Gast des ilb 2008
Connie Palmen wurde 1955 in Sint Odiliënberg im Süden Hollands geboren. Sie absolvierte zunächst eine Pädagogik-Ausbildung und nahm anschließend ein Studium der Philosophie und Niederländischen Literatur in Amsterdam auf, das sie 1986 mit einer Arbeit über Cees Notenboom abschloss.
Ihr Debütroman »De Wetten« (1991; dt. »Die Gesetze«, 1993) wurde mit dem Gouden Ezelsoor für das meistverkaufte Debüt ausgezeichnet und war nicht nur in den Niederlanden ein unmittelbarer Erfolg. Der Roman um eine junge Frau, die die Gesetzmäßigkeiten der Lebensanschauung von sieben Männern – darunter ein Physiker, ein Priester und ein Künstler – erforscht, wurde in sieben Sprachen übersetzt.
1998 veröffentlichte sie den Roman »I.M.« (dt. »I.M. Ischa Meijer – In Margine. In Memoriam«, 1999), in dem sie die intensive Beziehung zu ihrem früh verstorbenen Lebensgefährten, dem niederländischen Journalisten, Schriftsteller und Moderator, Ischa Meijer, thematisiert: »Zum erstenmal seit Tagen habe ich ihn nicht an meiner Seite, und ich erschrecke darüber, dass ich aus anderthalb Stunden ohne ihn nichts machen kann, dass mir jede Unternehmungslust abhanden kommt und ich umherlaufe wie das wandelnde Entbehren.«
In ihrem Roman »De Vriendshap« (1995; dt. »Die Freundschaft«, 1996) analysiert Palmen das Abhängigkeitsverhältnis zweier Freundinnen. Dabei geht es um Macht und Macht-missbrauch, Liebe und Misstrauen. Palmen blickt tief in die Abgründe zwischenmenschlicher Beziehungen, um zu ergründen, wie Suchtverhältnisse entstehen und funktionieren, wie Autorität eingesetzt wird, um Liebe zu erzeugen.
Ihr neuster Roman, »Luzifer« (2007, dt. 2008), nimmt eine wahre Begebenheit zum Ausgangspunkt: den ungeklärten Tod Marina Schapers, der Lebensgefährtin des Komponisten Peter Schat, im Juli 1981. Das Paar Lucas Loos und Clara Wevers fährt im Urlaub nach Griechenland, um ihre zerrüttete Ehe vielleicht doch noch zu retten. Volltrunken stürzt Clara von einer Brüstung in den Tod. Die Autorin klärt nicht, ob es sich um Selbstmord, einen Unfall oder einen Mord handelt. Vielmehr geht es ihr darum, wie Lucas und die Freunde des Ehepaares mit der Nachricht von Claras Tod und der Trauer umgehen. Insbesondere der Schuldfrage wird auf den Grund gegangen: Hat Lucas eventuell dem Tod seiner Frau tatenlos zugesehen oder gar nachgeholfen? Ohne voreilige Schlüsse und moralische Wertungen lotet Palmen erneut Abgründe der menschlichen Seele aus. Das Nachfolgewerk soll in drei bis vier Jahren erscheinen: »Judas«, ein Roman über den Verrat.
Für »De Vriendshap« erhielt Palmen den renommierten niederländischen AKO-Literaturpreis und den Trouw Literaturpreis. Sie lebt in Amsterdam.
© internationales literaturfestival berlin
BIBLIOGRAFIE:
Die Gesetze
Diogenes
Zürich, 1993
[Ü: Barbara Heller]
Die Freundschaft
Diogenes
Zürich, 1996
[Ü: Hanni Ehlers]
I.M. Ischa Meijer – In Margine. In Memoriam
Diogenes
Zürich, 1999
[Ü: Hanni Ehlers]
Die Erbschaft
Diogenes
Zürich, 2001
[Ü: Hanni Ehlers]
Ganz der Ihre
Diogenes
Zürich, 2004
[Ü: Hanni Ehlers]
Idole und ihre Mörder
Diogenes
Zürich, 2005
[Ü: Hanni Ehlers]
Luzifer
Diogenes
Zürich, 2008
[Ü: Hanni Ehlers]
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