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© Tee

Adriaan van Dis 

Niederlande 

Gast des ilb 2008

Adriaan van Dis wurde 1946 im nordholländischen Bergen geboren. Seine Eltern gehörten zu den Heimkehrern aus der Kolonie Niederländisch-Indien (heute Indonesien), die sich nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wieder in der alten, neuen Heimat ansiedelten. Hier wuchs van Dis mit seinen dunkelhäutigen Halbschwestern gleichsam zwischen zwei Kulturen auf. Der Mangel an Identität und deren Konstruktion, das Eigene und das Fremde sollten zum zentralen Thema seines schriftstellerischen Werkes werden: Novellen, Erzählungen und Romane, die oft von seinen zahlreichen Reisen inspiriert sind, aber auch Theaterstücke, Essays und Gedichte.

Bereits während seines Studiums der Niederlandistik reiste van Dis bis nach Indien. Anschließend studierte er Afrikaans und besuchte zum ersten Mal Südafrika. Seit 1974 arbeitete er als Redakteur für die renommierte Tageszeitung »NRC Handelsblad« und war Chefredakteur ihrer Samstagsbeilage sowie Redakteur bei der Literaturzeitschrift »De Gids«. Als Fernsehmoderator der preisgekrönten Sendung »Hier is... Adriaan van Dis«, in der er meist Schriftsteller aus dem In- und Ausland interviewte, wurde er landesweit bekannt. Als er sich 1992 ganz der Literatur widmete, hatte er bereits zahlreiche Werke veröffentlicht, darunter den prämierten Erzählband »Nathan Sid« (1984; dt. 1996) über die mühsame Integration einer Familie aus den Kolonien ins niederländische Mutterland. Autobiografische Züge finden sich auch in van Dis’ erfolgreichstem Roman, »Indische Duinen« (1994; dt. »Indische Dünen«, 1997), in dem er Familienerzählungen von der niederländisch-indonesischen Mischkultur und vom Aufenthalt in japanischen Lagern während des Zweiten Weltkriegs aufleben lässt. Im Vordergrund steht jedoch die Auseinandersetzung mit dem herrischen Vater und die Suche des sensiblen Heranwachsenden nach einer eigenen Identität – ein Thema, das auch die folgenden Romane prägt, die van Dis’ Ruf als hervorragender Stilist bestätigten: »Dubbelliefde« (1999; dt. »Doppelliebe«, 2004), »Familieziek« (2002; Ü: Familienkrank) und zuletzt »De wandelaar« (2007; dt. »Ein feiner Herr und armer Hund«).

Neben Asien gilt van Dis’ Interesse vor allem dem afrikanischen Kontinent, was sich in Reiseberichten wie »Het beloofde land« (1990; Ü: Das versprochene Land) zeigt, der die Steppenlandschaft Karoo und Begegnungen mit den Einheimischen schildert, oder in der Reportage »In Afrika« (1991), die sich mit dem Krieg in Mosambik auseinandersetzt. 2008 wurde die preisgekrönte Dokumentarserie »Van Dis in Afrika« im niederländischen Fernsehen ausgestrahlt.

Van Dis wurde für sein Werk mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem »Gouden Ezelsoor« für das meistverkaufte literarische Debüt, der »Gouden Uil«, Nominierungen für den AKO-Prijs, den Libris-Prijs und den Aristeion-Prijs, dem Trouw-Publikumspreis und dem Groenman-Sprachpreis. Er lehrte als Gastdozent an der Freien Universität Berlin. Seit 2003 lebt van Dis in Paris.

© internationales literaturfestival berlin

BIBLIOGRAFIE:

Het beloofde land
Meulenhoff
Amsterdam, 1990

In Afrika
Meulenhoff
Amsterdam, 1991

Nathan Sid
Hanser
München [u.a.O.], 1996
[Ü: Siegfried Mrotzek]

Indische Dünen
Hanser
München [u.a.O.], 1997
[Ü: Mirjam Pressler]

Palmwein oder Die Liebe zu Afrika
Hanser
München, 2000
[Ü: Marlene Müller-Haas]

Familieziek
Augustus
Amsterdam [u.a.O.], 2002

Doppelliebe
Hanser
München [u.a.O.], 2004
[Ü: Marlene Müller-Haas]

De wandelaar
Augustus
Amsterdam [u.a.], 2007

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Die Deutschen sind ja für ihr Organisationstalent bekannt, aber die Leute beim internationalen literaturfestival berlin sind mehr als gründlich: Sie sind schrecklich nett, ihnen liegt wirklich etwas an ihren Autoren. Und das Publikum ist auch toll.

 

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