Gast beim ilb 2003, 2004 und 2005
Navid Kermani wurde 1967 als vierter Sohn iranischer Eltern in Siegen geboren. Nach dem Studium der Islamwissenschaft, Theaterwissenschaft und Philosophie in Köln, Kairo und Bonn lehrte er an der Universität Bonn und war als Dramaturg am Schauspielhaus Frankfurt sowie am Mülheimer Theater an der Ruhr tätig. Seine Dissertation aus dem Jahr 1997, eine umfangreiche Rezeptionsanalyse des Koran, wurde im Jahr 2000 mit dem Ernst-Bloch-Förderpreis ausgezeichnet und erreichte schon mehrere Auflagen.
Aus Berichten und Reportagen, die er seit 1995 als Autor der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" über den Iran veröffentlichte, ging sein Buch "Iran. Die Revolution der Kinder" (2001) hervor. Im selben Jahr führte Kermani behutsam durch "Ein Leben mit dem Islam". Es ist die Lebensgeschichte des ägyptischen Gelehrten Nasr Hamid Abu Zaid, dem die moderne Auslegung des Koran nicht nur den Ruf eines Ketzers einbrachte, sondern auch die spektakuläre Zwangsscheidung von seiner Frau. Das Phänomen der Selbstmordattentäter ist Thema von "Dynamit des Geistes. Martyrium, Islam und Nihilismus" (2002). "Schöner neuer Orient. Berichte von Städten und Kriegen" (2003) versammelt sechs Reportagen über muslimische Regionen, die durch Extremismus und gewaltsame Konflikte in den Fokus der Weltöffentlichkeit geraten sind. Der israelische Soziologe Natan Sznaider schloss sich den durchgehend positiven Rezensionen an und erklärte das Werk sogar zu "einem der wichtigsten Bücher über Globalisierung".
Mit seinem virtuos verdichtenden literarischen Stil hat Kermani, der immer wieder in Exkursen auf authentische Begegnungen und Selbsterlebtes zurückgreift, Maßstäbe für die Kunst der Reportage wie der Historiographie gesetzt. Kermani, iranischer und inzwischen auch deutscher Staatsbürger, gilt als einer der führenden Islamwissenschaftler Deutschlands. Als Kenner und Kritiker der islamischen Welt ist er zugleich einer ihrer wichtigsten Vermittler. Er ist zudem als Schriftsteller, Essayist und Literaturkritiker hervorgetreten. 2002 erschien "Das Buch der von Neil Young Getöteten" – eine Homage auf den kanadischen Musiker und zugleich eine Erzählung über Leben und Tod. "Am Ende ist dieses schöne, kluge Büchlein ein großes Lob des Spielens – auf der Bühne und im Leben", so "Die Zeit". In dem zuletzt erschienenen Roman „Kurzmitteilung“ (2007) ist die Geschichte eines plötzlichen Todesfalles der Ausgangspunkt für ein dichtes Gewebe an Reflexionen über den Zustand der Wohlstandsgesellschaft. Kermani war Long Term Fellow am Berliner Wissenschaftskolleg. Er lebt in Köln.
© internationales literaturfestival berlin
Navid Kermani online: www.navidkermani.de
BIBLIOGRAFIE:
Gott ist schön
Beck
München, 1999
Iran: Die Revolution der Kinder
Beck
München, 2001
Dynamit des Geistes
Wallstein
Göttingen, 2002
Das Buch der von Neil Young Getöteten
Ammann
Zürich, 2002
Schöner neuer Orient: Berichte von Städten und Kriegen
Beck
München, 2003
Der Islam und der Westen
BTB
Berlin, 2003
Vierzig Leben
Ammann
Zürich, 2004
Der Schrecken Gottes: Attar, Hiob und die metaphysische Revolte
Beck
München, 2005
Strategie der Eskalation
Wallstein
Göttingen, 2005
Du sollst
Ammann
Zürich, 2005
Nach Europa
Amann
Zürich, 2006
Kurzmitteilung
Amann
Zürich, 2007
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