Gast beim ilb 2003
Lorand Gaspar wurde
1925 in Marosvàsàrhely (Transsilvanien), Rumänien, geboren. In seinem
jüdischen Elternhaus wuchs er mit drei Sprachen auf (Ungarisch,
Rumänisch und Deutsch), zusätzlich erhielt er schon früh Unterricht in
Französisch. Rimbauds Lyrik faszinierte ihn ebenso wie Einsteins
Relativitätstheorie. Sein damaliger Berufwunsch: Physiker und
Schriftsteller. Er wurde Chirurg und Dichter. Zunächst begann er 1943
ein naturwissenschaftliches Studium in Budapest, doch bald schon wurde
er zum Kriegsdienst einberufen. Während der deutschen Besatzung Ungarns
wurde Lorand Gaspar in ein Arbeitslager nach Süddeutschland deportiert.
Im März 1945 gelang ihm die Flucht in ein französisches Lager. Später
nahm er die französische Staatsangehörigkeit an und studierte in Paris
Medizin.
1954 ging der
junge Arzt nach Israel. Als Chirurg in Jericho, Jerusalem und Bethlehem
hatte er engen Kontakt zur palästinensischen Bevölkerung. Dadurch
lernte er die Wüste kennen, die ihn so nachhaltig beeindruckte, dass
sie über lange Zeit die wichtigste Inspirationsquelle für seine Lyrik
war. Von 1970 bis zu seiner Pensionierung arbeitete er in einem
Krankenhaus in Tunis.
1966 wurde seine
erste Gedichtsammlung unter dem Titel „Le Quatrième état de la matière“
(Ü: Der vierte Zustand der Materie) veröffentlicht. Weitere
Gedichtbände folgten, darunter „Patmos et autres poèmes“ (2001; Ü:
Patmos und andere Gedichte). Gaspar nähert sich dem Erhabenen der Natur
mit präziser Wortwahl und einem genauen Blick für die Physis, die
Oberflächen und Strukturen der Materie, um eine Idee des Metaphysischen
zu vermitteln. In „Patmos“ löst er sich vom Materiellen und bewegt sich
hin zum Schwebenden, zum Licht und zu den Farben. Seine Gedichte sind
oft fragmentarisch und elliptisch angelegt, so dass gleichsam der Sinn
zwischen den Worten hindurchscheinen kann. Neben den poetischen Texten
schrieb er Reisetagebücher, illustriert mit eigenen Fotografien, über
den Nahen Orient und den östlichen Mittelmeerraum, darunter u.a. eine
Geschichte Palästinas (1968; „Histoire de la Palestine“). Auch
übersetzte er Lyrik aus verschiedenen Sprachen, z.B. Rainer Maria
Rilke, János Pilinszky, D.H. Lawrence und George Seferis. In Frankreich
zählt Lorand Gaspar zu den wichtigsten zeitgenössischen Dichtern. Seine
Werke wurden mit dem Grand Prix de Poésie de la Ville de Paris (1987)
und dem Grand Prix national de Poésie (1994) ausgezeichnet. Lorand
Gaspar lebt heute in Paris und Tunesien.
© internationales literaturfestival berlin
BIBLIOGRAFIE:
Feuilles d´observation
Gallimard
Paris, 1986
Carnes de Patmos
Le Tems Qu´il Fait
Cognac, 1991
Égée, Judée
Gallimard
Paris, 1993
Apprentissage
Deyrolle
Paris, 1994
Arabie Heureuse
Deyrolle
Paris, 1997
Carnets de Jérusalem
Le Temps Qu´il Fait
Cognac, 1997
Patmos
Gallimard
Paris, 2001
Approche de la parole
Gallimard
Paris, 2004
Erde aller Erde: Ein Gedicht
[I.O.: sol absolu
Ammann
Zürich, 2005
Übersetzung: Joachim Sartorius
Die Wünsche der Menschen
Amman
Zürich, 2005
Übersetzer: Hans Jürgen Balmes
Übersetzer: Joachim Sartorius
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