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Autor
© Hartwig Klappert

Mario Vargas Llosa 

Peru 

Gast des ilb 2007

Mario Vargas Llosa wurde 1936 im peruanischen Arequipa geboren und wuchs in Bolivien, Nordperu und Lima auf. Dort studierte er Literaturwissenschaften sowie Jura und promovierte anschließend in Madrid. Er war früh sowohl journalistisch als auch schriftstellerisch tätig und gilt mit Gabriel García Márquez, Julio Cortázar und Carlos Fuentes als Quartett des Booms der lateinamerikanischen Literatur. Seine ersten drei Romane – als Meisterwerk gilt insbesondere »Conversación en La Catedral« (1969; dt. »Gespräch in der ›Kathedrale‹«, 1984) – schrieb er in Europa, wo er in Paris, London und Barcelona lebte. 1975 kehrte er nach Peru zurück, seit den achtziger Jahren engagierte er sich zunehmend politisch. Als Kandidat für die peruanischen Präsidentschaftswahlen unterlag er 1990 Alberto Fujimori. Seitdem widmete er sich verstärkt seiner Lehrtätigkeit an verschiedenen amerikanischen und europäischen Universitäten, z.B. in Washington, Puerto Rico, London, New York, Cambridge, Harvard und Princeton. Seit 1993 ist er spanischer Staatsbürger.
Llosas frühes Romanwerk zeichnet sich durch avancierteste literarische Formen und eine präzise polyphone Strukturierung aus. Im Bemühen um den »totalen Roman« wird ein Kaleidoskop der peruanischen Gesellschaft aus Splittern geschichtlicher und geografischer Beschreibungen, verschiedenen Handlungs- und Zeitebenen, aus Erinnerungen, Erlebnissen, Dialogen und Phantasien quer durch alle Gesellschaftsschichten entworfen. Wirklichkeit scheint als artifiziell-fiktionales Konstrukt auf. Eine wichtige Inspirationsquelle des Autors bildete stets die eigene Biografie: Im Romandebüt »La ciudad y los perros« (1962; dt. »Die Stadt und die Hunde«, 1965) wird die traumatische Erfahrung des Lebens in einer Kadettenanstalt aufgegriffen. »La tía Julia y el escribidor« (1977; dt. »Tante Julia und der Lohnschreiber«, 1977, »Tante Julia und der Kunstschreiber«, 1985) verarbeitet die erste, früh geschlossene Ehe des Autors mit seiner 14 Jahre älteren Tante. Während sich satirischer Ton und erotische Schilderungen im späteren Werk durchhielten, reduzierte Vargas Llosa zunehmend die erzählerische Komplexität seines Werks, das auch literaturtheoretische und politische Essays, Vorträge und Memoiren umfasst. Zuletzt veröffentlichte er den Roman »Travesuras de la niña mala« (2006; dt. »Das böse Mädchen«, 2006), der anhand einer obsessiven Liebe die politische Entwicklung der letzten Jahrhunderthälfte in den Städten Lima, Paris, London, Tokio und Madrid schildert.
Vargas Llosa ist mit seinem Eintreten für Demokratie und individuelle Freiheit ein in der breiten Öffentlichkeit wirkender Intellektueller und gilt als moralische Instanz. Früher als andere Vertreter seiner Generation erkannte er den Totalitarismus auf Kuba und richtete sich gegen den einstigen Hoffnungsträger sozialer Gerechtigkeit. Zuletzt wendete sich der dezidierte Unterstützer Israels mit einer differenzierten Kritik gegen die aktuelle Politik des Landes gegenüber den Palästinensern.
Vargas Llosa war Präsident des internationalen PEN und ist Mitglied der Real Academia Española sowie Ehrendoktor verschiedener amerikanischer und europäischer Universitäten (darunter der Humboldt-Universität zu Berlin). Zu seinen Auszeichnungen gehören der Premio Cervantes, der Friedenspreis des deutschen Buchhandels, der National Book Critics Circle Award, der Premio Ortega y Gasset und der PEN/Nabokov Award. Der Autor lebt in London, Paris, Madrid und Lima. 

