Gast beim ilb 2003
Romesh Gunesekera wurde 1954 in Colombo, Sri Lanka,
geboren, wo er auch seine frühe Kindheit verbrachte. Er wuchs
zweisprachig auf, mit Englisch und Singhalesisch, der Amtssprache Sri
Lankas. Von Sri Lanka zog die Familie auf die Philippinen, bevor sie
sich 1972 in London niederließ. Gunesekera hat Englische Literatur und
Philosophie an der University of Liverpool studiert.
Gunesekera begann bereits im Alter von 14 Jahren mit dem Schreiben.
1992 veröffentlichte er die Erzählsammlung „Monkfish Moon“ (Ü:
Seeteufel Mond). Sein erster Roman, „Reef“, erschien 1994 und wurde für
den Booker Prize nominiert (dt. „Riff”, 1998). „Riff“ ist eine
Liebesgeschichte, die in einem bedrohten Paradies angesiedelt ist.
Erzählt wird sie von Triton, der mit elf Jahren in die Dienste Sagaldos
tritt, eines in seine Wissenschaft vertieften Meeresbiologen. Triton
ist ein sprechender Name: Ursprünglich der antiken Mythologie entlehnt,
wo er den Sohn Neptuns bezeichnet, zugleich aber auch der Name des
größten Mondes des vorletzten Planeten unseres Sonnensystems, verweist
der Name auf das Verhältnis der beiden Hauptfiguren und ihre
Entrücktheit von der Welt. Das Haus Sagaldos ist ein sich selbst
genügender Mikrokosmos, der von Tritons Kochkünsten bestimmt wird und
durch dessen Zaubergarten nichts von den ethnischen und sozialen
Konflikten Sri Lankas dringt. Aber dieser scheinbar elysische Zustand
ist nicht von Dauer, die politische Realität holt beide ein, und auch
das Riff, Forschungsobjekt und Lebensinhalt Sagaldos, fällt als
vermarktbare Ressource der Zerstörung zum Opfer. Fern der Heimat muss
der erwachsen gewordene Erzähler erkennen, dass er auf einen schwachen
und naiven, weltfremden Mann gebaut hatte. Die markante Stimme des
Erzählers, naiv und wach zugleich, die problemlos in die erwachsene
Perspektive überblendet, lässt die Begriffe von Vertrautheit und Fremde
vertauscht erscheinen. Verstärkt wird dieser Eindruck durch das
Einflechten singhalesischer Begriffe, die nicht erklärt werden (in der
deutschen Übersetzung werden die Begriffe in einem Glossar erläutert).
Der Ton ist lyrisch, gegen Ende zunehmend elegisch, und es scheint die
Erkenntnis auf, dass die fremden Einflüsse, die zu schnell und
vielfältig in das Land eingedrungen sind, nicht ganz unschuldig sind am
Untergang dieser Welt.
Seitdem veröffentlichte Gunesekera die Romane „The
Sandglass” (1998; dt. „Sandglas”, 1999), eine Reflexion über Schwermut
und Verfall vor dem Hintergrund der Geschichte zweier verfeindeter
Familien, „Heaven´s Edge“ (2002; dt. „Am Rand des Himmels“, 2005) und
„The Match“ (2006; Ü: Der Wettkampf). Gunesekera verfasst auch Lyrik,
die in verschiedenen Anthologien vertreten ist. Sein Werk wurde in ca.
zehn Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet,
darunter der BBC Asia Award for Achievement in Writing & Literature
für „Sandglas“. Gunesekera lebt in London.
© internationales literaturfestival berlin
Romesh Gunesekera online: www.romeshgunesekera.com
BIBLIOGRAFIE:
Monkfish Moon
Granta
London, 1992
Riff
Unionsverlag
Zürich, 1998
Übersetzung: Giò Waeckerlin Induni
Sandglas
Unionsverlag
Zürich, 1999
Übersetzung: Giò Waeckerlin Induni
Am Rand des Himmels
Berlin Verlag
Berlin, 2005
Übersetzung: Bernhard Kleinschmidt
The Match
Bloomsbury
London, 2006
Übersetzer: Giò Waeckerlin Induni
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