Gast des ilb 2006
István Vörös
wurde 1964 in Budapest geboren. Neben Tätigkeiten als
Bibliotheksmagazinist und Hilfsarbeiter im Museum veröffentlichte er
1988 den Gedichtband »Só, kenyér« (Ü: Salz, Brot) sowie die
Kurzgeschichtensammlung »Innenvilág« (Ü: Die Welt ab hier). Nach dem
Ende der kommunistischen Herrschaft studierte er Ungarische und
Tschechische Philologie, arbeitete anschließend als Lektor und
promovierte 1998. Gegenwärtig lehrt er am Institut für Tschechische
Philologie an der Katholischen Universität in Budapest und unterrichtet
auch Kreatives Schreiben.
Vörös gehört zu den bekanntesten ungarischen
Lyrikern seiner Generation. Neben zehn Gedichtbänden verfasste er auch
Essays, Rezensionen und Kurzgeschichten. Für seine Übersetzungen
tschechischer Autoren - darunter Miroslav Holub, Ivan Wernisch, Petr
Borkovec und Vladimír Holan - wurde er mit ungarischen und
tschechischen Preisen wie dem Milán-Füst-Preis und zuletzt dem Prager
Premia Bohemica ausgezeichnet. Seine eigenen Werke wurden in mehrere
Sprachen übersetzt, darunter Englisch, Französisch, Italienisch,
Slowenisch, Slowakisch, Rumänisch, Polnisch, Bulgarisch und
Tschechisch. Sie wurden in Anthologien wie »Contemporary Hungarian
Poetry« (1997; Ü: Zeitgenössische ungarische Lyrik) und »Budapester
Szenen« (1999) aufgenommen. Auf Deutsch erschien auch der Gedichtband
»Die leere Grapefruit« (2004; nach dem titelgebenden Gedicht »Az üres
grapefruit«), eine Auswahl aus »A darázs tanításai« (2000; Ü: Die Lehre
der Wespe), neben bis dahin unveröffentlichten Gedichten. Es sind
einprägsame, präzise formulierte Bilder aus dem Alltag, die ins
Traumhafte und Surreale fortgeführt werden und dabei einen vagen
allegorischen Charakter annehmen. Die Mutter beim Strudelbacken während
ihr Enkel zusieht, eine Fahrradfahrt mit dem Sohn oder touristische
Impressionen aus New York bilden ebenso wie bekannte Gemälde oder
Gedichte die Ausgangspunkte für eine Transformation des Gewohnten in
etwas unaufgeregt Staunenswertes. So werden selbst Gefühle wie Trauer,
Melancholie und Überdruss in einen reinigenden Prozess der
Transformation geführt. »Eine tänzerische, gleichzeitig
still-konzentrierte Form, Weitungen und Gefährdungen des Humanen in
pathosferne Worte zu setzen«, attestierte die »Neue Zürcher Zeitung«
dem Autor, der mit einer »sanften Beiläufigkeit des Profanen« über die
Untrennbarkeit von Leben und Tod reflektiere.
Vörös wurde mit zahlreichen Preisen
ausgezeichnet, darunter dem Tibor-Déry-Preis, dem Vilenica-Preis, dem
Attila-József-Preis und dem Hubert-Burda-Preis. Auf Ungarisch
erschienen zuletzt seine Gedichtbände »Heidegger, a postahivatalnok«
(2003; Ü: Heidegger, der Postbeamte), die Gedichte für Kinder »A
hajnali tolvaj« (2004; Ü: Der Dieb im Morgengrauen) und »Gregorián az
erdön« (2005; Ü: Gregorián im Wald). Der Autor lebt in Budapest und ist
derzeit Stipendiat des DAAD in Berlin.
© internationales literaturfestival berlin
BIBLIOGRAFIE:
Só, kenyér
Eötvös könyvek
Budapest, 1988
Innenvilág
Széphalom
Budapest, 1988
A darázs tanításai
Jelenkor
Pecs, 2000
A kéz öt ujja
Jelenkor
Pecs, 2001
Heidegger, a postahivatalnok
Jelenkor
Pecs, 2003
Die leere Grapefruit
Edition Korrespondenzen
Wien, 2004
[Ü: Zsuzsanna Gahse]
A hajnali tolvaj
Csimota Könyvkiadó
Budapest, 2004
Gregorián az erdön
Jelenkor
Pecs, 2005 |