Gast des ilb 2007
Der Lyriker Dan Sociu wurde
1978 in der moldauischen Kreishauptstadt Botoşani, im äußersten
Nordosten Rumäniens geboren. Er studierte Politologie, Philosophie,
Rumänistik und Slawistik an der Alexandru-Ioan-Cuza-Universität in
Iaşi. Anschließend arbeitete er im gleichen Ort als Verlagslektor und
seit 2005 als Verlagsredakteur in Bukarest.
Sociu gehört zur jüngeren Lyrikergeneration der sogenannten »2000er«,
die von der Literaturkritik Rumäniens gerne als Vertreter des
»Miserabilismus« bezeichnet werden. Diese Gruppe charakterisiert eine
Vorliebe für Antihelden sowie ein biografisches Schreiben, das die
Banalität des Alltags in den Vordergrund stellt und Einflüsse der
amerikanischen Pop-Literatur aufnimmt. Die Weiterführung eigener
nationaler Traditionen wird entschieden abgelehnt und der hehre Kunstanspruch
von Literatur als groteske oder paradoxe Inszenierung empfunden: »ich
hatte / noch nie schriftsteller gesehen ich hielt sie alle / für tot
sogar mehr als das«. Sociu bekennt sich dagegen zu einer lebensnahen,
dialogischen Poetik, in der es so viele lyrische Ichs gibt wie
existentiell relevante Begegnungen: »manchmal fühle ich dass mir jemand
gestorben ist / im kopf / dann umarme ich mich und wache auf / und nach
drei tagen / spucke ich ein erfrorenes körperchen aus / ein winziger
fötus / mit blauen heiteren / augen / ein menschlein mit dem kopf in
den händen«.
Sociu tat sich bei zahlreichen Lesungen in Rumänien sowie im Ausland
als charismatischer und vom Publikum geschätzter Lyriker hervor. Er
veröffentlichte zunächst Gedichtzyklen und Übersetzungen in rumänischen
Literaturzeitschriften. Bereits als Mitglied der Iaşier Literaturgruppe
»Club 8«, die sich gegen das rumänische Kultur-Establishment richtete,
hatte er sich einen Namen gemacht. 2002 debütierte er mit dem Band
»borcane bine legate, bani pentru încă o săptămînă« (Ü: gut zugebundene
einweckgläser, geld für eine weitere woche), der 2003 mit dem
nationalen Förderpreis
»Mihai Eminescu« ausgezeichnet wurde. Ein Jahr darauf publizierte er
seinen zweiten Gedichtband, »fratele păduche« (Ü: bruder laus), und
2005 gelang ihm der Durchbruch mit dem vom rumänischen
Schriftstellerverband als »Bestes Buch des Jahres« ausgezeichneten
Lyrikband »cântece eXcesive« (Ü: eXzessive lieder).
Eine Auswahl von Socius Gedichten wurde für eine deutsche und eine
englische Anthologie übersetzt. Übertragungen seiner Lyrik erschienen
auch in der österreichischen Literaturzeitschrift »Wienzeile«. Er
selbst trat als Übersetzer von Charles Bukowski hervor und
veröffentlichte eine Lyrikanthologie des Schriftstellers. Zurzeit
arbeitet Sociu an seinem ersten Roman, »Urbancolia«, dessen Erscheinen
für 2008 vorgesehen ist. Er lebt in Bukarest.
© internationales literaturfestival berlin
BIBLIOGRAFIE:
borcane bine legate, bani pentru încă o săptămînă
Ed. Junimea
Iaşi, 2002
fratele păduche
Vinea
Bukarest, 2004
cântece eXcesive
Polirom
Bukarest, 2005
Übersetzer: Georg Aescht, Michael Astner |