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Semezdin Mehmedinovic

Bosnien / USA

Gast bei ilb 2003, 2004

Semezdin Mehmedinovic
wurde 1960 in der Nähe von Tuzla, einer kosmopolitischen Stadt in Bosnien, geboren. Seine Studienzeit in Sarajewo – er studierte Vergleichende Literaturwissenschaft und Bibliothekswissenschaften – wurde von der Krise des ehemaligen Jugoslawien geprägt. Daraus erwuchs das Bedürfnis, mit dem Schreiben das Erinnernswerte zu bewahren und für persönliche Freiheit einzutreten. Mehmedinovic schrieb Gedichte, trat mit Freunden als Performance Künstler auf und gründete die Kulturzeitschrift Fantom slobode (Phantom der Freiheit). Sie bot vier Jahre lang jungen bosnischen und internationalen Autoren ein Forum der Auseinandersetzung, allerdings wurden zwei Ausgaben von der Regierung beschlagnahmt. Bei Ausbruch des Krieges 1992 blieb Mehmedinovic mit seiner Familie im belagerten Sarajewo, weil er dort weiterhin für seine Vision von Freiheit eintreten wollte. In diesem Jahr erschien die frühe Fassung von Sarajevo Blues, und er gründete mit Freunden die politische Wochenzeitschrift Dani (Tage), um darin den Geist von Demokratie und Pluralismus gegen den Genozid jener Kriegsjahre zu verteidigen. Dani wurde während der ständigen Angriffe der serbischen Militärs hergestellt, in einer Stadt ohne Nahrungsmittel, ohne Elektrizität, ohne fließendes Wasser, mit mangelhaften Druckereiutensilien. In den drei-einhalb Kriegsjahren wurde die Zeitschrift unter Luftbombardement und Artilleriefeuer auf der Straße verkauft und gilt noch heute aufgrund ihrer Objektivität und Klarsicht als die beste Zeitschrift in Bosnien.
1996 emigrierte Mehmedinovic in die Vereinigten Staaten, wo er mittlerweile in Alexandria, Virginia, lebt. In den USA hat er an zahlreichen Lesungen, Workshops und Konferenzen teilgenommen.
Sarajevo Blues ist die erschütternde Beschreibung des Kriegsalltags, Prosatexte, Gedichte und essayistische Passagen dokumentieren, was mit den Sinnen wahrnehmbar, für das Gefühl jedoch unfassbar ist. Die Texte vermitteln aber auch generell ein frisches, ganz neues Erleben, sie schärfen den Blick und das Empfinden. Aufgrund dessen hat man Mehmedinovic mit dem jungen Hemingway verglichen, man könnte ihn auch mit Remarque in einem Atemzug nennen. 2002 erschien unter dem Titel Devet Alexandrija (Das neunte Alexandria) ein weiterer Gedichtband, der das Durchqueren der endlosen Weite der Nordamerikas nachzeichnet. Sarajevo Blues ist 1998 auf Englisch und 1999 auf Deutsch erschienen, Devet Alexandrija wurde 2003 auf Englisch bei City Lights in San Francisco veröffentlicht. 

© internationales literaturfestival berlin

 

 

BIBLIOGRAFIE:

 

Modrac

Svjetlost

Sarajevo, 1984

 

Emigrant

Zadrugar

Sarajevo 1990

 

Sarajevo Blues

Hainholz

Göttingen, 1999

Übersetzung: Harris Džajiæ

 

Devet Alexandrija

Durieux

Zagreb, 2002

 

Nine Alexandrias

City Lights

San Francisco, 2003

Übersetzung: Ammiel Alcalay

 

 

Übersetzer: Ammiel Alcalay, Harris Dzajic, Klaus-Detlef Olof

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