Shamsur Rahman Faruqi
wurde 1935 geboren. Er studierte Anglistik, schreibt jedoch in Urdu.
Diese Sprache wurde vor der Teilung Indiens 1947 gleichermaßen von
Hindus und Moslems gesprochen – erst später begann man, sie als Sprache
der muslimischen Minderheit anzusehen. Obwohl er sich der
unterprivilegierten Stellung seiner Sprache immer bewusst war, gelang
Faruqi eine außergewöhnliche Karriere. Er bekleidete in der indischen
Regierung hohe Beamtenposten und war auf literarischem und
journalistischem Gebiet erfolgreich, u.a. als Gründer und Herausgeber
der einflussreichen Urdu-sprachigen, kulturpolitischen
Literaturzeitschrift »Shab-Khun« (1966-2005).
Als junger, aufstrebender Autor
schrieb Faruqi Kurzgeschichten, bevor er sich anderen Genres zuwandte.
2001 gelang ihm mit seiner Erzählsammlung »Savar« (Ü: Reiter) eine
Sensation. Er versucht darin, die literarische und soziale Kultur der
indo-muslimischen Welt des 18. und 19. Jahrunderts wiederzuentdecken
und wiederzuerschaffen. 2006 erschien sein aufsehenerregender,
umfangreicher Roman, »Ka’i Chaand The Sar-e Aasmaan« (Ü: Monde über dem
Himmel), der mit dem nationalen Hali Award der Haryana State Urdu
Academy ausgezeichnet wurde.
Unter seinen weiteren Werken
sind vier Gedichtbände in Urdu. Obgleich nicht unumstritten, gilt
Faruqi doch als unvergleichlicher zeitgenössischer Dichter innerhalb
des Urdu-Sprachraums. Seine Gedichte thematisieren oft die Gefahren und
Möglichkeiten der Modernisierung seiner Lebenswelt; seine
Liebesgedichte setzen sich mit Misserfolg, Betrug und Einsamkeit
auseinander. Faruqis außergewöhnliche Vertrautheit mit den Stilmitteln,
Themen und Motiven der klassischen Urdu-Lyrik sowie mit westlicher
Literatur nutzt er auch für stilistische und thematische Experimente,
wobei sein bildhafter lyrischer Sprachgebrauch und die häufige
Darstellung von Formen und Farben über jedweder »Botschaft« stehen, die
im Gedicht vermittelt werden könnte.
Seine Arbeiten als
Literaturkritiker, -theoretiker und -historiker sowie als Dichter,
Lexikograf und Übersetzer trugen ihm den Ruf eines hervorragenden
Kenners und behutsamen Modernisierers des Urdu ein, welcher dieser
Sprache erneut zu einem höheren Stellenwert verhalf und zu einem
verstärkten Interesse an Urdu-Literatur, besonders aus dem 18. und 19.
Jahrhundert, beitrug. Seit den sechziger Jahren war er an der
Erneuerung seiner Sprache maßgeblich beteiligt, indem er – wo nötig –
westliche Kritik-Standards und Literaturtheorien adaptierte. Dabei
setzte er sich auch mit der Urdu-Poetik auseinander und entdeckte sie
gleichzeitig neu. Obwohl er selbst meist auf Urdu schreibt, verfasste
er auch Werke in englischer Sprache.
Faruqis vermittelnde Stellung
zeigt sich überdies in seinen Beiträgen zur Kanonisierung der
umfangreichen, bis dahin oft nur mündlich überlieferten Urdu-Literatur
– z.B. des Romanepos »Dastan-e Amir Hamza« (Ü: Die Abenteuer des Amir
Hamza). Neben der Schaffung einer Theorie der mündlichen Überlieferung
in Urdu war Faruqi auch daran beteiligt, die Tradition von Aufführungen
des »Dastan-e Amir Hamza« wiederzubeleben.
Zu Faruqis Auszeichnungen
gehören der renommierte Saraswati Samman Prize der Birla Foundation.
Zudem verliehen ihm die Aligarh Muslim University und die Maulana Azad
National Urdu University in Hyderabad zwei Ehrendoktorwürden. Er wurde
mit dem Urdu Award der Sahitya Akademi (Indiens Akademie der Künste)
und den höchsten nationalen Preise vieler staatlicher Urdu-Akademien
geehrt. Shamsur Rahman Faruqi lebt mit seiner Frau in Allahabad.
© internationales literaturfestival berlin
BIBLIOGRAFIE:
Sabz andar Sabz
Shabkhoon Kitab Ghar
Allahabad, 1974
The Secret Mirror
Progressive Book SErvice
Delhi, 1981
She'r-e Shor-Angez
Bureau for the Promotion of Urdu
Neu-Delhi, 1990-1994
The Shadow of a bird in flight
Rupa & Co.
New Delhi, 1994
Early Urdu Literary Culture and History
Oxford University Press
Neu-Delhi, 2001
Savar aur Dusre Afsane
Aaj ki Kitaben
Karachi, 2001
The Colour of Black Flowers
City Books
Karachi, 2002
The Flower-Lit Road
Laburnum
Allahabad, 2005
Ka'i Chaand The Sar-e Aasmaan
Penguin
Neu-Delhi, 2006
How to Read Iqbal
Iqbal Academy
Lahore, 2007
Übersetzer: Christina Oesterheld, Amtul Manan Tahir
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