Gast des ilb 2007
Karla Suárez
wurde 1969 in Kuba geboren. Sie verbrachte ihre Kindheit und Jugend in
Havanna, wo sie Informatik studierte. Ihre literarische Karriere begann
mit Erzählungen, die in verschiedenen Anthologien und Zeitschriften
abgedruckt wurden. Ihre Erzählung »Aniversario« (Ü: Jahrestag) wurde
1996 für das Theater adaptiert. Aus ihrem ersten Band mit
Kurzgeschichten, »Espuma« (1999; Ü: Schaum), wurden zwei Erzählungen
für das kubanische Fernsehen verfilmt. Zwei Jahre später folgte der
zweite Band »Carroza para actores« (Ü: Paradewagen für Schauspieler).
Ihr Debütroman »Silencios« (1999) wurde ins Französische,
Portugiesische, Italienische, Slowenische und unter dem Titel
»Gesichter des Schweigens« (2001) ins Deutsche übersetzt. Er zeichnet
zwanzig Jahre kubanische Geschichte nach, beginnend mit der Phase
relativen Wohlstands in den achtziger Jahren bis hin zur
»Spezialperiode« der Nachwendezeit. Er ist ein klassischer
Entwicklungsroman, in dem die Ich-Erzählerin die Geschichte ihrer
Kindheit und Jugend bis hin zum Erwachsenenalter erzählt. Schweigen ist
die Antwort des Kindes auf die Hysterie einer kubanischen Großfamilie,
in der jedes Familienmitglied ein Geheimnis mit sich herumträgt und in
diesem Sinn ein Doppelleben führt. Das Kind beobachtet und deckt die
Geschichten der Einzelnen auf. Am Ende ist aus dem neugierigen kleinen
Mädchen eine desillusionierte junge Frau geworden, die Familie
zerfällt, und die Protagonistin bleibt einsam zurück.
Suárez’ neuester Roman, »La viajera« (2005; Ü: Die Reisende), enthält
ebenfalls zahlreiche autobiografische Elemente. Er erzählt die
Geschichte von Circe, einer starken und faszinierenden Frau, die Ende
der neunziger Jahre mit ihrer Freundin Lucía aus der Enge der
kubanischen Gesellschaft flieht, um den richtigen Ort zum Leben für
sich zu finden. Lucía heiratet bald darauf einen Italiener und zieht
mit ihm nach Rom, während Circe weiter von Stadt zu Stadt reist. Sechs
Jahre später folgt Circe ihr nach. Sie zieht mit ihrem in der
Zwischenzeit geborenen Sohn bei Lucía und deren Mann ein – und die alte
Freundschaft tritt in eine neue Phase. In diesem spritzigen, ironischen
Werk, das in drei Sprachen übersetzt wurde, liegt ein besonderer
Schwerpunkt auf der Musik, die für den Roman eine Art Tonspur ist,
weshalb der spanischen Originalausgabe auch eine CD mit den wichtigsten
Titeln beigefügt wurde. »Wichtig ist für mich, Figuren mit einem
eigenen musikalischen Thema zu entwickeln, das ihnen Identität und eine
eigene Charakteristik verleiht«, sagt die Autorin.
Sie erhielt mehrere Stipendien und wurde mit dem kubanischen Premio
Razón de Ser, dem Preis des spanischen Verlagshauses Lengua de Trapo,
dem italienischen Preis für internationale Kurzgeschichten »I colori
delle Donne« ausgezeichnet und war Finalistin des Premio de América in
Guadalupe. Nach fünf Jahren in Rom lebt sie seit 2003 in Paris, wo sie
weiterhin als freie Informatikerin, Autorin und Dozentin für Kreatives
Schreiben tätig ist.
© internationales literaturfestival berlin
BIBLIOGRAFIE:
Espuma
Ed. Letras Cubanas
Havanna, 1999
Gesichter des Schweigens
Rowohlt
Reinbek bei Hamburg, 2001
[Ü: Sabine Giersberg]
Carroza para actores
Norma
Bogotá, 2001
La viajera
Roca
Barcelona, 2005
Übersetzer: Sabine Giersberg |