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Autor
© Sonja Lex/Verein der Bücherwürmer

Ottó Tolnai

Ungarn

Gast des ilb 2004

Ottó Tolnai wurde 1940 in Kanjiza in der ungarischsprachigen Region Vojvodina im heutigen Serbien geboren. Er studierte Hungarologie und Philosophie an den Universitäten in Novi Sad und Zagreb. 1956 veröffentlichte er seine ersten Beiträge in Zeitschriften. 1963 erschien sein erster Gedichtband „Homorú versek“ (Ü: Hohle Gedichte), eine Sammlung freier Verse. 1965 begann er mit dem Schreiben von Texten für die Literaturzeitschrift „Új Symposion“ (Ü: Neues Symposium), deren Chefredakteur er später wurde. Es handelte sich hierbei um ein wichtiges literarisches und politisches Forum, in dem sich die ungarische Avantgarde bis zum Verbot der Zeitschrift 1972 frei äußern konnte. Gemeinsam mit István Domonkos publizierte er den Gedichtband „Valóban mi lesz velünk“ (1968; Ü: Was wird denn mit uns), in dem er mit konkreter und visueller Poesie experimentierte. 1969 folgte der nur scheinbar autobiographische Debütroman „Rovarház“ (Ü: Insektenhaus), der durch seine formale Konstruktion als Kollage erstmals die bis dahin vorherrschenden linearen Erzählkonventionen in der ungarischen Gegenwartsliteratur durchbrach. Anfang der siebziger bis Mitte der neunziger Jahre arbeitete Ottó Tolnai als Kulturredakteur des ungarischsprachigen Programms von Radio Novi Sad. Neben Dramen, Romanen, Gedichten und Kinderbüchern schrieb er Artikel und Kunstkritiken für die Zeitschrift „Jelenkor“. Seit 1993 ist er Chefredakteur der Zeitschrift „Ex Symposion“. Für seine Lyrik, Prosa, Theaterstücke und Essays, die in rund dreißig Bänden sowohl in Ungarn als auch im ehemaligen Jugoslawien veröffentlicht wurden, erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter 1991 den Attila József Preis. Mit „Ich kritzelte das Akazienwäldchen in mein Heft“ (2002) lag erstmals ein Prosaband in deutscher Übersetzung vor. In vier Erzählungen, die durch kleine Verweise lose miteinander verbunden sind, lässt Ottó Tolnai seine Protagonisten auf ihr Leben zurückblicken. In ihren inneren Monologen wuchern Erinnerungen, stehen Fiktives und Erlebtes gleichwertig nebeneinander, und skurril-surreale Anekdoten vermischen sich mit Beschreibungen eines ländlichen Alltags. Der Autor verwendet eine klare, dennoch poetische Sprache und verleiht seiner nichtlinearen Erzählweise durch Wiederholungen und leitmotivisch wiederkehrende Metaphern Struktur. Die Literaturkritikerin Ilma Rakusa urteilte: „Tolnai intoniert keine Klage, sondern legt das Alltäglich-Ungeheuerliche seinen Figuren in den Mund... Ungemein suggestiv entwirft Ottó Tolnai eine Welt, deren elementare Archaik ans Gewalttätige grenzt, ohne einen Rest von Poesie zu verleugnen.“ Während seiner Zeit als DAAD-Stipendiat entstand der zweite, in deutscher Sprache vorliegende Erzählband „Eine Postkarte an Don Dukay. Neun Geschichten aus der Provinz“ (2005): Es beschreibt den Sommer in einem kleinen Dorf, im Mikrokosmos der Bewohner verbirgt sich eine ganze Welt... Ottó Tolnai lebt in Palics.

© internationales literaturfestival berlin

BIBLIOGRAFIE:

 

Rovarház

Forum

Novi Sad, 1969

 

Vidéki Orfeusz

Magvetô

Budapest, 1983

 

A meztelen bohóc: képzõmûvészeti esszék 

Forum Könyvkiadó

Újvidék, 1992

 

Árvacsáth

Orpheusz K.

Budapest, 1992

 

Versek könyve

Széphalom

Budapest, 1992

 

Kékitógolyó

Széphalom

Budapest, 1994

 

Rohadt márvány: jugoplasztika

Kijárat K. 

Budapest, 1997

 

Balkáni babér

Jelenkor

Pécs, 2001

 

Ich kritzelte das Akazienwäldchen in mein Heft

Edition per procura

Wien, 2002

Übersetzung: György Buda, Géza Deréky

 

Költö disznózsírból: egy rádióinterjú regénye

Kalligram K. 

Pozsony, 2004

Szög a nadírban.
Alexandra
Pécs, 2005

Eine Postkarte an Don Dukay. Neun Geschichten aus der Provinz
Berliner Künstlerprogramm des DAAD
Berlin, 2005
Übersetzung: György Buda

Dolerony Domokos István
Forum
Újvidék, 2005

Ómama egy rotterdami gengstzerfilmben regeény versekböl
zEtna
Zenta, 2006

Übersetzer: György Buda, Geza Dereky

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