Gast beim ilb 2004
Frédéric Beigbeder wurde 1965 in Neuilly-sur-Seine,
Frankreich, geboren. Neben dem Studium der Politikwissenschaften
organisierte er Parties im Pariser Nachtleben. Nach der
Veröffentlichung seines ersten Romans „Memoires d’un jeune homme
dérangé” (1990; dt. „Memoiren eines Sohnes aus schlechtem Hause”,
2001), nahm er ein Jobangebot als Werbetexter an. Zehn Jahre lang
arbeitete er erfolgreich für verschiedene Werbeagenturen. Zur selben
Zeit machte er sich als Literaturkritiker für Magazine wie „Elle”,
„Paris Match” und „Voici” sowie in Kultursendungen des französischen
Fernsehens einen Namen. Durch seine Vorliebe für die Welt des Glamours
und der Skandale sowie durch seine Lust an Provokation wurde er schon
bald zum ebenso umstrittenen wie bewunderten enfant terrible der
französischen Literaturszene. 1994 rief er den Prix de Flore für junge
Autoren (benannt nach dem berühmten Café Flore in St.-Germain-des-Prés)
ins Leben, zu dessen Preisträgern Michel Houellebecq und Virginie
Despentes zählen. 2003-2006 war er Programmleiter bei Flammarion.
Seine eigenen Werke könnte man als ‚Autofiktionen’ bezeichnen. In der
Trilogie „Memoires d’un jeune homme dérangé”, „Vacances dans le coma”
(1994; dt. „Ferien im Koma”, 2002), „L’amour dure trois ans” (1997; dt.
„Die Liebe währt drei Jahre”, 2003), porträtiert er auf
narzisstisch-ironische Art sein alter ego Marc Maronnier als typischen
Vertreter der hedonistischen Party- und Spaßgeneration der neunziger
Jahre. Um die Welt des Scheins, der Marken und der Oberflächen geht es
auch in seinem Skandalroman „Neununddreißigneunzig” (2001), einer
Abrechnung mit der Werbebranche und zugleich polemische Warnung vor der
‚Weltmacht Werbung’, die prompt Beigbeders Karriere als Werbetexter
beendete. Seither unterstützt er einerseits die Aktionen der
globalisierungskritischen „Antipub”-Bewegung, arbeitete andererseits
aber auch als Berater für die Wahlkampagne des kommunistischen
Kandidaten Robert Hue. Auch sein Roman „Windows on the World” (2003)
bietet genügend Angriffsfläche für Kritiker. In 119 kurzen Kapiteln
imaginiert Frédéric Beigbeder die 119 letzten Minuten eines
Immobilienmaklers, der mit seinen beiden Söhnen am 11.09.2001 im
Restaurant des World Trade Centers frühstückt. In einer
Parallelkonstruktion zu diesem Handlungsstrang denkt ein Jahr später
der Erzähler namens Frédéric Beigbeder im Pariser Tour Montparnasse
über die Auswirkungen des Terroranschlags auf die westliche Welt, das
amerikanisch-französische Verhältnis und sein eigenes Leben nach. Das
Buch wurde in Frankreich begeistert aufgenommen und 2003 mit dem Prix
Interallié ausgezeichnet. 2005 erschien der Roman „L´egoïste
romantique“ (dt. „Der romantische Egoist“, 2006), in dem Beigbeder in
Form eines „anti-journal“ mit der „Medien- und Spektakelgesellschaft”
abrechnet. Der Schriftsteller lebt in Paris.
© internationales literaturfestival berlin
Frédéric Beigbeder online: www.beigbeder.net
BIBLIOGRAFIE:
Neununddreissigneunzig
Rowohlt
Reinbek, 2001
Übersetzung: Brigitte Große
Memoiren eines Sohnes aus schlechtem Hause
Rowohlt
Reinbek, 2001
Übersetzung: Brigitte Große
Ferien im Koma
Rowohlt
Reinbek, 2002
Übersetzung: Brigitte Große
Die Liebe währt drei Jahre
Rowohlt
Reinbek, 2003
Übersetzung: Brigitte Große
Letzte Inventur vor dem Ausverkauf. Die 50 besten Bücher des 20.Jahrhunderts.
Rowohlt
Reinbek, 2004
Übersetzung: Juliane Gräbener-Müller
Windows on the World
Ullstein
Berlin/München, 2004
Übersetzung: Brigitte Große
Der romantische Egoist
Ullstein
Berlin, 2006
Übersetzung: Brigitte Große
Übersetzer: Juliane Gräbener-Müller, Brigitte Große |