Gast des ilb 2007
Mirjam Pressler, 1940 in Darmstadt geboren, wuchs bei Pflegeeltern und im Heim auf. Nach dem Studium der Bildenden Kunst und der Sprachen in Frankfurt und München lebte sie ein Jahr lang in einem Kibbuz in Israel. Zurück in Deutschland heiratete sie, bekam drei Töchter, die sie alleine großzog, und arbeitete in verschiedenen Jobs. Erst mit 39 Jahren begann sie zu schreiben – heute gehört sie zu den bedeutendsten Kinder- und Jugendbuchschriftstellerinnen deutscher Sprache. Seit ihrem preisgekrönten Debüt mit »Bitterschokolade« (1980), das von einem an Bulimie erkrankten Mädchen erzählt, hat sie mehr als dreißig Romane, Erstlesetexte sowie Bilderbücher veröffentlicht und über 300 Titel u.a. aus dem Flämischen, Hebräischen und Englischen übersetzt, darunter Werke von Bart Moeyaert und Zeruya Shalev.
Mirjam Pressler wendet sich an junge Leser, deren Gefühlswelt und soziale Wirklichkeit sie porträtiert. Mit großer Eindringlichkeit schreibt sie über vernachlässigte Kinder oder Außenseiter, die in schwierigen und oftmals sozial problematischen Situationen durch Mut und Lebensfreude zu starken Persönlichkeiten heranwachsen. Dabei schöpft sie auch aus persönlichen Erfahrungen, wie in »Wenn das Glück kommt, muss man ihm einen Stuhl hinstellen« (1994), einem feinfühligen Portrait der zwölfjährigen Halinka, die seit Jahren im Heim lebt, wo sie unglücklich ist. Doch Halinka kann sich in ihr Versteck auf dem Speicher zurückziehen und ihrer Fantasie in einem Tagebuch freien Lauf lassen. Wie für die Autorin ist für ihre Figuren Sprache überlebenswichtig, um die eigenen Sehnsüchte zu formulieren. Als scharfe Beobachterin erzählt Mirjam Pressler, die selbst jüdische Wurzeln hat, stille Lebensschicksale auch im Kontext jüdischer Historie. Mit ihrem viel gelobten Jugendroman »Malka Mai« (2001) taucht sie in die Zeit des Zweiten Weltkriegs ein und schildert die Flucht einer jüdischen Ärztin mit ihren Töchtern vor den Nazis: Als die siebenjährige Malka während des Fußmarsches von Polen nach Ungarn krank wird, lässt ihre Mutter sie schweren Herzens bei Bauern zurück, um sie später nachzuholen. Doch Malka wird in ein Ghetto verschleppt. Dort entwickelt die Kleine ungeahnte Kräfte, die sie Hunger, Kälte, Krankheit und Einsamkeit überstehen lassen, bis sie gerettet wird. Malkas ergreifende Odyssee ist die eindringliche Beschwörung des unzertrennlichen Bandes zwischen Mutter und Kind. »Mirjam Pressler hat die Gabe, das Schwere mit Poesie und Spannung auszusprechen, ohne es zu verharmlosen«, resümierte »Der Tagesspiegel«. In ihrem jüngsten Roman »Golem stiller Bruder« (2007) entführt Pressler ihre Leser in die goldene Stadt Prag um 1600. Eindrucksvoll greift sie die Legende des berühmten Golems auf und erzählt von menschlicher Vermessenheit.
Für ihr Œuvre wurde Mirjam Pressler u.a. mit dem Sonderpreis des Deutschen Jugendliteraturpreis als Übersetzerin (1994) und mit dem Deutschen Bücherpreis für ihr literarisches Lebenswerk (2004) geehrt. Sie hat zudem die endgültige deutschsprachige Fassung des »Tagebuchs der Anne Frank« besorgt. 2005/06 hatte sie eine Poetik-Professur für Kinder- und Jugendliteratur an der Universität Oldenburg inne. Die Preisträgerin der Carl-Zuckmayer-Medaille lebt in der Nähe von München.
