Gast des ilb 2007
Der Lyriker Paul Muldoon wurde 1951 in Portadown, im nordirischen County Armagh, geboren und wuchs in der ländlichen Gegend von the Moy auf. Er studierte Anglistik an der Queen's University in Belfast, wo er für die BBC arbeitete und vor allem Radiosendungen, später auch Fernsehsendungen, produzierte. Bereits seit seinem frühen Gedichtband »New Weather« (1973; Ü: Neues Wetter) gilt er als Lyriker von Rang und wird immer wieder mit Nobelpreisträger Seamus Heaney verglichen, dessen Student er war. Nach einem Aufenthalt als Writer in Residency an der Universität von Cambridge zog Muldoon 1987 in die USA, wo er seitdem lebt und an der Columbia University und in Princeton unterrichtete. 1999-2004 war er zudem Professor of Poetry an der University of Oxford. Seine dort gehaltenen Vorlesungen über Dichtkunst erschienen unter dem mehrdeutigen Titel »The End of the Poem« (2006; Ü: Das Ende/der Zweck des Gedichts). Die luziden, spielerischen und horizonterweiternden Analysen von Gedichten aus den letzten zwei Jahrhunderten können einen Eindruck von Muldoons eigener ästhetischer Produktionsweise vermitteln. In der Manier des close reading löst der Autor einzelne Fäden aus dem Textgewebe und folgt ihnen in die verschiedenen sprachlichen, literarischen, geschichtlichen und theoretischen Kontexte, in die sie verweisen. Bedeutungsvielfalt, Klänge und Anklänge, etymologische Wurzeln und Wortspiele werden zu Mitteln, anhand derer die Macht der Sprache jenseits ihrer Funktionalität sichtbar wird. »Wir können Sprache als Werkzeug benutzen oder von ihr selbst benutzt werden. Das ist, glaube ich, der Unterschied. Aber auch, wenn man die Sprache als Werkzeug benutzt, wird man von ihr – wie wohl jeder erfahren hat – doch gleichzeitig selbst benutzt.«
Zu Muldoons prägenden Einflüssen zählen modernistische Vorläufer wie T.S. Eliot und Robert Frost, aber auch die »metaphysischen Dichter«, insbesondere John Donne. Deren Stilmittel greift Muldoon mit ebensolcher brillanten Leichtigkeit auf, wie er sich traditioneller Gedichtformen wie z.B. des Sonetts bedient. Immer wieder veröffentlichte er Langgedichte, darunter auch »Madoc: A Mystery« (1990), das als sein Meisterwerk gilt. Es stellt den Plan von Samuel Taylor Coleridge und Robert Southey, die in Amerika eine utopische Gemeinde zu gründen erwogen, als tatsächliches historisches Experiment dar. Jüngst erschien der Gedichtband »Horse Latitudes« (2006; Ü: Rossbreiten) als letzter von inzwischen knapp dreißig Lyrikbänden. Muldoon veröffentlichte ebenfalls wissenschaftliche Aufsätze, Kinderbücher, Dramen, Opernlibretti, und er trat als Herausgeber von Anthologien und als Übersetzer (u.a. von Nuala Ni Dhomhnaill und Aristophanes) hervor.
Muldoon ist Fellow der Royal Society of Literature und der American Academy of Arts and Sciences. Zu seinen Auszeichnungen zählen der T.S. Eliot Prize, ein American Academy of Arts and Letters Award, der Irish Times Poetry Prize, der Pulitzer Prize, der Griffin International Prize, der American Ireland Fund Literary Award und der Shakespeare Prize. Er unterrichtet derzeit an der Universität von Princeton und lebt mit seiner Familie in New Jersey.
© internationales literaturfestival berlin
Paul Muldoon online: www.paulmuldoon.net
BIBLIOGRAFIE:
Knowing My Place
Ulsterman Publications
Belfast, 197
New Weather
Faber
London, 1973
Spirit of Dawn
Ulsterman Publications
Belfast, 1975
Mules
Faber
London, 1977
Names and Addresses
Ulsterman Publications
Belfast, 1978
The Scrake of Dawn
Blackstaff Press
Belfast, 1979
Immram
Gallery Press
Dublin, 1980
Why Brownlee Left
Faber
London, 1980
The O-O's Party
Gallery Press
Dublin, 1981
Out of Siberia
Gallery Press
Dublin, 1982
Quoof
Faber
London, 1983
The Wishbone
Gallery Press
Dublin, 1984
The Faber Book of Contemporary Irish poetry [Hg.]
Faber
London, 1986
Meeting the British
Faber
London, 1987
The Essential Byron [Hg.]
Ecco Press
New York, 1989
Madoc: A Mystery
Faber
London, 1990
Shining Brow
Faber
London, 1993
The annals of Chile
Faber
London, 1994
Incantata
Graphic Studio
Dublin, 1994
The Prince of the Quotidian
Gallery Press
Dublin, 1994
The Last Thesaurus
Faber
London, 1995
Six Honest Serving Men
Gallery Press
Dublin, 1995
Kerry Slides
Gallery Press
Dublin, 1996
The Faber book of beasts [Hg.]
Faber
London, 1997
Hopewell Haiku
Warwick Press
Easthampton, 1997
The Noctuary of Narcissus Batt
Faber
London, 1997
Auf schmalen Pfaden durch den tiefen Norden
Hanser
München,1998
[Ü: Margitt Lehbert und Hans-Christian Oeser]
The bangle
The Typography Studio
Princeton, 1998
Hay
Farrar, Straus and Giroux
New York, 1998
Bandanna
Faber
London, 1999
Poems 1968-1998
Faber
London, 2001
Vera of Las Vegas
Gallery Press
Dublin, 2001
To Ireland, I
Oxford University Press
Oxford, 2000
Moy Sand and Gravel
Faber
London, 2002
Unapproved Road
Pied Oxen
Hopewell, 2002
Reverse Flannery
Random House
New York, 2003
Medley for Morin Khur
Enitharmon Press
London, 2005
Sixty Instant Messages to Tom Moore
Modern Haiku Press
Lincoln, 2005
The End of the Poem
Farrar, Straus and Giroux
New York, 2006
General admission
Gallery Books
Oldcastle, 2006
Horse Latitudes
Faber
London, 2006
Übersetzer: Margitt Lehbert, Hans-Christian Oeser
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