Gast des ilb 2008
Binyavanga Wainaina wurde 1971 in Nakuru, in der kenianischen Provinz Rift Valley, geboren. Nach seinem Studium der Wirtschaftswissenschaften im südafrikanischen Ostkap an der University of Transkei ließ er sich in Kapstadt nieder und verfasste für südafrikanische Zeitungen wie »Weekend Argus« und »The Sunday Times« Interviews, Reiseberichte und Artikel über kulinarische Themen.
2001 wurde Wainaina mit dem renommierten Caine Prize for African Literature ausgezeichnet, nachdem im Internetmagazin »G21Net« seine Kurzgeschichte »Discovering Home« (Ü: Die Heimat entdecken) veröffentlicht worden war. Sie schildert eine Reise des jungen Autors von seinem Domizil in Südafrika zum Ort seiner Herkunft in Kenia und weiter nach Uganda, wo seine Großeltern leben und ihren sechzigsten. Hochzeitstag feiern. Mit lebhafter Anschaulichkeit und satirischem Witz, unterbrochen von reflektierenden Passagen, entsteht ein landschaftliches und kulturelles Porträt, das die drei afrikanischen Länder als bunt und kontrastreich vorstellt. Die heterogene Bevölkerung schwankt zwischen Tradition und Moderne und ist trotz kolonialer Vergangenheit und gegenwärtiger Politik von einer hoffnungsvollen Stimmung getragen. Insbesondere die Stereotypen über exotische Länder wollen nicht mehr passen: »Wenn ich etwas von einem weißen Schriftsteller, der auch einmal in Kenia war, lese, dann bin ich immer überrascht über die Menge an Wildbret, das auf den Veranden zum Frühstück aufgetischt wird, und die Schlangen, die in die Badezimmer eindringen, und die Löwen, die das Vieh bedrohen. Ich habe in meinem ganzen Leben eine einzige Schlange gesehen. Ich kennen niemanden, der je von einer gebissen worden wäre.« Auch in den satirischen Artikeln »How to Write About Africa« (Ü: Wie man über Afrika schreibt) und »Warum es nervt, wie alle Afrika helfen wollen«, die im britischen Magazin »Granta« und in der deutschen »Zeitschrift für Kulturaustausch« erschienen, mokiert sich Wainaina über die Klischees und Vorurteile über Afrika. Demgegenüber vermittelt der Autor das Bild von kraftvollen und selbstbewussten, vielfältigen afrikanischen Identitäten. In einem Beitrag für den »National Geographic« schildert er die Eigentümlichkeiten des Lebens in der kenianischen Metropole Nairobi und deren Entwicklung im letzten Jahrzehnt mit Humor und profunder Sachkenntnis. 2003 gründete er das Literaturmagazin »kwani?«, das sich als Stimulus kenianischer und afrikanischer Kreativität etabliert hat. Im selben Jahr erhielt er für seine Verdienste um die Landesliteratur den Preis der Vereinigung kenianischer Verleger. 2007 lehnte er den Preis »Young Global Leader« des Weltwirtschaftsforums ab.
Wainaina war Stipendiat der University of East Anglia im englischen Norwich und Writer-in-Residence am Union College in Schenectady, New York. Er schreibt u.a. für »The EastAfrican«, »The New Yorker« und »The Guardian«. Der Autor lebt in Nairobi.
© internationales literaturfestival berlin
BIBLIOGRAFIE:
Beyond the River Yei
Kwani Trust
Nairobi, 2003
[Ill: Sven Torfinn]
How to Write About Africa
Kwani Trust
Nairobi, 2006
Warum es nervt, wie alle Afrika helfen wollen
In: Zeitschrift für Kulturaustausch [57]
ConBrio
Regensburg, 2007
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