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Autor
© Bruno Garcin-Gasser

Steinunn Sigurðardóttir

Island

Gast des ilb 2008

Steinunn Sigurðardóttir wurde 1950 in Reykjavík geboren. Sie studierte Psychologie und Philosophie am University College Dublin und machte sich bereits als Neunzehnjährige mit ihrem Lyrikdebüt »Sífellur« (1969; Ü: Beständigkeiten) einen Namen. Bis in die achtziger Jahre hinein arbeitete sie als Reporterin und Nachrichtenkorrespondentin für den Isländischen Rundfunk, für den sie auch zwei Fernsehstücke schrieb. Ihr schriftstellerisches Werk umfasst acht Romane, die in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden, acht Gedichtbände – zuletzt erschien »Ástarljóð af landi« (2007) –, zwei Kurzgeschichtensammlungen, eine Biografie (über die ehemalige isländische Präsidentin Vigdís Finnbogadóttir) und ein Kinderbuch. Zudem übersetzte sie Gedichte und Prosawerke.

Wie die anderen bedeutenden Schriftsteller ihrer Generation überwindet Sigurðardóttir die isländische Tradition der Moderne, in der sich ihre ersten Gedichte noch bewegen. Eine zunehmend selbstbewusste Ambivalenz durchzieht die folgenden, freieren und spielerischeren Werke, die Existentielles und Humor, Lakonie und Erzählfreude, Trivialität und Ernsthaftigkeit miteinander verbinden. Sigurðardóttirs erster Roman handelt von einem Frauenleben, in das die Liebe wie eine Naturgewalt hereinbricht. »TímaÞjófurinn« (1986; dt. »Der Zeitdieb«, 1997) erzählt – zwischen Lyrik und Prosa schwebend – von einer übermäßig selbstbewussten alleinstehenden Lehrerin, die das Ende einer stürmischen Affäre und die Erfahrung, zurückgewiesen worden zu sein, kaum verwinden kann. 1998 wurde der Roman mit Emmanuelle Béart und Sandrine Bonnaire, nach dem Drehbuch der Schriftstellerin Nancy Huston und des Regisseurs Yves Angelo, in Frankreich verfilmt. Eine übermächtige Liebe ist auch Thema des Romans »Ástin fiskanna« (1993; dt. »Die Liebe der Fische«, 2006). Facettenreich dargestellte, kritische und humorvolle Porträts modernen isländischen Lebens, in denen selbst die Mythenwelt der nordischen Insel ironisch gebrochen dargestellt wird, finden sich auch in den anderen bislang auf Deutsch erschienenen Romanen der Autorin. »Hjartastaður« (1995; dt. »Herzort«, 2001) schildert die Beziehung einer alleinerziehenden Mutter zu ihrer drogenabhängigen Tochter, die sie aus dem gefährlichen Reykjavík an den beschaulichen Ort ihrer Kindheit bringen und damit retten will. »Jöklaleikhúsið« (2001; dt. »Gletschertheater«, 2003) erzählt von einer Laienschauspieltruppe, deren Inszenierung von Tschechows »Kirschgarten« ein ganzes Dorf in Aufruhr versetzt. Sigurðardóttirs letzter Roman, »Sólskinshestur« (2005; dt. »Sonnenscheinpferd«, 2008), erscheint im Herbst 2008 in deutscher Übersetzung. Er erzählt von einer Frau, die ihr Leben Revue passieren lässt, als sie nach 25 Jahren ihrer Jugendliebe wiederbegegnet. Ihre Erinnerungen werden zu einer Art Requiem auf eine ungelebte Kindheit.

Sigurðardóttir lebte in verschiedenen europäischen Ländern, zuletzt überwiegend in Frankreich – seit Kurzem wohnt sie in Berlin.

© internationales literaturfestival berlin

BIBLIOGRAFIE:

Sífellur
Almenna Bókafélagið
Reykjavík, 1969

Der Zeitdieb
Ammann
Zürich, 1997
[Ü: Coletta Bürling]

Herzort
Ammann
Zürich, 2001
[Ü: Coletta Bürling]

Gletschertheater
Rowohlt
Reinbek, 2003
[Ü: Coletta Bürling]

Ljóðasafn
Mál og Menning
Reykjavík, 2004

Die Liebe der Fische
Rowohlt
Reinbek, 2006
[Ü: Coletta Bürling]

Ástarljóð af landi
Mál og Menning
Reykjavík, 2007

Sonnenscheinpferd
Rowohlt

Reinbek, 2008
[Ü: Coletta Bürling]

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