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Volker Braun

Deutschland

Gast beim ilb 2004

Volker Braun wurde 1939 in Dresden geboren. Nach dem Abitur war er drei Jahre Druckereiarbeiter, Tiefbauarbeiter und Tagebaumaschinist, ehe er in Leipzig Philosophie studieren konnte. Wegen seiner Gedichte, die Stephan Hermlin 1962 auf der Lesung der Akademie der Künste vortrug, drohte ihm die Exmatrikulation. 1965 holte ihn Helene Weigel an das Berliner Ensemble, wo sein erstes Stück, „Die Kipper“, inszeniert (und verboten) wurde. Nach der Niederschlagung des Prager Frühlings schrieb er „T.“ (Trotzki) und „Lenins Tod“. 1972 bis 1977 war er Mitarbeiter des Deutschen Theaters, anschließend bis 1990 Hausautor am Berliner Ensemble. Auch viele seiner späteren Werke – die „Unvollendete Geschichte“, der „Hinze-Kunze-Roman“, die Gedichtbände „Training des aufrechten Gangs“, „Langsamer knirschender Morgen“, die Stücke „Dmitri“, „Die Übergangsgesellschaft“ oder die Essay-Sammlung „Verheerende Folgen mangelnden Anscheins innerbetrieblicher Demokratie“, mit immenser Verzögerung gedruckt bzw. aufgeführt, waren „Arbeit gegen die Deckgebirge der Verheißungen“.
Trotz der fundamentalen Kritik verstand sich Braun als Sozialist, der durch seinen ‚konspirativen Realismus’ auf Veränderung der Verhältnisse drängte. „Man sucht einen Blickwinkel zu wählen, der dem offiziellen Denken, dem beschwichtigenden und sich einrichtenden Denken nicht nachkommt – also einen Blick von unten auf die Dinge.“ Dieser Einstellung ist er auch nach der deutschen Vereinigung treu geblieben, sei es mit der abgründigen Novelle „Die vier Werkzeugmacher“, mit den Gedichtzyklen „Rot ist Marlboro“ und „Tumulus“ oder den Stücken „Der Staub von Brandenburg“ und „Limes. Mark Aurel“. Die Darmstädter Akademie verlieh den Büchner-Preis 2000 „dem Dichter, der mit Erbarmen und Witz eine lebendige Chronik seiner geschichtlichen Welt geschaffen“ und „die Sprache und die Formen der philosophischen Epoche der deutschen Literatur erneuert und verwandelt hat“. Braun wurde 2005 mit dem serbischen Poesie-Preis, dem Goldenen Schlüssel der Stadt Smederevo, ausgezeichnet. Seit 2006 ist er Direktor der Sektion Literatur der Akademie der Künste Berlin.

© internationales literaturfestival berlin

BIBLIOGRAFIE:

 

Provokation für mich

Mitteldeutscher Verlag

Halle, 1965

 

Wir und nicht sie

Mitteldeutscher Verlag

Halle, 1970

 

Das ungezwungene Leben Kasts

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 1972

 

Gegen die symmetrische Welt

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 1974

 

Es genügt nicht die einfache Wahrheit

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 1976

 

Training des aufrechten Ganges

Mitteldeutscher Verlag

Halle, 1981

 

Gedichte

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 1983

 

Verheerende Folgen mangelnden Anscheins innerbetrieblicher Demokratie

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 1988

 

Guevara oder der Sonnenstaat

Büchergilde Gutenberg

Frankfurt/Main, 1984

 

Hinze-Kunze-Roman

Mitteldeutscher Verlag

Halle, 1985

 

Die Übergangsgesellschaft

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 1987

 

Unvollendete Geschichte

Mitteldeutscher Verlag

Halle, 1990

 

Langsam knirschender Morgen

Mitteldeutscher Verlag

Halle, 1988

 

Bodenloser Satz

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 1990

 

Der Stoff zum Leben. 1 – 3 Gedichte

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 1990

 

Iphigenie in Freiheit

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 1992

 

Böhmen am Meer

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 1992

 

Das Nichtgelebte

Faber & Faber

Leipzig, 1995

 

Der Wendehals

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 1995

 

Lustgarten – Preußen

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 1996

 

Wir befinden uns soweit wohl. Wir sind erst einmal am Ende

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 1998

 

Die unvollendete Geschichte und ihr Ende

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 1998

 

Tumulus

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 1999

 

Wie es gekommen ist

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 2002

 

Das unbesetzte Gebiet

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 2004

Der berüchtigte Christian Sporn. Ein anderer Woyzeck
Insel
Frankfurt/Main, 2004

Auf die schönen Possen
Suhrkamp
Frankfurt/Main 2005

 

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