jahre in Folge für den renommiertesten Literaturpreis Japans, den Akutagawa-Preis, nominiert. Die bedeutende Auszeichnung erhielt sie schließlich 1991 für „Ninshin Karenda“ (dt. „Tagebuch einer Schwangerschaft“, in: „Schwimmbad im Regen“, 2003). Heute zählt sie mit ihren zahlreichen Novellen, Kurzgeschichten, Essays und Romanen zu den wichtigsten zeitgenössischen Autorinnen Japans. In Europa wurde Yôko Ogawa zunächst nur in Frankreich wahrgenommen, wo seit 1995 zahlreiche Titel von ihr in Übersetzung erschienen sind. In deutscher Sprache liegen bisher die Romane „Hoteru Airisu“ (dt. „Hotel Iris“, 2001), „Kusuriyubi“ (dt. „Der Ringfinger“, 2002), „Yohaku-no-ai“ (dt. „Liebe am Papierrand“, 2004), „Chinmoku-hakubutsukan“ (Das Museum der Stille, 2005) sowie ein Band mit Erzählungen vor (dt. „Schwimmbad im Regen“, 2003).

Yôko Ogawa überrascht mit einem kühlen, minimalistischen Erzählstil, der umso mehr Raum für die Phantasien und Assoziationen ihrer Leser bietet. Ihre reduzierte, klare Sprache, die detaillierten Beschreibungen und die Linearität der Handlung verdichten sich zu einer seltsam diffusen Atmosphäre. Die Charaktere in Ogawas beunruhigenden, rätselhaften Welten bleiben auf wenige Merkmale reduziert. Meist erzählt die Autorin aus der Sicht einer jungen, eher passiven Frau, die ihr Handeln und Sein freiwillig der Dominanz eines Mannes unterordnet. So auch in „Hotel Iris“, wo die 17-jährige Mari allein vom gebieterischen Klang der Stimme eines wesentlich älteren Mannes so fasziniert ist, dass sie sich auf eine sado-masochistische Beziehung mit ihm einlässt. Ogawa vermeidet hier einen voyeuristischen Ansatz ebenso wie eine moralische Wertung und konzentriert sich stattdessen auf die subtile Schilderung einer gegenseitigen Abhängigkeit.
Yôko Ogawa lebt mit ihrer Familie in der japanischen Präfektur Hyôgo.

© internationales literaturfestival berlin

BIBLIOGRAFIE:

 

Hotel Iris

Liebeskind

München, 2001

Übersetzung: Ursula Gräfe, Kimiko Nakayama-Ziegler

 

Der Ringfinger

Liebeskind

München, 2002

Übersetzung: Ursula Gräfe, Kimiko Nakayama-Ziegler

 

Schwimmbad im Regen

Liebeskind

München, 2003

Übersetzung: Ursula Gräfe, Kimiko Nakayama-Ziegler

 

Liebe am Papierrand

Liebeskind

München, 2004

Übersetzung: Ursula Gräfe, Kimiko Nakayama-Ziegler

 

Das Museum der Stille

Liebeskind

München, 2005

Übersetzung: Ursula Gräfe, Kimiko Nakayama-Ziegler

 

Übersetzer: Ursula Gräfe, Kimiko Nakayama-Ziegler

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