Gast beim ilb 2004
Peter Cole wurde 1957 in Paterson/New Jersey, USA,
geboren. 1981 ging er nach Jerusalem, wo er ein Hebräisch-Studium
aufnahm. Seitdem pendelt er zwischen Israel und den USA und setzt sich
intensiv mit der hebräischen Literatur auseinander. Ein besonderes
Interesse entwickelte er für die hebräische Dichtung des Mittelalters.
1988 begann er mit der Arbeit an einem ambitionierten Projekt: Er wagte
sich an die Übersetzung der bis dahin als ‘unübersetzbar’ geltenden
Lyrik von Shmuel HaNagid, der im Spanien des 11. Jahrhunderts jüdischer
Premierminister des muslimischen Regimes von Granada und ein
bedeutender Dichter war. „Selected Poems of Shmuel HaNagid” (1996)
erhielt den Scaglione Prize for Translation der Modern Language
Association. Für „Selected Poems of Solomon Ibn Gabirol” (2001), einer
ebenso anspruchsvollen Übersetzung der Gedichte des Philosophen, Poeten
und Mystikers Solomon Ibn Gabirol, eines jüngeren Zeitgenossen
HaNagids, der in seiner Dichtung arabische Form und Ästhetik mit
hebräischer Weltanschauung verband, erhielt er den TLS Übersetzerpreis.
Cole ergänzte die Ausgabe mit einer ausführlichen Einleitung in
Gabirols Werk und Anmerkungen zum Text. Cole arbeitet derzeit an einer
umfassenden Anthologie hebräischer Poesie des Mittelalters mit dem
Titel „“The Dream of the Poem: Hebrew Poetry from Muslim and Christian
Spain, 950-1492”. Zu den Autoren, die er aus dem modernen Hebräisch und
Arabisch ins Englische übersetzt hat, zählen Avraham Ben Yitzhak,
Harold Schimmel und Yoel Hoffmann sowie die Lyriker Aharon Shabtai und
Taha Muhammad Ali.
In seinem ersten eigenen Gedichtband „Rift” (1986, Ü: Riss), für dessen
Titelgedicht er mit dem General Electric Foundation Award for Younger
Poets ausgezeichnet wurde, ist Coles Faszination für lyrische
Strukturen und Techniken des Mittelalters bereits spürbar. Von der
Kritik gelobt wurde vor allem die Art, wie er lyrische Elemente mit
umgangssprachlichen Realismen verbindet, wie das Visionäre auf die
direkte, unmittelbare Wahrnehmung trifft und dadurch den langen Versen
eine besondere sinnliche Kraft verleiht. Rund zehn Jahre später zeigt
sich Coles Poesie fest verankert in mittelalterlichen hebräischen und
arabischen Traditionen – ohne dass er dabei die Gegenwart aus den Augen
verlieren würde. In „Hymns & Qualms” (1998, Ü: Hymnen &
Zweifel) verwebt er Zitate solcher disparaten Quellen wie den
Verlautbarungen von Pentagonsprechern, Theodor W. Adorno, den
Zeugenberichten des Massakers von 1994 in Hebron, einem höfischen
Poeten des 9. Jahrhunderts aus Baghdad zu äußerst musikalisch
anmutenden Anrufungen und markanten Kontrapunkten.
Gleichzeitig aber offenbart sich hier eine entschlossene politische,
den Fanatismus ablehnende Haltung. Peter Cole lebt in Jerusalem, wo er
zusammen mit seiner Frau den Verlag Ibis Editions leitet, der die
Literatur des Levant publiziert.
© internationales literaturfestival berlin
BIBLIOGRAFIE:
Rift
Station Hill
New York, 1989
Hymns and Qualms
Sheep Meadow
New York, 1998
What is doubled
Shearsman Books
Exeter, 2005
Übersetzer: Rainer G. Schmidt |