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Tanella Boni

Elfenbeinküste

Gast beim ilb 2004

Tanella Boni wurde 1954 in Abidjan, Elfenbeinküste, geboren. Sie studierte Philosophie im französischen Toulouse und an der Sorbonne in Paris, wo sie 1987 promovierte. Sie arbeitet seit mehr als fünfzehn Jahren als Philosphieprofessorin an der Universität Cocody in Abidjan. Seit 1984 veröffentlichte sie Lyrikbände, Romane - darunter „Une vie de crabe“ (1990; Ü: Ein Krabbenleben) und „Les Baigneurs du Lac Rose“ (1995; Ü: Die Badenden des Lac Rose) - sowie Kinderbücher. Neben philosophischen Fachartikeln schreibt sie regelmäßig Literatur- und Kunstkritiken für verschiedene Magazine, unter anderem für „Africultures“ und „Mots pluriels“. Von 1991 bis 1997 war sie Präsidentin des Schriftstellerverbandes der Elfenbeinküste. Seit sie 1984 ihr lyrisches Debüt „Labyrinthe“ (1984; Ü: Labyrinth) veröffentlichte, ist sie – ebenso wie Véronique Tadjo – zum Inbegriff einer neuen Generation von Schriftstellerinnen geworden, die der männlichen Dominanz in der Literatur der Elfenbeinküste ihre weiblichen Stimmen entgegensetzt.

In „Labyrinthe“ und in ihrem zweiten Gedichtband „Grains de sable“ (1993; Ü: Sandkörner) thematisiert Boni die Suche nach dem eigenen Weg als Dichterin. Als Bild für diesen schmerzhaften Initiationsprozess, der geprägt ist von Einsamkeit, Trauer und Zweifeln, wählt sie das Labyrinth. Ausgehend vom Innersten begibt sich das lyrische Ich auf die Suche, verirrt sich unterwegs in dieser oder jener Sackgasse, um letztendlich doch einen Ausweg zu finden. Themen wie das Geschlechterverhältnis in Afrika, die Last der Traditionen, soziale Missstände sowie den starken Wunsch nach Freiheit und dem freien Wort fasst Tanella Boni in eindrucksvolle Metaphern. Wortspiele und bekräftigende Wiederholungen bestimmen den prägnanten Sprachrhythmus. Als Dichterin und Mitorganisatorin des internationalen Festivals der Poesie in Abidjan versucht sie Wege zu finden, die moderne französischsprachige Lyrik mit den theatralen mündlichen Vortragsformen der traditionellen Poesie zu verbinden. In ihrem neuesten Lyrikband „Gorée île baobab“ (2004; Ü: Gorée – Insel des Baobab) erzählt sie von der Insel Gorée, ehemals letzter Stop der Sklavenschiffe vor der Überfahrt nach Nord- und Südamerika und heute Erinnerungsort der afrikanischen Diaspora. Zugleich erinnert sie an die Greuel der jüngeren Geschichte Afrikas. „Im heutigen, von Krieg und all diesen Krankheiten zermürbten Afrika, ist es von essentieller Bedeutung, dass literarische Genres wie die Poesie eine wesentliche Rolle spielen können.“ 2005 erhielt sie für ihren Roman „Matins de couvre-feu“ (2005; Ü: Morgen der Sperrstunde) den Prix Ahmadou Kourouma. Im selben Jahr wurde ihr der LiBeratur-Förderpreis zugesprochen. Tanella Boni lebt in Abidjan.

© internationales literaturfestival berlin

BIBLIOGRAFIE:

 

Labyrinthe

Akpagnon

Rée-sur-Seine, 1984

 

Un vie de crabe

Les nouvelles éd. Africaines du Sénégal [NEAS

Dakar, 1990

 

De l’autre côté du soleil

Edicef-jeunesse

Paris, 1991

 

La fugue d’ozone

Edicef-jeunesse

Paris, 1992

 

Grains de sable

Éd. Le Bruit des Autres

Solignac, 1993

 

Il n´y a pas de Parole Heurese

Éd. Le Bruit des Autres

Solignac, 1997

 

Les Baigneurs du Lac Rose

Serpents à Plumes

Paris, 2002

 

L’atelier des génies

Acoria, Paris, 2002

 

Chaque jour l’espérance

L’Harmattan

Paris, 2002

 

Côte d'Ivoire: le pari de la diversité

L´Harmattan

Paris, 2003

 

Gorée île baobab

Le bruit des autres

Limoges, 2004

 

Matins de couvre-feu

Serpents à Plumes

Paris, 2005

 

Übersetzer: Ulrike Draesner

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