Peter Wawerzinek  [ Deutschland ]

Biographie

Portrait Wawerzinek
(c) Hartwig Klappert

Gast des ilb 2018.

Bibliographie

Rabenliebe
Galiani
Berlin, 2010
Schluckspecht
Galiani
Berlin, 2014
Ich – Dylan – Ich
Wortreich
Wien, 2015
Bin ein Schreiberling
Transit
Berlin, 2017
Rausch
[Mit Sven Heuchert]
Bernstein
Siegburg, 2018


www.wawerzinek.de

Peter Wawerzinek wurde 1954 in Rostock geboren. Verlassen von den Eltern, die in den Westen flohen, wuchs er in Kinderheimen an der Ostsee auf und wurde später von einem Lehrerehepaar adoptiert. Nach einer Textilzeichnerlehre und dem Militärdienst zog er Ende der siebziger Jahre nach Ost-Berlin und begann ein Studium an der Kunsthochschule in Weißensee. Anschließend arbeitete er in einer Vielzahl von Brotberufen, u. a. als Tischler, Totengräber, Postbote, Hausmeister, Kellner, Wurstverkäufer und in der Fließbandfertigung.

Währenddessen trat er als Stegreifpoet »sc.Happy« in der Subkultur des Prenzlauer Bergs in Erscheinung. Nach einer eklektischen Textsammlung mit Parodien auf die DDR-Literatur legte Wawerzinek 1990, gefördert durch den Avantgarde-Verleger Erich Maas, seinen ersten Roman »NIX«vor, der auch als Hörspiel adaptiert und 1993 mit dem Hörspielpreis der Akademie der Künste ausgezeichnet wurde. Enthalten seine frühen Texte, darunter »Moppel Schappiks Tätowierungen« (1991) oder »Mein Babylon« (1995), pasticheartige Reminiszenzen an seine schriftstellerischen Weggefährten sowie rastlose Alter Egos, welche unmittelbar die Dissonanzen der eigentümlich ahistorisch erscheinenden Großstadt bespiegeln, markiert »Rabenliebe« (2010) eine Hinwendung zu einer der eigenen Person gegenüber schonungslosen Memoirform. Darin werden seelische Vereisungen von der mütterlichen Verstoßung über Waisenhausaufenthalte und gescheiterte Adoptionen bis hin zu einer tristen Wiederbegegnung aufgearbeitet. Mittels montierter Zeitungsexzerpte und Liedfragmente verweist der Autor gleichzeitig auf gesellschaftliche wie gedächtnistypologische Dimensionen seiner lädierten Vergangenheit. Diese Introspektion, die sich durch immer neue Assoziationsketten bildende Sätze auszeichnet, führt er mit »Schluckspecht« (2014) hinsichtlich seiner Trinkexzesse und des langwierigen Entzugs in der Provinz fort. »Ich – Dylan – Ich« (2015) ist eine Hommage an den walisischen »Unter dem Milchwald«-Dichter, diese biografische Spiegelfigur und beständige Inspirationsquelle für Wawerzineks charakteristisch freimütigen, lyrisch rhythmisierten Tonfall. Hintersinnig lässt er in den launigen Bekenntnisepisoden Stationen seiner wechselhaften Laufbahn Revue passieren. Zuletzt umkreiste er in dem gemeinsam mit Sven Heuchert verfassten Band »Rausch« (2018) Bewusstseinszustände zwischen Intoxikation und Euphorie.

Unter der Regie von Wolfgang Rindfleisch entstanden Rundfunkbearbeitungen mehrerer Prosawerke. Zu Wawerzineks Auszeichnungen gehören u. a. der Deutsche Kritikerpreis für Literatur (1991) sowie der Ingeborg-Bachmann-Preis (2010). Als Stadtschreiber war er in St. Wolfgang (2008), Lohme auf Rügen (2009), Klagenfurt (2011), Jena (2012), Magdeburg (2015) und Dresden (2016). 2012 lehrte er am Oberlin College in Ohio. 2019/2020 wird er zu Gast sein in der Villa Massimo in Rom. Wawerzinek lebt in Berlin.

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