Gast des ilb 2006
Gabriela Adameşteanu
wurde 1942 im rumänischen Târgu Ocna geboren. Sie studierte Rumänische
Sprache und Literatur an der Universität von Bukarest und war
anschließend als Redakteurin in Literatur- und Lexikonverlagen tätig.
In den späten achtziger Jahren arbeitete sie, unterstützt von Radio
Free Europe, eng mit Dissidenten zusammen. 1990 wurde sie Mitglied der
Gruppe für Sozialen Dialog (G.D.S.), der ersten rumänischen
Nichtregierungsorganisation. In Berlin, Wien und Brüssel zur
Journalistin ausgebildet, leitete sie von 1998 bis 2001 das von G.D.S.
herausgegebene Wochenmagazin »22« mit politischen, sozialen,
ökonomischen und kulturellen Themen. Als Mitglied von »Women's Edition«
(1998-2001), einem vom Population Reference Bureau organisierten
internationalen Zusammenschluss von Herausgebern, setzte sie sich für
die Rechte der Frauen ein. Für ihr Engagement wurde sie 2002 mit dem
Hellman-Hammett-Stipendium der Human Rights Watch ausgezeichnet. Als
Präsidentin des rumänischen PEN war sie je zweimal als Writer in
residence in die USA (Iowa City, 1990; Leding House, 2004) und nach
Frankreich (Arles, 2000; Saint-Nazaire, 2004) eingeladen. 2005 war sie
Gast des französischen Festivals »Belles Etrangères«. Derzeit leitet
sie die Kulturbeilage »Bucureştiul Cultural«.
Adameşteanus literarische Werke wurden mit
nationalen Preisen ausgezeichnet und vielfach neu aufgelegt. Ihr
Romandebüt »Drumul egal al fiecărei zile« (1975; Ü: Der immergleiche
Weg eines jeden Tages) beschreibt das typische Leben der sechziger
Jahre und wechselt zwischen dem Motiv der »éducation sentimentale«
eines jungen Mädchens und den Themen Erfolg und Misserfolg. Einige der
Kurzgeschichten aus »Dăruieşte-ti o zi de vacanţă« (1979; Ü: Schenk dir
einen Ferientag) und »Vară-primavară« (1989; Ü: Sommer – Frühling)
erzählen von der Hoffnungslosigkeit der späten Jahre unter Ceauşescus
Herrschaft und wurden auch in russischen, deutschen, österreichischen,
ungarischen und estnischen Anthologien veröffentlicht. Ihr bekanntestes
Werk »Dimineaţa Pierdută« (1984; Ü: Ein verlorener Vormittag) bildete
die Vorlage für eines der erfolgreichsten Theaterstücke Rumäniens und
wurde 1986 am Bukarester Teatrul Bulandra von Catalina Buzoianu
inszeniert. Mit feinem Gespür für die Redeweisen und Perspektiven der
verschiedenen Gesellschaftsschichten und Persönlichkeiten stellt
Adameşteanu individuelle Schicksale und kollektive Tragödien
nebeneinander und schafft ein vielstimmiges Porträt ihres Landes im
zwanzigsten Jahrhundert. Der Roman wurde auch in Estland und Bulgarien
veröffentlicht und erschien in Auszügen in den Magazinen »Words Without
Borders« und »Wespennest«. Die französische Ausgabe von 2005 wurde für
den Prix Union Latine nominiert. Ihr jüngster Roman, »Întâlnirea«
(2003; Ü: Die Begegnung), ist ein modernes Echo auf Homers »Odyssee«.
Das lyrische und dramatische Werk thematisiert die problematische
Kommunikation zwischen einem Einwanderer und seinem – in langen Jahren
der Diktatur von der Welt isolierten – Heimatland.
Neben ihrer literarischen Produktion übersetzte
Adameşteanu aus dem Französischen (Maupassant, Bianciotti).
Journalistische Arbeiten von ihr erschienen in den beiden Bänden
»Obsesia politicii« (1995; Ü: Die Leidenschaft der Politik) und »Cele
două Românii« (2001; Ü: Die zwei Rumänien).
© internationales literaturfestival berlin
BIBLIOGRAFIE:
Drumul egal al fiecărei zile
Cartea Româneasca
Bukarest, 1978
Vară – primavară
Cartea Româneasca
Bukarest, 1989
Dimineaţa Pierdută
Editura Albatros
Bukarest, 1991
Obsesia politicii
Editura Clavis
Bukarest, 1995
Cele două Românii
Inst. European
Iaşi, 2000
Daruieşte-ti o zi de vacanţă
Editura Paralela 45
Pitesti, 2000
Întâlnirea
Editura Polirom
Bukarest, 2003
Une matinée perdue
Gallimard
Paris, 2005
[Ü: Alain Paruit] |