Gast des ilb 2007
Nicholas Shakespeare
wurde 1957 im englischen Worcester geboren und wuchs, als Sohn eines
Diplomaten, in Asien und Lateinamerika auf. Er studierte Literatur an
der Universität von Cambridge und war als Journalist für die BBC und
für die »Times« tätig. Zwischen 1988 und 1991 war er Feuilletonchef
beim »Daily Telegraph« und dem »Sunday Telegraph«. In dieser Zeit
erschien sein erster, preisgekrönter
Roman, »The Vision of Elena Silves« (1989; Ü: Die Vision der Elena
Silves). Er erzählt eine Liebesgeschichte vor dem Hintergrund der
ideologisch gespaltenen Gesellschaft Perus. Die Figur des Liebhabers
und studentischen Revolutionärs ist nach Abimael Guzmán gestaltet, dem
Anführer der maoistischen Terrorgruppe »Leuchtender Pfad«. Bereits
Mitte der achtziger Jahre hatte sich Shakespeare in der Reportage »In
Pursuit of Guzmán« für das Magazin »Granta« der faszinierenden,
öffentlichkeitsscheuen Figur genähert. Die Umstände seiner Verhaftung
sind in dem Roman »The Dancer Upstairs« (1995; dt. »Der Obrist und die
Tänzerin«, 1998) verarbeitet, der von John Malkovich nach Shakespeares
Drehbuch verfilmt wurde. Rahmenhandlung ist wiederum eine
Liebesgeschichte mit unglücklichem Ausgang: Ein Oberst spürt nach
vielen Jahren den gesuchten Terroristen in der Wohnung über der
Ballettschule jener Tänzerin auf, in die er verliebt ist, und muss
erfahren, dass sie selbst Anhängerin der Bewegung ist.
Auch in seinen späteren Werken blieb Shakespeare bei seiner
journalistisch geschulten Darstellungsweise, die sich durch
Detailreichtum, Sachkenntnis, souveräne Sprachgestaltung
und Einfühlungsvermögen auszeichnet. Bekanntheit erlangte er
insbesondere mit der Biografie über den Schriftsteller Bruce Chatwin.
Ohne ihn zu verklären, widmete ihm Shakespeare ein profundes
Porträt, für das er acht Jahre lang recherchierte. 2004 legte er mit
»In Tasmania« (dt. »In Tasmanien«, 2005) eine Beschreibung der
südaustralischen Insel vor, die landeskundliche Entdeckungsreisen wie
bei Chatwin als literarisches Erlebnis inszenieren. Persönliche
Erlebnisse und die eigene Familiengeschichte bieten Anknüpfungspunkte
für ein Geflecht von Fakten, Anekdoten, Berichten und Geschichten, die
eine umfassende Annäherung an die Insel ermöglichen.
Auch Shakespeares neuester Roman spielt in Tasmanien. »Secrets of the
Sea« (2007; dt. »Sturm«, 2007) erzählt von jungen Eheleuten, deren
fragiles Glück auf die Probe gestellt wird, als ihnen ein Gewitter
einen Fremden ins Haus trägt. Shakespeare selbst hat inzwischen einen
Wohnsitz im tasmanischen Swansea. Er lebt außerdem in Wiltshire,
England. Zu seinen zahlreichen Auszeichnungen gehören der Somerset
Maugham Award, der Betty Trask Award, der American Library Association
Award und der Tasmania Book Prize. Seit 1999 ist Shakespeare Fellow der
Royal Society of Literature.
© internationales literaturfestival berlin
BIBLIOGRAFIE:
The men who would be King
Sidgwick & Jackson
London, 1984
Londoners
Sidgwick & Jackson
London, 1986
The Vision of Elena Silves
Collins Harvill
London, 1989
Guzman
Kellner
Hamburg, 1991
Die Säulen des Herakles
Kellern
Hamburg, 1994
[Ü: Klaus Binder, Jeremy Gaines]
Der Obrist und die Tänzerin
Rowohlt
Reinbek, 1998
[Ü: Werner Richter]
Bruce Chatwin
Rowohlt
Reinbek, 2000
[Ü: Anita Krätzer, Bernd Rullkötter]
In Tasmanien
Mare
Hamburg, 2005
[Ü: Hans M. Herzog]
In dieser einen Nacht
Rowohlt
Reinbek, 2006
[Ü: Hans M. Herzog]
Sturm
Mare
Hamburg, 2007
[Ü: Susanne Höbel]
Übersetzer: Klaus Binder, Anita Krätzer, Jeremy Gaines, Susanne Höbel, Hans M. Herzog, Werner Richter, Bernd Rullkötter
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