Gast des ilb 2007
Wladimir Kaminer wurde 1967 in Moskau geboren. Nach einer Ausbildung zum Toningenieur für Theater und Rundfunk studierte er Dramaturgie am Moskauer Theaterinstitut. 1990 wanderte er nach Ost-Berlin, in die gerade noch bestehende DDR, aus. Nach der Unterbringung in einem Ausländerwohnheim in Marzahn machte er den Prenzlauer Berg zum Mittelpunkt seines Lebens und Schreibens. Als Kolumnist wurde er mit skurrilen Beschreibungen aus dem Berliner Alltag und den Wirrungen des deutschen Einheitsprozesses sowie mit Reminiszenzen an die untergegangene sowjetische Lebenswelt bekannt. Er veröffentlichte u.a. in der »zitty«, der »taz«, der »Frankfurter Rundschau« und der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung«. Daneben trat er auf unabhängigen Berliner Lesebühnen auf.
Seine erste Erzählsammlung »Russendisko« (2000) trägt den Titel einer von Kaminer und seinem Mitstreiter Juri Gurzhy im Jahr 2000 improvisierten Tanzveranstaltung im Berliner »Kaffee Burger«, die inzwischen legendär geworden ist und bis heute regelmäßig stattfindet. Die dort zelebrierte Mischung zwischen Polka-Punk, Klezmer-Ska und Balalaika-Rock illustriert Kaminers künstlerisches Prinzip der spaßorientierten, nostalgischen und freundlichen Anarchie. »Nie etwas ausdenken, sondern dem Leben vertrauen« ist der Leitsatz der Erzählungen in »Russendisko«, die mit genauen Beobachtungen, Ironie und Wohlwollen Kleinode der Absurdität aus dem Alltag filtern. Das Buch avancierte schnell zum Bestseller und wurde inzwischen u.a. ins Englische, Französische, in mehrere osteuropäische Sprachen und ins Japanische übersetzt.
Mit »Militärmusik«, einem humorvollen Abgesang auf die alte Sowjetunion und die eigene Kindheit und Jugend, veröffentlichte er 2001 seinen ersten Roman. Der »real existierende Sozialismus« ist auch thematische Fundgrube seines jüngsten, noch unveröffentlichen Werkes »Legenden und Missverständnisse des XX. Jahrhunderts: Es gab keinen Sex im Sozialismus«. Dass der Autor inzwischen Insider der deutschen Gesellschaft, v.a. aber einzelner Berliner Stadtbezirke ist, beweist er u.a. in »Mein deutsches Dschungelbuch« (2003) und »Ich bin kein Berliner. Ein Reiseführer für faule Touristen« (2007).
Kaminer, einer der beliebtesten deutschsprachigen Autoren, betätigt sich neben seinem literarischen Schaffen auch als Moderator der wöchentlichen Sendung »Wladimirs Welt« im SFB4 Radio Multikulti und tritt regelmäßig im ZDF-Morgenmagazin auf. Kürzlich eröffnete er einen eigenen Tanzclub. Mit »Mein Leben im Schrebergarten« wird dieses Jahr sein zwölftes Buch erscheinen. Der Künstler lebt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Berlin Prenzlauer Berg.
© internationales literaturfestival berlin
Wladimir Kaminer online: www.russendisko.de
BIBLIOGRAFIE:
Frische Goldjungs
Manhattan
München, 2001
Militärmusik
Goldmann
München, 2001
Russendisko
Goldmann
München, 2001
Schönhauser Allee
Goldmann
München, 2001
Helden des Alltags
[mit Helmut Höge]
Goldmann
München, 2002
Die Reise nach Trulala
Manhattan
München, 2002
Mein deutsches Dschungelbuch
Goldmann
München, 2003
Ich mache mir Sorgen, Mama
Manhattan
München, 2004
Die frühen Jahre [CD]
Random House Audio
Köln, 2005
Karaoke
Manhattan
München, 2005
Küche totalitär
[mit Olga Kaminer]
Goldmann
München, 2006
Ich bin kein Berliner
Goldmann
München, 2007
Meine Leben im Schrebergarten
Manhattan
München, 2007
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