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© Patmos Verlagshaus

Roberto Innocenti

Italien











Writing Spaces

Gast des ilb 2006

Im Alter von elf Jahren kam Roberto Innocenti, 1940 bei Florenz in Italien geboren, zum ersten Mal mit der Welt der Kunst in Berührung. Als Assistent in einem Fachgeschäft begann er, mit Farben und Papier zu experimentieren, und sagt heute von sich, dass er von diesem Zeitpunkt an ein Künstler mit Leib und Seele war, obwohl er nie eine Kunstschule besuchen konnte. Ende der fünfziger Jahre ging Innocenti nach Rom und arbeitete in einem Trickfilmstudio, als Grafiker bei einer Zeitschrift und als Plakatdesigner. Im Alter von 43 Jahren wandte er sich ganz der Kinderbuchillustration zu und bebilderte die französische Version des Aschenputtel-Märchens, Charles Perraults »Cendrillon« (1983; dt. »Aschenputtel oder Das gläserne Pantöffelchen«, 1983). Damit begann eine Weltkarriere, die für das Illustrieren von Klassikern immer wieder Maßstäbe setzte. Innocenti bebilderte u.a. Werke von E.T.A Hoffmann, Charles Dickens, Oscar Wilde und Christophe Gallaz. Die »New York Times« nannte ihn einen »der bedeutendsten Kinderbuchillustratoren der Welt«.
Roberto Innocentis Domänen sind die Zeitgeschichte sowie die klassische Erzählung und das Märchen. Er recherchiert, fotografiert, skizziert und rekonstruiert Figuren, Kostüme, Architektur und Requisiten »wie ein Archäologe« (Inge Sauer). Seine Illustrationen sind kunstvolle, optisch verblüffende Inszenierungen – vor allem in Aquarell –, in denen er den symbolischen Wert von Fakten und Geschichten mit Sinn für das Ernsthafte, Heitere oder Geheimnisvolle belebt. Elemente seiner spannungsreichen Bilddramaturgie sind die dem Theater und Film entliehene Perspektivik und Lichtdramaturgie, die seinen Bildern eine unverwechselbare Atmosphäre und Dichte verleihen.
»The Adventures of Pinocchio« (1988; dt. »Pinocchio«, 1988), die Interpretation von Carlo Collodis Kinderbuchklassiker, zählt zu Roberto Innocentis Meisterwerken. Liebevoll und schelmisch bebildert er die Geschichte des selbstsüchtigen Holzbengels, der zahlreiche Abenteuer bestehen muss, bevor er ein richtiger Junge werden kann. Er versetzt seine Betrachter in das Florentiner Land des 19. Jahrhunderts, wo sich Hutmacher, Kesselflicker, Wäscherinnen, Gaukler, Polizisten und Ganoven in Dörfern und Gassen tummeln. Seine beinahe fotorealistischen Illustrationen bestechen durch ungewöhnliche Perspektiven, Szenen, die an niederländische Genremalerei erinnern, sowie eindrückliche Grau- und Brauntönungen. Mit »Rose Blanche« (1985; Text: Christophe Gallaz; dt. »Rosa Weiss«, 1986) und »La storia di Erika« (2003; Text: Ruth Vander Zee; dt. »Erikas Geschichte«, 2003) legte Roberto Innocenti zwei bewegende Bilderbücher über das Trauma des Holocaust vor, die kontrovers diskutiert und preisgekrönt wurden. In »Rose Blanche« erzählt er die Geschichte eines wachen Mädchens, das mit den Gräueln des Nationalsozialismus, mit Gewalt, Trauer und Tod konfrontiert wird. »Ich habe versucht«, sagt Innocenti über sein autobiografisch motiviertes Bilderbuch, »in Bildern einzufangen, wie ein Kind Krieg erlebt, ohne wirklich zu begreifen.« Ausgelassen und subtil hingegen präsentiert Innocenti in erneuertem Stil mit seinem Bilderbuch »L’ultima spiaggia« (2002; Text: J. Patrick Lewis; dt. »Das Hotel zur Sehnsucht«, 2002) ein Detektivspiel über die eigene Inspiration und seine Lieblingsfiguren der Weltliteratur – Stevensons Schatzsucher, Kommissar Maigret oder Andersens kleine Meerjungfrau.
Roberto Innocentis Bilderbücher erschienen in der ganzen Welt. Seine Illustrationen wurden u.a. in Bologna, Genf, New York und Taipeh ausgestellt. Die Vielzahl von Ehrungen, die er für sein Œuvre erhielt, umfasst u.a. den Goldenen Apfel der Illustratorenschau von Bratislava, den Premio Andersen sowie die Silver Medal der Society of Illustrators in New York City. Für die Illustration des Buches »Pinocchio« von Carlo Collodi wurde ihm 2006 der Illustrationspreis für Kinder- und Jugendbücher, ein Medienpreis der EKD, verliehen. Roberto Innocenti lebt bei Florenz.

© internationales literaturfestival berlin

BIBLIOGRAFIE:

Aschenputtel oder Das gläserne Pantöffelchen
[Text: Charles Perrault]
Middelhauve
Köln, 1983
[Ü: Ludwig Askenazy]

Nussknacker und Mausekönig
[Text: E.T.A. Hoffmann]
Sauerländer
Düsseldorf, 1997

Das Hotel zur Sehnsucht
[Text: J. Patrick Lewis]
Sauerländer
Düsseldorf, 2002
[Ü: Hans ten Doornkaat]

Erikas Geschichte
[Text: Ruth Vander Zee]
Sauerländer
Düsseldorf, 2003
[Ü: Gabriele Haefs]

Pinocchio
[Text: Carlo Collodi]
Sauerländer
Düsseldorf, 2005
[Ü: Hubert Bausch]

Rosa Weiss
[Nacherzählt von Mirjam Pressler]
Sauerländer
Düsseldorf, 2006

Das Medaillon
[Text: Andrea Camilleri]
Kindler
Berlin, 2006
[Ü: Moshe Kahn]

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Ich werde mich an diese Tage in Berlin und an Euch stets erinnern, wie an einen ganz besonderen Moment in meinem Leben. Meine Eindrücke vom Festival sind durchweg positiv. Das Hospitality-Zelt des Festivals hat die Autoren sich wie zu Hause fühlen lassen, wie in einem ganz besonderen Zuhause. Es war gewissermaßen ein Bezugspunkt, der immer bereit war, uns aufzunehmen – ein tröstender und komfortabler Stützpunkt, an den man immer wieder zurückkehren konnte und von wo man stets aufbrechen konnte. Mir schien es eine gelungene Idee. Und auch das Wetter hat uns geliebt und dazu beigetragen, die Atmosphäre einer Party im Freien entstehen zu lassen. Das Zusammentreffen mit anderen Autoren und Illustratoren hat mir viel Freude bereitet. Ich hoffe wirklich sehr, dass wir uns bald wieder sehen werden und bis dahin wünsche ich Euch, die kleinen Dinge des Alltags froh zu erleben, die uns stets die Energie zurückschenken, Neues anzugehen. 
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