Gast beim ilb 2003
Clara Janés wurde 1940 in Barcelona als Tochter des
Lyrikers und Lektors Josep Janés geboren. An den Universitäten von
Barcelona und Pamplona studierte sie Philosophie und Literatur, später
Vergleichende Literaturwissenschaft und Tschechisch an der Sorbonne in
Paris. Seither lebt sie in Madrid.
Das literarische Werk von Clara Janés ist ausgesprochen facettenreich.
Zwar ist sie vor allem als Lyrikerin bekannt, doch umfassen ihre
zahlreichen Publikationen auch Romane, Essays, Biographien („La vida
callada de Federico Mompou“, 1975; Ü: Das schweigsame Leben des
Federico Mompou), autobiographische Erzählungen („Jardín y Laberinto“,
1990; Ü: Garten und Labyrinth), Reiseberichte und Übersetzungen. Einen
Schwerpunkt bildet dabei die tschechische Lyrik (vor allem Vladimir
Holan), aber auch aus dem Französischen (Marguerite Duras, Nathalie
Sarraute) und Englischen (Katherine Mansfield, William Golding) hat sie
übersetzt. Neuerdings widmet sie sich persischer und türkischer Lyrik.
Darüber hinaus hat sie Werke verschiedener spanischer Autoren
herausgegeben, 2001 auch eine von ihrer Tochter Adriana übersetzte
spanische Ausgabe eines Lyrikbandes von Johannes Bobrowski. Janés wurde
sowohl für ihre Lyrik, als auch für Prosa und Übersetzungen mehrfach
ausgezeichnet, darunter 2002 mit dem renommierten Premio Jaime Gil de
Biedma. Ihre Werke wurden in knapp zwanzig Sprachen übersetzt, darunter
ins Arabische, Persische und Isländische.
Clara Janés gehört zur femininen Avantgarde der spanischen Literatur,
die seit den achtziger Jahren an Bedeutung gewann und die sich in der
bis dahin von Männern dominierten und nachhaltig katholisch geprägten
spanischen Gesellschaft behaupten konnte. Insbesondere ihre Lyrik
spiegelt die ständige Beschäftigung mit der eigenen Doppelrolle als
Frau und Dichterin wieder. Näherte sie sich diesem Thema in den ersten
Gedichten („Las estrellas vencidas“, 1964; Ü: Die besiegten Sterne)
unter einer eher allgemeinen Perspektive, lotete sie die Weiblichkeit
in den folgenden Jahrzehnten auf immer intimere Weise aus. Als
Wendepunkt hin zu einer offensiv erotischen Literatur gilt die Sammlung
„Kampa“ (1986, geschrieben bereits in den siebziger Jahren), in der die
Autorin zum ersten Mal weibliches Selbstbewusstsein mit erotischer
Erfüllung verknüpft. Diese Linie setzt sich in „Eros“ (1981) und
„Vivir“ (1983; Ü: Leben) so explizit und lustvoll fort, dass Rosa
Chacel Janés „eine der großen Liebesdichterinnen“ nannte. Auch in ihren
Texten aus den neunziger Jahren werden immer wieder neue Varianten der
Beziehung von weiblichem Selbst, Körper, Sinnlichkeit und Erotik
erforscht, in „Arcángel de sombra“ (1998, Ü: Erzengel des Schattens)
etwa in der Verbindung von Eros und Tod. Der
zweisprachige Gedichtband „La indetenible quietud y otros poemas. Die
unaufhaltsame Ruhe und andere Gedichte“ (2004) bietet auch
deutschsprachigen Lesern einen Einblick in das lyrische Schaffen der
Autorin.
© internationales literaturfestival berlin
BIBLIOGRAFIE:
Desintegración
Editorial Eucar
Madrid, 1969
Eros
Hiperión
Madrid, 1981
Kampa
Hiperión
Madrid, 1986
Vivir
Hiperión
Madrid, 1983
Los caballos del sueño
Anagrama
Barcelona, 1989
El hombre de Adén
Anagrama
Barcelona, 1991
Arcángel de sombra
Visor
Madrid, 1999
Los secretos del bosque
Visor
Madrid, 2002
Paralajes
Tusquets
Barcelona. 2002
La indetenible quietud y otros poemas. Die unaufhaltsame Ruhe und andere Gedichte
teamart
Zürich, 2004
Übersetzung: Juana Burghardt, Tobias Burghardt
Vilanos
AdamaRamada
Madrid, 2004
Brancusi
AdamaRamada
Madrid, 2005
Huellas sobre una corteza
Fundación Jorge Guillén
Valladolid, 2005
La voz de Ofelia
Siruela
Madrid, 2005
Fractales
Pre-Textos
Valencia, 2006
Übersetzer: Angelika Thiele Becker, Juana und Tobias Burghardt, Leopold Federmair
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