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Gisèle Pineau
Frankreich
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Gisèle Pineau wurde 1956 in Paris als Tochter einer kinderreichen Einwandererfamilie aus Guadeloupe geboren. Von ihrer Großmutter, die ihr auf Kreolisch Geschichten, Märchen und Mythen aus der Heimat erzählte, empfing sie prägende Eindrücke und begann schon als Kind, angesichts von Intoleranz und Rassismus, sich schreibend ihrer Identität zu versichern. 1970 kehrte die Familie auf die Antillen zurück und lebte zunächst auf Martinique, wo Pineau die kreolische Kultur, Sprache und Geschichte entdeckte. In ihrem späteren Werk reagiert sie auch auf die damaligen Erfahrungen häuslicher Gewalt. Nach dem Abitur ging sie erneut für einige Jahre nach Frankreich, studierte in Nanterre französische Literatur und arbeitete als Psychiatrieschwester. 1981 kehrt sie nach Guadeloupe zurück, wo sie auch nach ihren schriftstellerischen Erfolgen weiterhin als Krankenschwester im Centre Hospitalier Psychiatrique de Saint-Claude in Capesterre-Belle-Eau tätig war. Literarisch trat Pineau zunächst mit ihrer preisgekrönten Kurzgeschichte »Paroles de terre en larmes« hervor, die 1988 einer Anthologie ihren Namen geben sollte. 1992 veröffentlichte sie das Kinderbuch »Un papillon dans la cité« (dt. »Ein Schmetterling in der Vorstadt«, 1996), in dem ein Mädchen aus Guadeloupe in eine Pariser Hochhaussiedlung zieht, aus deren Trübseligkeit sie sich bei der Großmutter ihres Freundes zurückziehen kann. Für ihren Roman »La grande drive des esprits« (1993; dt. »Die lange Irrfahrt der Geister«, 1995) wurde Pineau mit dem Prix Carbet, dem wichtigsten Preis für französischsprachige Literatur in der Karibik, ausgezeichnet. Das Werk thematisiert die Erfahrungen der Rückkehr in die fremde Heimat Guadeloupe und zeichnet die Entdeckung der eigenen, persönlichen Geschichte nach. Seitdem verfasste Pineau neben Essays und Kurzgeschichten neun weitere Romane und Jugendbücher, die sich ebenso der »Kreolität« – der selbstbewussten Erweiterung der französischen Sprache und Kultur durch kreolische Ausdrücke und Lebenswelten – verschrieben haben wie auch der Beschreibung von Außenseitern und Unterdrückten. Neben Motiven wie Rassismus, Armut, zerstörten Familien schildert Pineau die Leiden und Hoffnungen besonders der Frauen auf den Antillen. »Ich schreibe gegen den Rassismus und lasse Frauen zu Wort kommen, Weiße und Schwarze, Hausfrauen und Prostituierte, Geschlagene und Vergewaltigte.« Während sie in »L'Exil selon Julia« (1996; Ü: Das Exil laut Julia) erneut die Figur der Großmutter aufgreift, schildert ihr jüngster Roman »Fleur de barbarie« (2005; Ü: Blume der Barbarei) das Leben der afro-amerikanischen Tänzerin Josephine Baker. Pineau war Jurymitglied und -präsidentin des Prix du Livre Insulaire. Sie wurde u.a. mit dem Prix du Livre des französischen Auslandsrundfunks RFO, dem Prix Terre de France, dem Prix Rotary und dem Prix Amerigo Vespucci ausgezeichnet. Seit 2000 lebt die Autorin mit ihrem Ehemann und zwei Kindern erneut in Paris. © internationales literaturfestival berlin
BIBLIOGRAFIE:
L'Exil selon Julia Stock Paris, 1996
Die lange Irrfahrt der Geister Piper München, Zürich, 1998 [Ü: Gunhild Niggestich]
Die Frau, die den Himmel aufspannt Hammer Wuppertal, 1998 [Ü: Giò Waeckerlin-Induni]
L'âme prêtée aux oiseaux Stock Paris, 1998
Ein Schmetterling in der Vorstadt Dtv München, 2002 [Ü: Annemarie Berger]
Chair piment Mercure de France Paris, 2002
Fleur de barbarie Mercure de France Paris, 2005
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