Gast beim ilb 2001, 2002, 2003, 2004
Lars Gustafsson wurde 1936 in Västerås,
Mittelschweden, geboren. Sein Studium der Philosophie an der
Universität Uppsala und dem Magdelen College in Oxford schloss er 1978
mit einer Dissertation über drei "sprachphilosophische Extremisten"
(Friedrich Nietzsche, Alexander Bryan Johnson und Fritz Mauthner) ab.
Bereits mit 21 Jahren veröffentlichte Gustafsson mit „Vägvila.
Ett mysteriespel på prosa“ (Ü: Wegesrast. Ein Mysterienspiel in Prosa)
seinen ersten Roman. Sein "eigentliches Debüt" datiert der
Schriftsteller selbst allerdings erst auf 1959, dem Erscheinungsjahr
des Romans "Letzte Tage und Tod des Dichters Brumberg".
Ab 1960 war Gustafsson Redakteur, von 1965 bis 1972 Chefredakteur der
schwedischen Literaturzeitschrift "Bonniers Litterära Magasin". Danach
unternahm er ausgiebige Reisen. An verschiedenen Universitäten, u. a.
auch in West-Deutschland, hatte er Gastdozenturen inne. 1972/73 führte
ihn ein Stipendium des DAAD nach Berlin. Gustafsson hatte sich bereits
international als Schriftsteller und Wissenschaftler einen Namen
gemacht, als er 1982 beschloss, sich in einen völlig neuen Rahmen zu
begeben: Er siedelte in die USA über, heiratete erneut und konvertierte
zum Judentum. In Austin, Texas, unterrichtete der Autor als Adjunct Professor für Germanic Studies.
Bereits 1983 nahm er die US-amerikanische Staatsbürgerschaft an, und er
lebt noch heute in Austin, wo er an der Universität Philosophie lehrt.
Für sein umfangreiches Werk erhielt der Autor unter anderem den
europäischen Essay-Preis Charles Veillon (1983), den Bellman-Preis der
Schwedischen Akademie (1990) und den schwedischen Pilot-Preis (1996).
Seit 2000 ist er Mitglied der Akademie der Schönen Künste in München.
In Deutschland wurde Gustafsson in den siebziger Jahren zuerst durch
seine Lyrik bekannt. Sein Werk ist geprägt von der starken
Wechselbeziehung zwischen Themen des Philosophen und
Literaturwissenschaftlers Gustafsson und des Geschichtenerzählers bzw.
Poeten. Die Suche nach Identität, das moralische Bewusstsein, die
Beziehung zwischen persönlicher Erfahrung und Selbstreflexion sowie
eine philosophisch untermauerte Sprachskepsis sind die Ausgangspunkte
der Fragestellungen, die Gustafsson in seine Romane, Gedichte und
Essays einbettet. Seit den Romanen, die später die Folge "Die Risse in
der Mauer" (in Deutschland 2006 erschienen) bildeten, zählt Gustafsson
international zu den bekanntesten Schriftstellern Skandinaviens. Der
Autor benutzt hier Motive aus Kriminalromanen, um die Zerbrechlichkeit
einer Weltanschauung darzustellen, die auf Ausdrücken wie "gut", "böse"
oder der Vorstellung von persönlicher Integrität basiert. So muss dem
Helden des ersten Buches "Die Sache mit dem Hund" (1994) die Welt
zwangsläufig aus den Fugen geraten. Dieselben Ereignisse, die den
alternden Konkursrichter an sich und der Welt zweifeln lassen und ihn
in die Verzweiflung treiben, verschmelzen zugleich auf harmonische
Weise mit dem trivialen Geplänkel des Friseurs Windy. Lars Gustafsson
ist ein Meister der verschiedensten literarischen Genres. In jüngster
Zeit wurden in dem Band „Augenblick und Gedicht“ (2006) seine
„Vorlesungen im Rahmen der Tübinger Poetik-Dozentur 2006“ publiziert.
© internationales literaturfestival berlin
Lars Gustafsson online: www.utexas.edu/depts/german/faculty/gustafsson.html
BIBLIOGRAFIE:
Vägvila. Ett mysteriespel på prosa.
Siesta
Uppsala, 1957
Bröderna
Vingförlaget
Stockholm, 1960
Bakunins Reise
Literarisches Colloquium
Berlin, 1968
Übersetzung: Hans Magnus Enzensberger, Jürg Mahner
Der eigentliche Bericht über Herrn Arenander
Hanser
München, 1969
Übersetzung: Gustav Adolf Modersohn
Wollsachen
Hanser
München, Wien, 1974
Übersetzung: Verena Reichel
Sigismund
Hanser
München, Wien, 1977
Übersetzung: Verena Reichel
Die Tennisspieler
Hanser
München, Wien, 1979
Übersetzung: Verena Reichel
Eine Liebe zur Sache
Hanser
München, Wien, 1983
Übersetzung: Ruprecht Volz
Erzählungen von glücklichen Menschen
dtv
München, 1983
Übersetzung: Verena Reichel
Das Familientreffen
dtv
München, 1984
Übersetzung: Verena Reichel
Trauermusik
Hanser
München, Wien, 1984
Übersetzung: Verena Reichel
Die dritte Rochade des Bernard Foy
Hanser
München, Wien, 1986
Übersetzung: Verena Reichel
Die Bilder an der Mauer der Sonnenstadt
Hanser
München, Wien, 1987
Übersetzung: Ruprecht Volz
Die Kunst, den November zu überstehen und andere Geschichten
Hanser
München, Wien, 1988 Übersetzung:
Hans Magnus Enzensberger
Das seltsame Tier aus dem Norden und andere Merkwürdigkeiten
Hanser
München, Wien, 1989
Übersetzung: Verena Reichel
Nachmittag eines Fliesenlegers
Hanser
München, 1991
Übersetzung: Verena Reichel
Palast der Erinnerung
Hanser
München, 1996
Übersetzung: Verena Reichel
Geheimnisse zwischen Liebenden
Hanser
München, 1997
Übersetzung: Verena Reichel
Ein Vormittag in Schweden
Hanser
München, 1998
Übersetzung: Hans Magnus Enzensberger, Hanns Grössel; Verena Reichel
Die Sache mit dem Hund
dtv
München, 1999
Übersetzung: Verena Reichel
Der Tod eines Bienenzüchters
Fischer
Frankfurt/Main, 2001
Übersetzung: Verena Reichel
Blom und die zweite Magenta
Hanser
Wien, 2001
Übersetzung: Verena Reichel
Windy erzählt
dtv
München, 2003
Übersetzung: Verena Reichel
Auszug aus Xanadu
Hanser
München, 2003
Übersetzung: Verena Reichel, Hans Magnus Enzensberger
Der Dekan
Hanser
München, 2004
Übersetzung: Verena Reichel
Schneeflocken
Sanssouci
München, 2005
Übersetzung: Rainer von Savigny, Verena Reichel
Augenblick und Gedicht. Vorlesungen im Rahmen der Tübinger Poetik-Dozentur 2006
Swiridoff
Künzelsau, 2006
Risse in der Mauer. Fünf Romane
Hanser
München, 2006
Übersetzung: Verena Reichel
Übersetzer: Hans Magnus Enzensberger, Hanns Grössel, Verena Reichel
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