Steffen Mensching  [ Deutschland ]

Biographie

Gast des ilb 2018.

Bibliographie

Pygmalion
Mitteldeutscher Verlag
Halle, 1991
Berliner Elegien
Faber und Faber
Leipzig, 1995
Jacobs Leiter
Aufbau
Berlin, 2003
Das gewisse Etwas
Schwarzdruck
Berlin, 2009
Schermanns Augen
Wallstein
Göttingen, 2018

Steffen Mensching wurde 1958 in Ost-Berlin geboren. Er studierte an der Humboldt-Universität Kulturwissenschaften, war Mitglied der Liedertheatergruppe Karls Enkel und kreierte zusammen mit Hans-Eckardt Wenzel clowneske Kabarettprogramme, darunter »Letztes aus der DaDaeR«, das 1990 verfilmt wurde. Des Weiteren trat er als Schauspieler, Bühnenautor und Regisseur in Erscheinung. Seit 2008 ist er Intendant und Geschäftsführer des Theater Rudolstadt.

Bereits Ende der siebziger Jahre veröffentlichte er erste Gedichte. Eine Rückschau über Menschings lyrisches Schaffen durch die Jahrzehnte bietet die Sammlung »Das gewisse Etwas« (2009). Zu seinem Roman »Jacobs Leiter« (2003) ließ sich Mensching durch eine aus viertausend Büchern bestehende Emigrantenbibliothek inspirieren, auf die er bei einem New-York-Aufenthalt stieß. »Lustigs Flucht« (2005) zeichnet den Rückzug eines phlegmatischen Germanisten in die eigenen vier Wände nach. An seinem achthundert Seiten starken Roman »Schermanns Augen« (2018) arbeitete er zwölf Jahre. Zum Protagonisten dieses historiografisch-metafiktionalen Mammutprojekts hat er den so verschrobenen wie beredten Grafologen Rafael Schermann auserkoren, welcher im Gulag seine Lebensgeschichte einem ihn dolmetschenden Mithäftling erzählt: Als prominenter Schriftenleser und darüber hinaus aufmerksamer »Physiognomiker, Gestenkenner, Habituant«, der behauptet, über hellseherische Fähigkeiten zu verfügen, hat sich Schermann in der internationalen Kaffeehausszene bewegt. In seinen hyperrezeptiven Schilderungen spiegeln sich die wirren Verflechtungen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, angereichert durch ein zeitgeschichtliches Namedropping, wenn die Titelfigur zum Beispiel am Stammtisch von Else Lasker-Schüler auf Sergei Eisenstein trifft. Dabei macht sich der Autor nicht nur die kulturellen Spezifika der Epoche zu eigen, sondern anverwandelt sich auch detailgenau die teils verbürgten sprachlichen Eigenarten seiner Charaktere. Mensching gießt die von flüssigem Parlando und lebhaften Beschreibungen durchsetzten Erinnerungsepisoden in Blocksatzpassagen, die für sich genommen pointierte Szenen mit sich verästelnden Abschweifungen darstellen, im Ganzen aber ein Geschichtspanorama entfalten, in welchem sich Recherche und Imagination wechselseitig befruchten. Der Schweizer Literaturwissenschaftler und Peter-Weiss-Exeget Robert Cohen verglich das im besten Sinne ausufernde Werk mit der ebenso monumentalen »Ästhetik des Widerstands«.

Zu Menschings Auszeichnungen zählen der Heinrich-Heine-Preis des Ministeriums für Kultur der DDR (1989), der Deutsche Kleinkunstpreis (1991) sowie der Deutsche Kabarettpreis (1995). 2001 gab er außerdem Rudolf Leonhards zwischen 1939 und 1944 abgefasstes sogenanntes Traumbuch des Exils »In derselben Nacht« heraus. Mensching lebt in Rudolstadt.

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