Gast des ilb 2007
Liliana Bodoc wurde 1958 in
Santa Fe, Argentinien, geboren und wuchs in Mendoza auf. Sie studierte
Moderne Literatur an der Universidad Nacional von Cuyo. Seit ihrem viel
beachteten Debüt mit »La saga de los Confines. Los días del Venado«
(2000; Ü: Die Grenzländersaga. Die Tage des Hirschs), dem ersten Teil
einer Trilogie, gehört sie zu den bedeutendsten neuen Stimmen
fantastischer Literatur im spanischen Sprachraum. Allein in Argentinien
verkaufte sich der erste Band 70.000 Mal. Er wird demnächst in mehreren
europäischen Ländern erscheinen, darunter auch in Deutschland. Neben
fantastischer Epik veröffentlichte Bodoc auch Theaterstücke,
Erstlesetexte, Erzählungen und Romane für Kinder und Jugendliche.
In berückend dunklen Bildern erzählt »La saga de
los Confines« von einer mythischen Schlacht in einer fernen
Vergangenheit: Als fremde Schiffe in unbestimmter Absicht in See
stechen, schließen sich die Bruderschaft der freien Luft und die
Kreaturen der Fruchtbaren Länder zum Hirschbund zusammen. In ihm
kämpfen auch der Husihuilke-Krieger Dulkancellin und Cucub von den
Zitzahay. Unterstützt vom Erdenzauberer Kupuka, ziehen sie in den Krieg
gegen Misáianes, den Sohn des Ewigen Hasses, und seine Armee der Alten
Länder.
Historische mit fantastischen Erzählelementen
verwebend, entspinnt die Autorin vor dem Hintergrund der Kulturen von
Azteken, Maya und Mapuche ihr mitreißendes Epos über einen Kampf um
Unterwerfung, Überleben und Freiheit, in dem die Grenzen zwischen Gut
und Böse fließend sind und an dessen Ende der Untergang einer ganzen
Epoche steht. Auf den Vergleich mit J.R.R. Tolkien angesprochen,
erwidert die Autorin: »Tolkiens Epos ist in einer entgegengesetzten
Realität verankert, es ist ein europäischer Epos, eurozentrisch und
monarchistisch. Sein Werk und meines verkörpern zwei unterschiedliche
Weltbilder: Tolkien schreibt aus der Sicht der Mächtigen, ich vom
Standpunkt der ›abandonados‹ (Verlassenen)«. Bodoc beeindruckt als
eindringliche Erzählerin, der es meisterhaft gelingt, kollektive
Erfahrungen wie Unterdrückung und Krieg mit dem Intimen und Privaten
ihrer Protagonisten zu verbinden. Indem die Autorin deren Ängste und
Zweifel in den Fokus ihrer Aufmerksamkeit rückt, entfernt sie sich
bewusst von den klassischen Archetypen fantastischer Epik und bricht
mit den Mustern des Genres. Nicht zuletzt aus diesem Grund konstatierte
das Magazin »Página/12«: »Ihre Romane sind wahrscheinlich die besten
Bücher des Genres fantastische Epik, die je in spanischer Sprache
geschrieben wurden.«
Zuletzt veröffentlichte Liliana Bodoc mit
»Memorias impuras. Los padres« (2007; Ü: Unreine Erinnerungen. Die
Eltern) den ersten Band eines zweiteiligen Romans. Für »Los días del
Venado« erhielt sie u.a. den Premio Feria del Libro de Buenos Aires
(2000) und wurde in die IBBY Honour List (2002) aufgenommen. Der erste
Teil der »Confines«-Saga und die Fortsetzung »Los días de la Sombra«
(2006; Ü: Die Tage des Schattens) wurden außerdem mit dem Premio
Calidoscopio (2003) der Banco del Libro de Venezuela prämiert. Liliana
Bodoc ist verheiratet und lebt in Buenos Aires.
© internationales literaturfestival berlin
BIBLIOGRAFIE:
Diciembre Súper Álbum
Alfaguara
Buenos Aires, 2006
[Ill: Eugenia Nobati]
Sucedió en colores
Norma
Buenos Aires, 2007
[Ill: Matías Trillo]
La saga de los Confines:
Los días del Venado
Norma
Buenos Aires, 2007
La saga de los Confines:
Los días de la Sombra
Norma
Buenos Aires, 2007
La saga de los Confines:
Los días del Fuego
Norma
Buenos Aires, 2007
La mejor luna
Norma
Buenos Aires, 2007
Reyes y pájaros
Norma
Buenos Aires, 2007
[Ill: Matías Trillo]
Memorias impuras: Los padres
Planeta
Buenos Aires, 2007
Übersetzer: Matthias Strobel
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