Gast des ilb 2006
Paulo Henriques Britto wurde
1951 im brasilianischen Rio de Janeiro geboren. 1972 begann er, am San
Francisco Art Institute in den Vereinigten Staaten Film zu studieren.
Im folgenden Jahr kehrte er für ein Linguistikstudium nach Rio de
Janeiro zurück. Bereits während seines Studienaufenthaltes in den USA
begann Britto, Gedichte und Songtexte zu übersetzen – aus Leidenschaft
für die Rocklegenden Jim Morrison und Bob Dylan. Er übertrug Werke von
Byron, Wallace Stevens, Elizabeth Bishop, Thomas Pynchon u.a. und zählt
heute zu den renommiertesten Übersetzern Brasiliens. Britto lehrt
Literatur, Literarische Übersetzung und Kreatives Schreiben an der
Pontifícia Universidade Católica (PUC) in Rio de Janeiro.
Das literarische Werk des Autors steht in der
Tradition Emily Dickinsons. Als er Anfang der siebziger Jahre zu
schreiben begann, befand sich das literarische Brasilien in einer Phase
der Polarisierung, wie sich Britto erinnert: »Entweder du mochtest
Chico Buarque – oder Caetano Veloso. Mir gefielen immer beide, das war
ein Problem«. Darüber hinaus verbindet Britto eine Vorliebe für
Metasprache, Methodik und strenge literarische Formen mit der konkreten
Poesie, während er inhaltlich der sogenannten »Generation Mimeographie«
(Geração Mimeógrafo) nahesteht. Diese Schriftstellergeneration
propagiert literarische Spontaneität und die Thematisierung des Alltags
unter Verwendung der Umgangssprache. Sie ist – ähnlich wie die »Beat
Generation« – von der Rockmusik der sechziger und siebziger Jahre, vor
allem jedoch von der brasilianischen »música popular« und deren
Vertretern wie Chico Buarque, Caetano Veloso und Gilberto Gil geprägt.
Britto, der im Jahr höchstens vier bis sechs
Gedichte schreibt, veröffentlichte 1982 seinen ersten Lyrikband
»Liturgia da matéria« (1982, Ü: Liturgie der Materie). Es folgten
»Mínima lírica« (1989, Ü: Kleinste Lyrik), »Trovar claro« (1997, Ü: In
Klarheit dichten) und der Band »Macau« (2003), für den der Autor 2004
mit dem Prêmio Portugal Telecom de Literatura Brasileira ausgezeichnet
wurde. Macau – die ehemalige portugiesische Kolonie in China – steht
metaphorisch für die Kunst und Befindlichkeit Brittos. Das Werk machte
ihn zu einem Kultdichter Brasiliens. Nach über dreißigjähriger
Entstehungszeit veröffentlichte der Autor seinen ersten Band mit
Erzählungen, »Paraísos artificiais« (2004, Ü: Künstliche Paradiese),
der 2005 für den Prêmio Jabuti nominiert wurde. Britto lebt in Rio de
Janeiro.
© internationales literaturfestival berlin
Bibliografie:
Liturgia da matéria
Civilização Brasileira
Rio de Janeiro, 1982
Mínima lírica
Livraria Duas Cidades
Sao Paulo, 1989
Trovar claro
Companhia das Letras
Sao Paulo, 1997
Macau
Companhia das Letras
Sao Paulo, 2003
Paraísos artificiais
Companhia das Letras
Sao Paulo, 2004 |