Gast beim ilb 2004
Claudio Magris wurde 1939 in Triest, Italien, geboren. Er studierte Literatur und Philosophie in Turin. Seine Dissertation „Il mito asburgico nella letteratura austriaca moderna“ (1963; dt. „Der Habsburgische Mythos in der österreichischen Literatur“, 1966/2000), die er im Alter von vierundzwanzig Jahren publizierte, bildet den thematischen und theoretischen Ausgangspunkt seiner späteren Publikationen. Nach einem Studienaufenthalt in Freiburg lehrte er zunächst an der Universität Turin, bevor er 1978 Professor für Neuere Deutsche Literatur an der Universtität Triest wurde. Als Spezialist für mitteleuropäische Literatur publizierte er zahlreiche Essays und kritische Studien über Schriftsteller wie Wilhelm Heinse, E. T. A. Hoffmann und Joseph Roth. Seit den späten siebziger Jahren schrieb er regelmäßig für eine Kolumne der Zeitung „Corriere della Sera“. Eine Auswahl der Texte wurde 1982 in „Itaca e oltre“ (Ü: Itaca und anderes) veröffentlicht. Im selben Jahr erschien in Zusammenarbeit mit dem Historiker Angelo Ara „Trieste. Un’identità di frontiera“ (dt. „Triest. Eine literarische Hauptstadt in Mitteleuropa“, 1987). Auf dem kultur- und literaturwissenschaftlichen Streifzug durch die Stadt, in der einst James Joyce, Italo Svevo und andere Schriftsteller lebten, stellen die Autoren angesichts der heterogenen Einflüsse des k. u. k.-Imperiums und der italienischen, slowenischen, deutschen, griechischen und jüdischen Kulturen die Frage nach der Identität Triests. Vier Jahre später begab sich Claudio Magris mit „Danubio“ (1986; „Donau. Biographie eines Flusses“, 1988) auf Spurensuche nach der habsburgischen Vielvölkermonarchie. Während er dem Verlauf des ‚einzig wahrhaft europäischen Flusses’ folgt, zeichnet er in einem essayistisch-biographischen Reisebericht – bestehend aus Mythen, Anekdoten, Geschichten von Menschen, Städten und Landschaften, philosophischen und literarischen Reflexionen – ein detailreiches Panorama des Kultur- und Literaturraumes Donau. Zu seinen nicht-essayistischen Texten zählen die Novelle „Illazioni su una sciabola“ (1984; „Mutmaßungen über einen Säbel“, 1986), das Theaterstück „Stadelmann“ (1988) und der Roman „Un altro mare“ (1991; „Ein anderes Meer“, 1992). Claudio Magris wurde mit zahlreichen Preisen gewürdigt. 1997 erhielt er den wichtigsten italienischen Literaturpreis, den Premio Strega, für „Microcosmi“ (1996; „Die Welt en gros und en détail“, 1999), 2004 den Prinz-von-Asturien-Preis und 2005 den „Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur“. Essays aus den Jahren 1974 bis 1998 sind in „Utopia e disincanto“ (1999; „Utopie und Entzauberung“, 2002) versammelt. Zuletzt publizierte er den Roman „L´infinito viaggiare” (2005). Claudio Magris lebt in Triest.
© internationales literaturfestival berlin
BIBLIOGRAFIE:
Mutmaßungen über einen Säbel
Hanser
München, 1986
Übersetzung: Ragni Maria Gschwend
Donau
Zsolnay
Wien, 1996
Übersetzung: Heinz-Georg Held
Triest
[mit Angelo Ara]
Zsolnay
Wien, 1999
Übersetzung: Ragni Maria Gschwend
Der habsburgische Mythos
Zsolnay
Wien, 2000
Übersetzung: Madeleine von Pasztory
Utopie und Entzauberung
Hanser
München, 2002
Übersetzung: Ragni Maria Gschwend und Karin Krieger
Die Ausstellung
Hanser
München, 2004
Übersetzung: Hanno Helbling
Die Welt en gros und en détail
dtv
München, 2004
Übersetzung: Ragni Maria Gschwend
Schon gewesen sein
Korrespondenzen
Wien, 2004
Übersetzung: Marianne Frisch
L´infinito viaggiare
Mondadori
Mailand, 2005
Übersetzer: Ragni Maria Gschwend, Hanno Helbling, Heinz- Georg Held, Karin Krieger, Madeleine von Pasztory
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