Gast des ilb 2006
Frank McCourt
wurde 1930 als Sohn irischer Einwanderer in New York geboren. Seine
Kindheit und Jugend, für deren literarische Bearbeitung er bekannt
werden sollte, verbrachte er jedoch im irischen Limerick. Dorthin war
seine Familie nach einigen Jahren, die nicht den erhofften Wohlstand
gebracht hatten, völlig mittellos zurückgekehrt. Sein Vater fand jedoch
weiterhin nur selten Arbeit und vertrank häufig die Armenunterstützung
im Pub, während seine Mutter einen verzweifelten Kampf um das Überleben
ihrer sechs Kinder führte. Im Alter von 19 Jahren zog es McCourt erneut
in die USA. Später studierte er an der New York University Englische
Literaturwissenschaft und lehrte 27 Jahre lang Englisch und Kreatives
Schreiben an verschiedenen Schulen und Colleges, unter anderem an der
Stuyvesant High School in New York City. Erst nach seiner Emeritierung
erfüllte er sich einen lang gehegten Wunsch und schrieb das
autobiografische Werk »Angela's Ashes« (1996; dt: »Die Asche meiner
Mutter«, 1996), das ein internationaler Bestseller wurde und einen Boom
literarischer Kindheitserinnerungen auslöste.
McCourt schildert seine Jugend in den
Elendsvierteln von Limerick aus der Perspektive des Heranwachsenden und
bedient sich dabei einer regional gefärbten Umgangssprache und einer
unprätentiösen Erzählweise. »Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke,
dann frage ich mich, wie ich überhaupt überlebt habe. Natürlich hatte
ich eine unglückliche Kindheit; eine glückliche Kindheit lohnt sich ja
kaum. Schlimmer als die normale unglückliche Kindheit ist die
unglückliche irische Kindheit, und noch schlimmer ist die irische
katholische Kindheit«, beginnt der Autor seine Erinnerungen. In oft
humorvollen, ironischen Anekdoten erzählt McCourt ohne Bitterkeit von
Armut, Entbehrung und Familienkonflikten, von Doppelmoral und absurden
Erlebnissen mit staatlichen und kirchlichen Einrichtungen. Wo »Angela's
Ashes« endet, setzt »'Tis« (1999, dt. »Ein rundherum tolles Land«,
1999) ein: Mit 19 Jahren hat Frank endlich genug Geld gespart, um in
die USA zurückzukehren. Dort angekommen, schlägt er sich zunächst mit
Gelegenheitsjobs durch, immer im Kampf um soziale Anerkennung und
Integration. Als amerikanischer Soldat ist er einige Jahre in
Deutschland stationiert und kann nach seiner Rückkehr die
Aufnahmestelle der New York University überreden, ihn ohne
qualifizierenden Abschluss zum Studium zuzulassen. In lockerer
chronologischer Abfolge rekapituliert der Autor in »'Tis« seinen
Werdegang als Lehrer und die weitere Entwicklung seiner Familie. 2005
veröffentlichte er mit »Teacher Man« (dt. »Tag und Nacht und auch im
Sommer«, 2006) den dritten Teil seiner Autobiografie, in dem er seine
langjährige Lehrtätigkeit beschreibt und reflektiert.
McCourt erhielt den Pulitzer Preis für Biografie
und wurde u.a. mit dem National Book Critics Award, dem Los Angeles
Times Book Award und dem American Booksellers Book of the Year Award
ausgezeichnet. 1999 wurde »Angela's Ashes« unter der Regie von Alan
Parker verfilmt. Der Autor lebt in New York.
© internationales literaturfestival berlin
BIBLIOGRAFIE:
Ein rundherum tolles Land
Luchterhand
München, 2000
[U: Rudolf Hermstein]
Die Asche meiner Mutter
Ueberreuter
München, 2006
[U: Harry Rowohlt]
Tag und Nacht und auch im Sommer
Luchterhand
München, 2006
[Ü: Rudolf Hermstein] |