Gast beim ilb 2005
Andrew Sean Greer wurde 1970 in Washington D.C. geboren. Nach dem Bachelor-Abschluss an der Brown University in Kreativem Schreiben arbeitete er als Chauffeur, Theatertechniker und Fernsehkomparse in New York. An der University of Montana erwarb er den Masters-Titel und ließ sich schließlich in San Francisco nieder. Erste Arbeiten veröffentlichte er in »Esquire«, »The Paris Review« und »The New Yorker«. Für die Kurzgeschichte »Ploughshares« (Ü: Pflugscharen) wurde er 1996 von Richard Ford mit dem Cohen Award ausgezeichnet. Sie ist auch in der ersten Kurzgeschichtensammlung aufgenommen, die 2000 erschien.
Ein Jahr später machte Greer mit seinem ersten Roman, »The Path of Minor Planets« (dt. »Die Nacht des Lichts«, 2003), auf sich aufmerksam. Der »San Francisco Chronicle« zeichnete das Buch als eines der fünf bedeutendsten literarischen Ereignisse des Jahres aus. Greer erzählt darin die Geschichte einer Gruppe von Astronomen, die sich von 1965 bis 1989 alle sechs Jahre treffen, um einen von ihnen entdeckten Kometen zu beobachten. Diesen Handlungsrahmen nutzt der Autor, um das zentrale Thema seines bisherigen Werkes zu entfalten: die Zeit als Schauplatz und Spielplatz der Liebe zwischen Menschen, die auf ihre Weise alle Außenseiter sind. In souveränen, kraftvollen Sätzen werden die Beobachtungen und Reflexionen der verschiedenen Hauptfiguren dargestellt, die zueinander getrieben werden und sich wieder abstoßen, ohne doch jemals beieinander bleiben zu können. Minutiös, einfallsreich und einfühlsam fügt Greer Impressionen zu einem melancholischen, beinahe altersweisen Bild, das schließlich auf den Anspruch des gegenwärtigen Lebens und die Möglichkeit jedes einzelnen Augenblicks verweist.
Als 2004 der zweite Roman »The Confessions of Max Tivoli« (dt. »Die erstaunliche Geschichte des Max Tivoli«, 2005) erschien, überschlug sich die Kritik geradezu. In einer Rezension urteilte John Updike, der Roman sei »bezaubernd in seinem parfümierten, dandyhaften Stil der Ernüchterung, den Proust und Nabokov groß gemacht haben«. Tatsächlich hat sich Greer seiner Geschichte, die um die Jahrhundertwende spielt, sprachlich angepasst und erzählt etwas altertümelnd die Geschichte einer eigentlich unmöglichen Liebe. Die Zeit hat dem Protagonisten übel mitgespielt: Er kommt mit dem Körper eines siebzigjährigen Greises auf die Welt, der nun immer jünger wird. Deshalb ist ihm auch die Erfüllung der Liebe seines Lebens versagt, um die gleichwohl seine ganze Existenz kreist. Der Roman eröffnet frische Perspektiven auf das alte Thema der Liebe und die Rolle der Zeit und lässt dabei Vonneguts Science-Fiction-Einflüsse ebenso anklingen wie Kafkas parabelhafte Gestalten, Grass’ Schelmenfigur Oskar Matzerath und Nabokovs armseligen Lüstling Humbert Humbert. Der Roman ist inzwischen in mehr als 22 Ländern erschienen. Greer ging mit ihm im Frühling dieses Jahres auf eine umfangreiche Lesetour durch Europa. In den USA wurde er zuletzt mit zwei angesehenen Preisen ausgezeichnet: dem California Book Award und dem New York Public Library Young Lions Award für Autoren unter 35 Jahren.
© internationales literaturfestival berlin
Andrew Sean Greer online: www.andrewgreer.com
BIBLIOGRAFIE:
How It Was for Me
Picador USA
New York, 2000
Die Nacht des Lichts
Fischer
Frankfurt/Main, 2003
Übersetzung: Uda Strätling
Die erstaunliche Geschichte des Max Tivoli
Fischer
Frankfurt/Main, 2005
Übersetzung: Uda Strätling
Übersetzer: Uda Strätling
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