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© ilb/Hartwig Klappert

Mohammed Bennis

Marokko

Gast beim ilb 2003

Bereits mit 21 Jahren veröffentlichte der 1948 in Fès, Marokko, geborene Mohammed Bennis seine erste Gedichtsammlung. Bis heute sind ihr ein knappes Dutzend weiterer Lyrik- sowie Essaybände gefolgt – nicht, wie so oft im Maghreb, in französischer, sondern in arabischer Sprache: „Ich bin vor allem besessen von der Zukunft der arabischen Sprache, meiner Sprache, in ihrem Zustand der Agonie.“ Sein umfangreiches Schaffen macht ihn zu einer der wichtigsten Stimmen der aktuellen arabischen Literatur, die bemüht ist, sich von der klassischen Dichtkunst zu distanzieren und dadurch zur Modernisierung arabischer Kultur beizutragen.

Seine Beziehungen zur französischen Kultur sind dem gemäß überaus ambivalent. Die Ideologie der politischen Frankophonie, für ihn eine Form kolonialisierender Globalisierung, lehnt er ab. Die französische Sprache hingegen schätzt er sehr: „Als moderner arabischer Dichter bin ich der französischen Kultur und ihrer Modernität verpflichtet. Die französische Sprache war der Ort einer dichterischen Revolution und sie hat meiner arabischen Sprache eine poetische Kraft gegeben, so wertvoll wie keine der ganzen Moderne.“

Diese enge Beziehung spiegelt sich auf dem Gebiet der Übersetzungen wieder, auf die arabische Dichter in besonderer Weise angewiesen sind, wollen sie außerhalb ihres eigenen Kulturkreises gelesen werden. In Frankreich liegen bereits mehrere von Bennis‘ Gedichtsammlungen in Übersetzung vor, darunter „Le don du vide“ (1992), für das er den marokkanischen „Grand prix du livre“ erhalten hatte. Zudem hat sich Bennis als arabischer Übersetzer der französisch schreibenden Abdelwahab Meddeb und Abdelkebir Khatibi sowie des französischen Dichters Bernard Noël einen Namen gemacht; Meddeb seinerseits hat Bennis‘ Gedichte ins Französische übersetzt. In Deutschland sind Gedichte von Bennis aktuell in zwei verdienstvollen Anthologien vertreten: „Zwischen Zauber und Zeichen. Moderne arabische Lyrik von 1945 bis heute“ (Hg. Khalid Al-Maaly, Berlin 2000) und „Die Farbe der Ferne“ (Hg. Stefan Weidner, München 2000).

Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit hat Bennis, der heute als Literaturwissenschaftler an der Universität von Rabat unterrichtet, stets auch kulturpolitisch gewirkt: 1974 gründete er die Zeitschrift „Attakafa El Jadida“ („Neue Kulturen“), die 1984 nach Unruhen in Casablanca verboten wurde, 1985 gründete er mit Hochschulprofessoren und Schriftstellern einen Verlag, die „Editions Toubkal“, und 1996 wurde er Gründungsmitglied und Präsident des „Maison de la Poésie“ in Casablanca.

Dirk Naguschewski

© internationales literaturfestival berlin

BIBLIOGRAFIE:

 

Chant pour un jardin de l´eau

Les patits classiques du grand pirate

Paris, 1999

Übersetzung: Abdellatif Laâbi

 

La don du vide

l´Escampette

Bordeaux, 1999

Übersetzung: Bernard Noël

 

Désert au bord de la lumière

Al Manar

Neuilly, 1999

Übersetzung: Abdelwahab Meddeb

 

Fleuve entre des funérailles

l´Escampette

Bordeaux, 2003

Übersetzung: Mostafa Nissabouri

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