© internationales literaturfestival berlin

Mario Vargas Llosa online: www.mvargasllosa.com

BIBLIOGRAFIE:

Die Stadt und die Hunde
Rowohlt
Reinbek, 1965
[Ü: Wolfgang A. Luchting] 

Das grüne Haus
Rowohlt
Reinbek, 1968
[Ü: Wolfgang A. Luchting]

Antología mínima
Tiempo Contemporáneo
Buenos Aires, 1969 

Die kleinen Hunde
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1975
[Ü: Wolfgang Alexander Luchting]

Die andere Seite des Lebens
Claassen
Düsseldorf, 1976
[Ü: Wolfgang A. Luchting] 

Die ewige Orgie
Rowohlt
Reinbek, 1980
[Ü: Maralde Meyer-Minnemann] 

Der Krieg am Ende der Welt
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1982
[Ü: Anneliese Botond] 

Tante Julia und der Kunstschreiber
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1985
[Ü: Heidrun Adler]

Maytas Geschichte
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1986
[Ü: Elke Wehr] 

La Chunga
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1988
[Ü: Dagmar Ploetz] 

Gegen Wind und Wetter
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1988
[Ü: Elke Wehr] 

Wer hat Palomino Molero umgebracht?
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1988
[Ü: Elke Wehr] 

Ein Stück
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1989
[Ü: Dagmer Ploetz]

Carta de batalla por Tirant lo Blanc
Seix Barral
Barcelona, 1991 

Geheime Geschichte eines Romans
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1992
[Ü: Elke Wehr] 

El loco de los balcones
Seix Barral
Barcelona, 1993 

Desafíos a la libertad
Peisa
Lima, 1994 

Die Wahrheit der Lügen
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1994
[Ü: Elke Wehr]

Die Anführer
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1995
[Ü: Elke Wehr]

Der Fisch im Wasser
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1995
[Ü: Elke Wehr]

Der Geschichtenerzähler
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1995
[Ü: Elke Wehr] 

Lob der Stiefmutter
Suhrkamp
Frankfurt am Main, 1995
[Ü: Elke Wehr] 

José María Arguedas y las ficciones del indigenismo
Fondo de Cultura Económico
México, 1996
 

Ojos bonitos, cuadros feos
Peisa
Lima, 1996

Tod in den Anden
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1996
[Ü: Elke Wehr]

Das Fest des Ziegenbocks
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1996
[Ü: Elke Wehr]

Die geheimen Aufzeichnungen des Don Rigoberto
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1997
[Ü: Elke Wehr] 

Die Wirklichkeit des Schriftstellers
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1997
[Ü: Lieselotte Kolanoske]
 

Cervantes y la ficcion
Schwabe
Basel, 1999 

Ein trauriger, rabiater Mann
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 2000
[Ü: Elke Wehr]
 

Nationalismus als neue Bedrohung
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 2000
[Ü:Ulrich Kunzmann]
 

Die Sprache der Leidenschaft
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 2002
[Ü: Ulrich Kunzmann]

Briefe an einen jungen Schriftsteller 
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 2004 
[Ü: Clementine Kügler] 

Wie man Romane schreibt 
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 2004 
[Ü: Clementine Kügler]

Das Paradies ist anderswo 
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 2004 
[Ü: Elke Wehr]

Das böse Mädchen
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 2006
[Ü: Elke Wehr] 

Israel, Palestina
Aguilar
Barcelona, 2006 

Victor Hugo und die Versuchung des Unmöglichen
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 2006
[Ü: Angelica Ammar] 

Cien años de soledad 
Cuadernos hispanoamericanos 
Madrid, 2007

Übersetzer: Heidrun Adler, Angelica Ammar, Anneliese Botond, Lieselotte Kolanoske, Clementine Kügler, Ulrich Kunzmann, Wolfgang A. Luchting, Maralde Meyer-Minnemann, Dagmar Ploetz, Elke Wehr

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