Gast des ilb 2007
Shusha Guppy
wurde 1940 in Teheran als Tochter einer alteingesessenen Familie
geboren. Ihr Vater, ein bedeutender iranischer Philosoph, war Professor
an der Teheraner Universität. Im Alter von 17 Jahren nahm Guppy in
Paris ein Studium der Orientalistik und Philosophie auf und absolvierte
eine Ausbildung zur Sängerin. In ihren Erinnerungen »A Girl in Paris«
(1991; Ü: Eine Frau in Paris) beschreibt sie die prägende
Atmosphäre der französischen Hauptstadt um 1960 und schildert
Begegnungen mit Künstlern und Philosophen wie Louis Aragon, José
Bergamín, Jean-Paul Sartre und Albert Camus. Von Jacques Prévert
ermutigt, begann sie Alben mit persischer Musik aufzunehmen und ihr
Repertoire auch auf Chansons und alte französische Musik auszuweiten.
Bis heute veröffentlichte sie 15 Alben. Ihr allgemein bekanntes Debüt,
»Persian Love Songs and Mystic Chants« (Ü: Persische Liebeslieder und
mystische Gesänge), ist inzwischen auch als CD erhältlich, ebenso wie
ihre jüngste Aufnahme »Refugee« (Flüchtling).
Nach ihrer Heirat mit Schriftsteller und Forscher Nicholas Guppy übersiedelte sie nach London, wo sie sich ihre dritte Sprache
erschloss, in der sie arbeitet und schreibt. Sie beteiligte sich an
größeren Publikationen in Großbritannien und Amerika und begann, als
Sängerin aufzutreten. Vom Revival der Folksongs in den sechziger Jahren
angeregt, schrieb sie eigene Lieder, die sie ebenso wie Stücke von
zeitgenössischen Singer-Songwritern wie Bob Dylan, Leonard Cohen und
Van Morrison bei Konzerten in Europa sowie in Amerika und in
verschiedenen Radio- und Fernsehprogrammen vortrug.
1977 wurde sie als Filmemacherin einer breiteren Öffentlichkeit
bekannt, als ihr Dokumentarfilm »People of the Wind« (1976; Ü: Volk des
Windes) für einen Oscar in der Kategorie Bester Dokumentarfilm
nominiert wurde. Er begleitet die Nomaden der Bachtiari-Stämme im Iran
auf ihrer alljährlichen Reise. Der von Guppy produzierte Soundtrack dazu erschien später in den USA.
1988 debütierte die Künstlerin mit ihrem Erinnerungsbuch »The Blindfold
Horse« (dt. »Der persische Garten meiner Familie«, 1995), das mit dem
Yorkshire Post Prize, dem Preis der Royal Society of Literature und dem
Grand Prix Littéraire de Elle ausgezeichnet wurde. Das Buch gilt
inzwischen als Klassiker. Vor dem Hintergrund ihrer Kindheit und
Familiengeschichte schildert die Autorin die untergegangene Welt
Persiens vor den Exzessen des Schahs und der Mullahs. So entsteht ein
Porträt einer humanen islamischen Lebensform jenseits von Dogmatismus
und Fanatismus. Guppys jüngstes Werk, »The Secret of Laughter« (2005;
Ü: Das Geheimnis des Lachens), ist eine Sammlung persischer Märchen.
Die Geschichten von Prinzen und Prinzessinnen, Derwischen,
wundertätigen Heiligen, Dschinns, Riesen, feuerspeienden Drachen,
geflügelten Pferden, Hexenmeistern und Magiern entstammen der
mündlichen Erzähltradition Irans und lagen bislang zum Großteil nicht
in Schriftform vor.
Auch in vielen weiteren Publikationen betätigte sich Guppy als
Vermittlerin persischer Kultur und Geschichte und als Kommentatorin der
aktuellen Beziehungen zwischen westlicher und islamischer Welt. Sie war
zwanzig Jahre lang Herausgeberin der amerikanischen
Literaturzeitschrift »The Paris Review« in London, bis deren Gründer
und Herausgeber George Plimpton starb. Guppy lebt und arbeitet in
London.
© internationales literaturfestival berlin
BIBLIOGRAFIE:
Persian Love Songs and Mystic Chants [CD]
Lyricord
Refugee [CD]
Sharrow Recordings
A Girl in Paris
Heinemann
London, 1991
Looking back
British American Publishers
Latham, 1991
Der persische Garten meiner Familie
Rowohlt
Reinbek, 1995
[Ü: Petra Post, Andrea von Struve]
Three journeys in the Levant
Starhaven
La Jolla, 2001
The Secret of Laughter
Tauris
London, 2005
Übersetzer: Petra Post, Andrea von Struve
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