© internationales literaturfestival berlin
Mirjam Pressler online: www.mirjampressler.de
BIBLIOGRAFIE:
Kratzer im Lack
Beltz & Gelberg
Weinheim, 1981
Nun red doch endlich
Beltz & Gelberg
Weinheim, 1981
Zeit am Stiel
Beltz & Gelberg
Weinheim, 1983
Riesenkuß und Riesenglück
Oetinger
Hamburg, 1984
[Ill. Sabine Barth]
Katharina und so weiter
Beltz & Gelberg
Weinheim, 1985
Stolperschritte
Kinderbuchverlag
Berlin, 1985
Mit 64 stirbt man nicht
Fischer
Frankfurt/Main, 1986
Leselöwen-Trau-Dich-Geschichten
Loewe
Bindlach, 1986
Novemberkatzen
Beltz & Gelberg
Weinheim, 1986
Goethe in der Kiste
Loewe
Bindlach, 1987
[Ill. Edith Lang]
Jessi, ich schenk dir meinen Wackelzahn
Maier
Ravensburg, 1987
[Ill. Gitte Spee]
Leselöwen-Oma-Geschichten
Loewe
Bindlach, 1987
Bär Brumm Bär
Maier
Ravensburg, 1988
[Ill. Gitte Spee]
Jessi, eine Sekunde nicht aufgepasst
Maier
Ravensburg, 1990
[Ill. Gitte Spee]
Jessi, Lutzibutzi spinnt!
Maier
Ravensburg, 1990
[Ill. Gitte Spee]
Wer sich nicht traut, ist ein Feigling
dtv
München, 1990
Nickel Vogelpfeifer
Beltz & Gelberg
Weinheim, 1991
Sieben und eine Hex
Loewe
Bindlach, 1993
Auch Vampire können sich irren
Arena
Würzburg, 1994
Leselöwen-Geburtstagsgeschichten
Loewe
Bindlach, 1994
Jola und Nickel im Verkehr
Loewe
Bindlach, 1994
[Ill. Maria Wissmann]
Jola und Nickel in der Schule
Loewe
Bindlach, 1994
[Ill. Maria Wissmann]
Jessi und Tante Dorothea
Maier
Ravensburg, 1995
[Ill. Gitte Spee]
Nora im Kaufhaus
Maier
Ravensburg, 1995
[Ill. Ulrike Baier]
Schlag gut, Nora
Maier
Ravensburg, 1995
[Ill. Ulrike Baier]
Jessi, eine Sekunde nicht aufgepasst
Maier,
Ravensburg, 1995
Jola und Nickel auf dem Bauernhof
Loewe
Bindlach, 1995
Jola und Nickel feiern Geburtstag
Loewe
Bindlach, 1995
[Ill. Maria Wissmann]
Leselöwen-Geschwistergeschichten
Loewe
Bindlach, 1995
[Ill. Charlotte Panowsky]
Ben und Lena im Kindergarten
Loewe
Bindlach, 1997
Ben und Lena und das Kätzchen
Loewe
Bindlach, 1997
Ben und Lena gehen einkaufen
Loewe
Bindlach, 1998
Leselöwen-Gutenacht-Geschichten
Loewe
Bindlach, 1998
Die wundersame Reise des kleinen Kröterichs
Hanser
München, 1998
Ben und Lena gehen zum Arzt
Loewe
Bindlach, 1999
Geschichten von Jessi
Gulliver
Weinheim, 1999
Kopfunter Kopfüber
Hanser
München, 1999
Shylocks Tochter
Alibaba
Frankfurt/Main, 1999
Neues von Jessi
Beltz & Gelberg
Weinheim, 2000
[Ill: Gitte Spee]
Nora, mal so mal so
Alibaba
Frankfurt/Main, 2000
[Ill. Astrid Krömer]
Schattentier, tausch mit mir!
Beltz & Gelberg
Weinheim, 2001
Ben und Lena freuen sich auf Weihnachten
Loewe
Bindlach, 2002
Das Ding
Heinrich Ellermann
Hamburg, 2002
Die Schönsten Erstlesegeschichten
Fischer
Frankfurt/Main, 2002
Die Zeit der schlafenden Hunde
Beltz & Gelberg
Weinheim, 2003
Rosengift
Berlin Verlag
Berlin, 2004
Sarah und Simon
Cbj
München, 2004
Spukgeschichten
Arena
Würzburg, 2004
Guten Morgen, gute Nacht
Beltz & Gelberg
Weinheim, 2005
Mit Sarah und Simon durchs Jahr
Cbj
München, 2005
Wundertütentage
Beltz & Gelberg
Weinheim, 2005
Bitterschokolade
Beltz & Gelberg
Weinheim, 2006
Ich sehne mich so
Beltz & Gelberg
Weinheim, 2006
Wenn das Glück kommt, muss man ihm einen Stuhl hinstellen
SZ Junge Bibliothek
München, 2006
Für Isabel war es Liebe
dtv
München, 2006
Malka Mai
Beltz & Gelberg
Weinheim, 2007
Die Zeit der schlafenden Hunde
Beltz & Gelberg
Weinheim, 2007
Golem stiller Bruder
Beltz & Gelberg
Weinheim, 2007 |