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Autor
© Doris Poklekowski

Feridun Zaimoglu

Deutschland

Gast des ilb 2006

Feridun Zaimoglu wurde 1964 im anatolischen Bolu geboren und wuchs als Sohn einer Gastarbeiterfamilie in Deutschland auf. Seit 1985 lebt er in Kiel, wo er Kunst und Humanmedizin studierte. Mit seinem Debüt von 1995, »Kanak Sprak. 24 Mißtöne vom Rande der Gesellschaft«, den folgenden Büchern »Abschaum. Die wahre Geschichte des Ertan Ognun« (1995) und »Koppstoff« (1998) sowie mit dem Film »Kanak Attack« (2000) hob er das Idiom jugendlicher Einwandererkinder ins Bewusstsein der deutschen Gesellschaft. Seitdem gilt er als Kultautor und Gallionsfigur der Migrantenliteratur in Deutschland.

»Kanak Sprak« stellt die Lebensgeschichten und -ansichten türkischer Einwanderer vor. Die Texte beruhen auf O-Tönen, aus denen Zaimoglu eine eigene literarische Ausdrucksweise entwickelt. Darin mischt sich die stakkatohafte deutsch-englische Redeweise der Straße mit vulgären, obszönen und beleidigenden Ausdrücken sowie direkt übersetzten, antiquiert anmutenden Formulierungen aus dem Türkischen. »Die sprachliche Manifestation unserer Mobilmachung heißt Kanak Sprak, das ist das babylonische Kauderwelsch einer unbedingt auffälligen, unbedingt angestoßenen Generation, auf die dieses Land wirklich gewartet hat.« Zaimoglus offensiver Gestus brachte ihm Bezeichnungen wie »Malcolm X der Türken« oder »Rudi Dutschke der Deutschländer« ein. Obwohl zum Fürsprecher einer ganzen Bevölkerungsgruppe gemacht, verfolgt er kein bestimmtes Programm. Sein zentrales Thema ist vielmehr die Unbehaustheit des Menschen, die er am Beispiel von Emigrantenschicksalen mit fulminanter und furioser Sprachbeherrschung darstellt. In den neueren Romanen und Erzählungen weiten sich seine beobachtungsscharfen Schilderungen metaphernreich und episch aus. Der Erzählband »Zwölf Gramm Glück« (2004) vereint zwölf Geschichten, die in der modernen, westlichen neuen Heimat und dem orientalischen, archaischen Herkunftsland der verschiedenen Ich-Erzähler stattfinden. Es sind allesamt Glücksritter auf der Suche nach Liebe, die herumirren zwischen den Sinnangeboten und Enttäuschungen, die beide Kulturen bereithalten. Für die Erzählung »Häute« aus diesem Band erhielt Zaimoglu den Preis der Jury beim Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt. Mit seinem neuesten Roman »Leyla« (2006) entfernt sich Zaimoglu ein weiteres Stück von seinem einstigen Image. Aus Sicht der Protagonistin – in der patriarchalischen Gesellschaftsordnung zum passiven Beobachten verdammt – erzählt er in einer umfangreichen Familiensaga von einer Kindheit in der anatolischen Provinz, dem Umzug in die Metropole Istanbul und der vagen Hoffnung, als Gastarbeiter in Deutschland ein besseres Leben zu finden.

Unter Zaimoglus Auszeichnungen sind der Hebbel-Preis, der Adelbert-von-Chamisso-Preis und der Hugo-Ball-Preis. 2003 war der Autor Inselschreiber auf Sylt, im folgenden Jahr Samuel-Fischer-Gastprofessor an der Freien Universität Berlin und anschließend Stipendiat der Villa Massimo in Rom. Er schreibt regelmäßig für »Die Zeit«, die »Frankfurter Allgemeine Zeitung«, »Die Welt« und die »Frankfurter Rundschau«.

© internationales literaturfestival berlin

BIBLIOGRAFIE:

Koppstoff
Rotbuch
Hamburg, 1998

Liebesmale, scharlachrot
Rotbuch
Hamburg, 2001

Kopf und Kragen
Fischer
Frankfurt/Main, 2001

Leinwand
Rotbuch
Hamburg, 2003

Abschaum
Rotbuch
Hamburg, 2003

Kanak Sprak
Rotbuch
Hamburg, 2004

German Amok
Fischer
Frankfurt/Main, 2004

Zwölf Gramm Glück
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 2004

Leyla
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 2006


 

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