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Alka Saraogi

Indien

Gast des ilb 2004

Alka Saraogi wurde 1960 in Kalkutta (heute Kolkata), Indien, geboren. Nachdem sie bereits acht Jahre verheiratet war und zwei Kinder bekommen hatte, nahm sie – ein in ihrer konservativen Umgebung ungewöhnlicher Schritt – ein Studium der Hindi-Literatur an der Universität Kalkutta auf, das sie mit einer Promotion abschloss. Sie veröffentlichte Zeitungsartikel über Gesundheits- und Frauenthemen, bevor sie mit dem Schreiben von fiktiven Geschichten begann. Ihr erster Band mit Kurzgeschichten „Kahaniki Talash Mein“ erschien 1996, zwei Jahre später veröffentlichte sie ihren Debütroman „Kali-Katha Via Bypass“ (1998; dt. "Umweg nach Kalkutta", 2006), für den sie 2001 mit dem renommierten Sahitya Akademi Award ausgezeichnet wurde. Das Buch wurde zur Übersetzung in zweiundzwanzig weitere offizielle Sprachen Indiens vorgeschlagen. Alka Saraogi verfasst ihre Texte in ihrer Muttersprache Hindi und setzt sich dadurch bewusst von vielen indischen Schriftstellern ab, die auf Englisch schreiben. Nach Meinung der Autorin ist Englisch auch mehr als fünfzig Jahre nach dem Ende der britischen Kolonialzeit immer noch sowohl Symbol für Ungleichheit als auch ein Indiz für den Fortbestand kolonialer Präsenz in der postkolonialen Gesellschaft Indiens.
Schauplatz ihres vielschichtigen Romans „KaliKatha via Bypass“ ist Kalkutta. Nach einer Bypass-Operation wandert der zweiundsiebzigjährige Marwari-Patriarch Kishore Babu ziellos auf den Spuren seiner lang verdrängten Erinnerungen an die idealistischen Tage der Freiheitskämpfe durch die Straßen der Stadt. Die ehemalige zweite Hauptstadt des British Empire mit Sitz der East India Company war für Zuwanderer sehr attraktiv. Auch die Marwaris kamen, traditionell Geschäftsleute aus Rajasthan im westlichen Indien, deren Lebensweise bei den progressiven heimischen Bengalis Ablehnung hervorrief.
Alka Saraogi erzählt nicht nur die Geschichte eines alten Mannes, der auf das Unverständnis seiner Mitmenschen und seiner Familie stößt, weil er seiner eigenen Logik folgt und sich wieder dem lang vergessenen Idealismus seiner Jugend zuwendet. Sie erzählt auch die Geschichte der Marwari-Diaspora, von ihrer Herkunft, ihren Traditionen und ihren Familienstrukturen. Vor allem erzählt sie die koloniale und postkoloniale Geschichte Indiens. Kalkutta war Bühne für nationalistische Unabhängigkeitsbestrebungen (von Mahatma Gandhi bis Netaji Subhash Chandra Bose mitgeprägt) sowie für den blutigen Konflikt zwischen Hindus und Moslems, der schließlich zur Teilung in die beiden Staaten Indien und Pakistan führte. In überraschenden Rückblenden verbindet die Autorin historische Fakten mit den Erinnerungen ihres Protagonisten, der nach seiner Bypass-Operation zum weisen Narr wird, der unbequeme Fragen nach der postkolonialen indischen Identität stellt. Außerdem erschienen von Alka Saraogi ein weiterer Band mit Erzählungen („Doosri Kahani“, 2000) sowie zwei Romane, „Shesh Kadambari“ (2002; engl. „Over To You Kadambari“, 2004) und „Koibaat Nahin“ (2004; Ü: Macht nichts, ist schon gut). Sie lebt in Kalkutta.

© internationales literaturfestival berlin

BIBLIOGRAFIE:

 

Kahaniki Talash Mein

Aadhar

Panchkula, 1996

 

Doosari Kahani

Radhakrishna

Neu-Delhi, 2000 

Over To You, Kadambari
Katha
Neu-Delhi, 2004 

Koi Baat Bahin
Rajkamal
Neu-Delhi, 2004

Umweg nach Kalkutta
Insel
Frankfurt/Main, 2006
Übersetzung: Margot Gatzlaff-Hälsig

 

Übersetzer: Inge Dümpel, Margot Gatzlaff-Hälsig

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Es war wirklich eine großartige Erfahrung für mich als Autorin, die historische Stadt Berlin zu besuchen, eine Stadt, über die ich so viel gelesen habe seit meinen College-Tagen. Vielleicht wegen der Freundlichkeit und Wärme der Leute in der Stadt empfand ich Schmerz und Verbitterung über das, was die Stadt hatte durchmachen müssen, beinahe wie jemand, der es erlebt hat. Die Lesungen meines Romans „Kalikatha“, der nächstes Jahr bei Suhrkamp erscheint, waren wunderbar. Es war ermutigend zu sehen, wie das Publikum mit meinen Charakteren mitzugehen schien und dabei kulturelle und semantische Grenzen überschritten wurden. Ich hatte einen ganz wunderbaren Festival-Paten, der auf mich aufpasste – von der Minute an, in der ich in Berlin landete. Das Festival war außerordentlich gut organisiert, und alles schien mit Harmonie und Präzision zu laufen. 
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