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Autor
© Doris Poklekowski

Jabbar Yassin Hussin 

Irak / Frankreich

Gast bei ilb 2003

Jabbar Yassin Hussin wurde 1954 in Bagdad, Irak, geboren. Er wuchs in einem laizistischen und politisch links orientierten Umfeld auf. Nachdem die Ba’ath-Partei 1968 die Macht übernommen hatte (mit Saddam Hussein als Chef des Ministeriums für Staatssicherheit), schloss er sich im Alter von 14 Jahren der Kommunistischen Partei an. Wegen seiner politischen Aktivitäten, u. a. als Vorstand der kommunistischen Jugend Bagdads, wurde er bereits in seiner Schulzeit mehrmals inhaftiert und gefoltert. Als 1973 die Kommunistische Partei von der Ba’ath-Partei vereinnahmt wurde, gab er seine Mitgliedschaft auf. Seither stand er unter ständiger Beobachtung des Regimes von Saddam Hussein. Er war an der Universität in Bagdad eingeschrieben und kurze Zeit als Journalist tätig, durfte jedoch weder sein Studium, noch seine Arbeit fortsetzen. Stattdessen schrieb er Novellen, Erzählungen und Märchen für Kinder. 1976 drohte ihm eine erneute Inhaftierung, weshalb er das Land überstürzt verlassen musste. Er floh nach Frankreich. Dort gründete er mit befreundeten Exilanten die Zeitschrift „Aswat“ (Ü: Die Stimme), die sich kritisch gegenüber Saddam Hussein äußerte.

Jabbar Yassin Hussin schreibt neben Kurzgeschichten und Erzählungen auch Artikel für diverse Zeitungen und Magazine. Er behandelt in seinen Texten vor allem die traumatische Erfahrung des Exils, den Verlust von Heimat und Identität. „Ich schrieb, um mich an das zu erinnern, was ich verlassen hatte.“ Er verfasst seine Texte auf arabisch – eine ebenso bewusste wie emotionale Entscheidung, da seine Muttersprache durch die Dominanz der Exilsprache Französisch in ihrer Ausdruckskraft relativiert wurde. Seit Anfang der neunziger Jahre wurden seine Bücher in Frankreich veröffentlicht, darunter „Adieu, l’enfant“ (1996), eine sehr persönliche Annäherung an die Geschichten und Ereignisse seiner Kindheit.

Seine Erzählungen „Le lecteur de Bagdad. Contes et nouvelles“ (2000) und „Histoires de jour, contes de nuit“ (2003) erinnern an sein Leben in der Heimat. Im selben Jahr erschien „Paroles d’argiles. Un Irakien en exile“, eine Sammlung von Artikeln, Kommentaren und Reden zur aktuellen Situation im Irak, die in der arabischen Presse veröffentlicht wurden. Seine Texte wurden in acht europäische Sprachen übersetzt.
Jabbar Yassin Hussin lebte seit 1992 in der Nähe von La Rochelle in Frankreich. Er besuchte den Irak zum letzten Mal im Jahr 2004.

© internationales literaturfestival berlin

BIBLIOGRAFIE: 

Aux Rives de la folie

L´Harmattan

Paris, 1991

 

Un Ciel assombri d´étoiles

Atelier du Gué

Villelongue d´Aude, 1996

 

Adieu l´enfant

Atelier du Gué

Villelongue d´Aude, 1996

 

Yémen-Détours

L´Esprit des Peninsules

Paris, 2000

 

Le Lecteur de Bagdad

Atelier du Gué

Villelongue d´Aude, 2000

 

Histoires de jour, contes de nuit

Atelier du Gué

Villelongue d´Aude, 2002

 

Paroles d´argile

Atelier du Gué

Villelongue d´Aude, 2003

 

 

Übersetzerin: Regina Keil-Sagawe

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